Stephan Schleiss
Grüezi und willkommen! Die gute Schule: • bildet Kopf, Herz und Hand. • kommuniziert verständlich. • ist kritikfähig. • verbindet Leistung und Lebensfreude. Für diese Schule setze ich mich ein.

Über Stephan Schleiss
Stephan Schleiss, geboren 1972, aus Steinhausen, wurde 2011 in den Zuger Regierungsrat gewählt, wo er seither der Bildungsdirektion vorsteht. Zuvor war er als Vizedirektor in der Risikoüberwachung bei einer Bank tätig. Sein Studium in Wirtschaftswissenschaften (lic. oec. publ.) absolvierte er an der Universität Zürich.
Seine Hobbys sind Lesen, Velo, Kino, Geselligkeit, Jagd.
- Vorsteher der Direktion für Bildung und Kultur
- Regierungsrat seit Januar 2011
- Stellvertreter: Florian Weber
- Partei: SVP
- Geburtsdatum: 26. Dezember 1972
- Wohnort: Steinhausen
- Bürgerort: Engelberg OW
- lic. oec. publ.
- Diözesankonferenz des Bistums Basel, Mitglied
- Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK), Mitglied des Vorstands
- Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK), Mitglied des Hochschulrats
- Interkantonale Lehrmittelzentrale (ILZ), Mitglied
- Konferenz der Vereinbarungskantone des Kulturlastenausgleichs, Mitglied
- Bildungsdirektorenkonferenz Zentralschweiz (BKZ), Präsident
- Innerschweizer Kulturstiftung, Stiftungsrat
- Hochschulrat der Pädagogischen Hochschule Zug, Präsident
- Bildungsrat, Präsident
- Schulkommission der Mittelschulen im Kanton Zug, Präsident
- Kommission zur Förderung des kulturellen Lebens, Präsident
- Stiftung Alimentarium, Vevey, Vizepräsident
- Stiftung Villette, Vizepräsident
- Schweizerische Stiftung zur Erhaltung der Hohlen Gasse, Vizepräsident
- Stiftung für junge Auslandschweizer, Sektion Zug, Präsident
- Präsidium Kolina Tugiensis, Mitglied
- SVP Schweiz, Delegierter
- SVP Steinhausen, Mitglied des Vorstands
- SVP des Freistaats und Kantons Zug, Mitglied der erweiterten Parteileitung
- 2001–2010: Vizedirektor in der Risikoüberwachung
(Market Risk Control) bei der Bank Vontobel in Zürich - 1992–2001: Studium Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich, Abschluss lic. oec. publ. (Schwerpunkt Banking & Finance)
- Kantonsschule Zug, Typus C
- 2004–2010: Mitglied des Kantonsrats
- 2008–2010: Präsident SVP Kanton Zug
- 2004–2008: Präsident SVP Steinhausen

Beiträge
Als Bildungs- und Kulturdirektor darf Regierungsrat Stephan Schleiss regelmässig vor Publikum auftreten oder auch Vorworte etc. verfassen. An dieser Stelle werden aktuelle Texte zugänglich gemacht. Zum Nachlesen oder neu Lesen.
«Mitleid zementiert die Verhältnisse», sagt der Zuger Bildungsdirektor und trimmt die Schulen auf mehr Leistung
Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss führt Notenpflicht für Prüfungen ein und halbjährliche Vergleichstests für alle Schüler. Im Interview erklärt er, warum – und was er sonst noch alles vorhat.
Herr Schleiss, der Kanton Zug steigt mit einer Neuerung ins neue Schuljahr. Sie verpflichten alle Schulen dazu, Prüfungsnoten zu verteilen. Warum?
Wir haben festgestellt, dass immer häufiger an der Notengebung herumgewerkelt wird. Schulen verzichten auf Noten oder ersetzen sie durch Smileys oder Farbcodes. Und teilweise geben sie die Prüfungen den Kindern nicht mehr mit nach Hause. Das führt auch zu Verunsicherungen bei Eltern. Darum haben wir nun die Regeln präzisiert.
Haben Sie etwas gegen Smileys?
Natürlich nicht. Aber ein Beurteilungssystem muss nachvollziehbar und transparent sein. Die unteren Klassen dürfen auch weiterhin mit Symbolen oder Farben arbeiten, aber sie müssen auf einer Skala transparent festlegen, was welcher Note entspricht, damit das für Eltern und Schüler klar ist.
Das ist ein ziemlich starker Eingriff in die didaktische Freiheit der Lehrer.
Wir mussten intervenieren, bevor das Thema die Gerichte beschäftigt. Wenn Eltern erst am Ende eines Semesters sehen, dass ihr Kind auf dem absteigenden Ast ist, können sie ihre Mitwirkungsrechte nicht mehr richtig wahrnehmen. Es ist ja grundsätzlich schön, wenn Schulen Neuerungen ausprobieren wollen. Aber es gibt Tausende geeignetere Felder für die Schulentwicklung als die Notengebung.
Reagieren Sie auf Druck von Eltern, oder agieren Sie aus eigener Überzeugung?
Beides. Ich bin überzeugt, dass eine Note ein einfaches und transparentes Mittel zur Beurteilung ist, und zwar sowohl für die Schüler selbst als auch für die Eltern und die Wirtschaft. Noten sind Ausdruck von Leistung. Wer Leistung verwässern will, der ist auch gegen die Noten.
Der Trend führt indes eher weg von Noten. Die Stadt Luzern hat neuerdings Prüfungsnoten sogar ganz verboten. Diese würden eine Scheingenauigkeit vermitteln und könnten demotivierend für Kinder sein, die sich trotz Anstrengung nicht verbesserten, heisst es.
Und ich finde, man muss sich nicht an etwas ideologisch abarbeiten, was sich bewährt hat. Die Beurteilung mit Noten erfolgt strikt nach der Sachnorm. Das heisst, es werden Ziele definiert, die vor der Prüfung bekannt sein müssen. Und danach wird beurteilt, wie gut das Kind diese Ziele erreicht hat. Noten müssen widerspiegeln, was ein Kind kann – und nicht, wie sehr es sich angestrengt hat.
Der Kanton Zug geht auch sonst neue Wege in der Schulpolitik. Neu sollen alle Kinder ab der vierten Klasse einmal pro Semester mit einem einheitlichen Test in Deutsch und Mathematik geprüft werden. Weshalb?
Ursprünglich war dies ein Gegenvorschlag des Kantonsrates zu meinem Vorhaben, eine Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium einzuführen. Das Parlament wollte stattdessen lieber standardisierte Tests für alle. Das begrüsse ich nun auch, es bringt mehr Objektivität in den Schulbetrieb, und wir erreichen eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen Gemeinden, Schulhäusern und einzelnen Klassen.
Solche Tests könnten indes dazu führen, dass Lehrer ihre Klassen gezielt darauf vorbereiten, um möglichst gut dazustehen: «teaching to the test», wie man sagt.
Das kann schon sein. Die Herausforderung wird also sein, dass wir diese Tests so aufsetzen, dass die Schüler und die Lehrer davon profitieren können. Also «tests worth teaching to». Es muss für sie einen Wert haben, daraufhin zu lernen und zu unterrichten.
Diese Vorgaben wirken sich ziemlich stark auf das Unterrichtsgeschehen aus. Darf das die Politik?
In der Tat sehe ich ein gewisses Risiko, dass man damit zu sehr in den Schulbetrieb eingreift. Darum erarbeiten wir nun die Umsetzung gemeinsam mit Lehrervertretern. Auf der anderen Seite erhalten die Lehrpersonen aber auch eine Entlastung durch klare Strukturen und regelmässige Tests, die auch fürs Zeugnis relevant sind.
Ist es auch ein Misstrauensvotum gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern?
Nicht generell. Aber es besteht die Tendenz an den Schulen, dass die Leistungsorientierung abgeschwächt wird. Etwa, wenn Lehrpersonen ihr pädagogisches Ermessen geltend machen, um Noten und Beurteilungen nach ihrem Gutdünken anzupassen. Man darf nie unterschätzen, wie selbst professionell agierende Lehrpersonen von ihren eigenen Haltungen beeinflusst sind. Nicht alle haben dieselben hohen Leistungserwartungen, die man an Kinder stellen muss, damit sie vorwärtskommen – auch an die schwächeren. Heute werden Schüler zu oft aus falscher Nachsicht zurückgelassen. Da werden Ziele angepasst, Nachteile ausgeglichen und so weiter.
Apropos Nachteilsausgleiche: Diese haben schweizweit zugenommen. Auch im Kanton Zug?
Ja. Das nimmt massiv zu und die Streitereien darüber ebenfalls. Die Entwicklung hat den gesunden Bereich verlassen. Da erwarten zum Beispiel Schüler kurz vor der Maturaprüfung plötzlich einen Nachteilsausgleich, obwohl sie vorher sechs Jahre lang nichts dergleichen brauchten. Das wird manchmal sogar eingeklagt. Darum überarbeiten wir nun die Richtlinien. Ich lasse prüfen, ob man die Nachteilsausgleichsmassnahmen im Zeugnis ausweisen darf, und wenn es nur mit einem Sternchen hinter der Note ist.
Das könnte dazu führen, dass beeinträchtigte Schüler mit einem solchen Zeugnisvermerk stigmatisiert werden. Eigentlich wollte man mit Nachteilsausgleichen ja das Gegenteil erreichen.
Tatsächlich kritisieren auch Schulrechtler solche Kennzeichnungen im Zeugnis. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Hauptaufgabe eines Zeugnisses seine Aussagekraft ist. Und wenn ein Lehrmeister dort nicht sehen kann, dass ein Schüler für seine Aufgaben zwanzig Prozent mehr Zeit braucht als der Rest, finde ich das schwierig. Er merkt es erst, wenn er den Lehrling bereits eingestellt hat.
Der Ruf nach transparenteren Zeugnissen und stärkerer Leistungsorientierung ist oft aus der Wirtschaft zu hören. Erleben Sie das auch so?
Natürlich stehen wir im regelmässigen Austausch mit der Wirtschaftskammer und dem Gewerbeverband. Dort hören wir immer wieder, dass die Schulabgänger weniger können als früher. Letztes Jahr hat die Zuger Treuhändervereinigung deswegen sogar extra die Regierung angeschrieben. In den gut fünfzehn Jahren, die ich nun im Amt bin, haben die Klagen zugenommen. Und sie decken sich auch mit meiner persönlichen Beobachtung.
Solche Klagen sind jedoch so alt wie die Menschheit selbst.
Schon. Aber schauen Sie doch, was die Pisa-Studie 2022 gezeigt hat: Ein Viertel der Schweizer Schüler erfüllt die Grundansprüche im Lesen nicht, ein Fünftel nicht in Mathe. Die Leistungen haben generell abgenommen. Das finde ich schon sehr schwierig, vor allem wenn man sieht, wie viel Effort und Ressourcen in das System investiert werden.
Oft fängt das Problem schon viel früher an, bereits im Vorschulalter.
Es ist so, dass Sozialisation und Sprachfertigkeit der Kindergartenkinder massiv schlechter geworden sind. Kürzlich sagte mir jemand, dass in der Gemeinde Baar die Hälfte aller neu eingeschulten Kinder Deutschförderung brauche. Nun planen wir eine selektive Ausweitung der Schulpflicht. Wir werden bei allen Dreijährigen im Kanton Sprachstandserhebungen durchführen. Und wer dort gewisse Mindestwerte nicht erfüllt, muss an zwei Halbtagen pro Woche eine Kita oder Spielgruppe besuchen.
Das alleine dürfte wohl nicht reichen.
Das stimmt. Wir wollen die Schulen darum verstärkt auf die Kulturtechniken Lesen, Rechnen, Schreiben einschwören. Gemeinsam mit den Schulpräsidenten und Gemeinden haben wir entsprechende strategische Richtlinien verabschiedet. Die Schulen verzetteln sich mitunter zu stark mit Projekten, entdeckendem und forschendem Lernen sowie super anspruchsvollen pädagogischen Settings. Da fehlt am Schluss die Zeit, um die Grundlagen zu üben.
Wie soll das erreicht werden, mit mehr Üben, mehr Drill?
Drill im preussischen Sinne nicht gerade. Aber vielleicht so, wie es früher im Schweizer Armeereglement gestanden ist: Zwölfmal sollte man etwas geübt haben.
Schule besteht aber nicht nur aus Kopf, sondern auch aus Herz und Hand.
Selbstverständlich soll die Schule ganzheitlich sein und alle drei Ebenen ansprechen. Und natürlich soll sie auch Spass machen. Lern- und Lebensfreude gehören zusammen. Kinder müssen vielfältig angeregt werden. Aber die Schule legitimiert sich durch das, was die Schüler am Ende der Schulzeit können.
Kürzlich hat eine Umfrage des Schweizer Lehrerverbandes LCH gezeigt, dass die Hälfte der Lehrerschaft der integrativen Schule kritisch gegenübersteht. Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?
Das Ausmass der Kritik hat mich überrascht, denn normalerweise hört man die kritischen Stimmen etwas weniger. Grundsätzlich sind die Schulen ein Milieu, in dem man sagt: Momoll, die Integration ist ein wichtiges Anliegen. Jetzt zeigt sich aber klar, dass das System überlastet ist.
Sie schreiben nun allen Schulen vor, sogenannte Schulinseln für schwierige Schüler einzurichten. Fühlen Sie sich in Ihrem Weg bestätigt?
Eigentlich schon. Wir haben festgestellt, dass Integration in vielen Belangen zwar kein Problem ist – ausser wenn es um Schüler mit Problemverhalten geht. Da braucht es ein Ventil. Darum müssen neu alle Zuger Schulen sogenannte temporäre separative Gefässe einrichten. Es ist ein pädagogisch wertvolles «Vor-die-Türe-Stellen». Bei einem reicht ein Nachmittag, einer braucht drei Wochen, und ein weiterer ist alle zwei Monate dort. Das ist eine pragmatische Lösung, die ohne viel bürokratischen Aufwand funktioniert.
Wie kommt das bei den Schulen an?
Nicht alle sind gleich begeistert. Aber kürzlich war ich in einer Gemeinde auf Schulbesuch, die ursprünglich dagegen war, weil sie die Integration nicht hinterfragen wollte. Nun aber sind die Lehrer dort froh, dass die Schulinseln kommen. Manchmal wollen Schulen eben auch zu etwas gezwungen werden.
Besteht nicht die Gefahr, dass in einer leistungsorientierten Schule am Ende die Schwachen auf der Strecke bleiben?
Nein, nein. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Schule, die auf Schonung aufbaut, hilft niemandem. Mitleid zementiert die Verhältnisse. Wir wollen erreichen, dass alle die grundlegenden Fähigkeiten erlernen. Das hilft gerade den Schwächeren. Die Fokussierung auf Transparenz, Leistung und die Kulturtechniken ist die Rückfallebene in einer Welt, die immer komplizierter wird.
Stephan Schleiss, Amtsältester Bildungsdirektor: Der 53-Jährige ist seit Januar 2011 Bildungsdirektor des Kantons Zug und damit amtsältester Regierungsrat in dieser Funktion. Zuvor war er Kantonsrat und Präsident der kantonalen SVP. Schleiss studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete früher als Vizedirektor der Zürcher Privatbank Vontobel.
Interview mit René Donzé von der NZZ am Sonntag vom 23. August 2026
Sehr geehrte Frau Rektorin, liebe Esther Kamm
Sehr geehrte Mitglieder der Hochschulleitung, …
Sehr geehrte Herren der Studien- und Programmleitung, Roger Dettling und Klaus Joller-Graf
Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrte Gäste…
… aber vor allem natürlich:
Liebe frischgebackene schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, oder, wie es im Jargon heisst: Liebe SHP.
Ganz herzliche Gratulation zu Ihrem Abschluss.
Die PH Zug hat einen Gründungsrektor, der gerne betont, dass er Gründungsrektor war und ist.
Liebe SHP, in diesem Sinne können Sie sich auch als Gründungs-SHP bezeichnen. Daran werden Sie sich sicher immer wieder und immer wieder mit etwas Stolz erinnern.
Und schöne Erinnerungen sind eine wichtige Ressource.
Ressourcen sind wichtig für unsere Resilienz.
Resilient sein heisst, handlungsfähig bleiben.
Handlungsfähigkeit heisst, bei Wind und Wetter immer noch handeln zu können und Probleme lösen zu können.
Vielleicht nicht ganz so perfekt wie bei schönem Wetter, aber immer noch so, dass das Schifflein nicht untergeht.
Sie wissen sicher, warum ich Ihnen das sage: Als SHP arbeiten Sie nicht im Maschinenraum der Schule und Sie arbeiten auch nicht im Hafenrestaurant, sondern Sie stehen zusammen mit der Klassenlehrperson auf der Brücke von diesem Schulschiff.
Auf dieser Brücke scheint nicht immer die Sonne. Dieses Schulschiff ist bei jedem Wetter unterwegs und es ist nicht immer ganz einfach, in jedem Moment handlungsfähig zu bleiben.
Gerade in diesen Momenten werden Sie für die Klassenlehrperson zu einer wichtigen Ressource. Ich sage immer, eine SHP muss ein bisschen wie die Sonne sein: Wärmend, fleissig und hartnäckig.
Liebe SHP, Sie können das, weil Sie selbst viele Ressourcen haben:
Ihre Ausbildung hier an der PH Zug und damit Ihr sonderpädagogisches Können und Wissen ist sicher Ihre wichtigste Ressource, dann Ihre Berufserfahrung aus Ihrer Zeit, als Sie selbst Klassenlehrperson waren, das neue SHP-Team an Ihrem Arbeitsort, die Vernetzung mit schulübergreifenden Fachgruppen, die Schulleitung, Ihre berufliche Neugier und Ihre Weiterbildungen, die Fachlektüre, Ihr privates Umfeld … schauen Sie sich in diesem Saal um: Sie sind umringt von Ressourcen.
Sie sind parat für die Brücke.
Die Zusammenarbeit mit dem Kapitän auf der Brücke des Schulschiffes ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Eine Gelingensbedingung.
Diese Beziehung zwischen Klassenlehrperson und SHP ist ja nicht ganz unbelastet: Es kann gut sein, dass die Klassenlehrperson mehr Erfahrung hat als Sie – und es ist sehr oft so, dass die SHP mit ihrem Masterstudiengang mehr verdient als die Klassenlehrperson. Damit habe ich nur zwei von vielen möglichen Minen angesprochen.
Betrachten Sie daher Ihre Beziehung zur Klassenlehrperson zwar nicht als Minenfeld, aber als ein eigenes Arbeitsfeld. Auch da ist Ihre Handlungsfähigkeit und sind Ihre Ressourcen gefragt.
Ich habe Ihr Wissen und Ihr Können aus ihrem SHP-Masterstudienjahrgang als wichtigste Ressource angesprochen. Sie wissen aber auch, dass eine Kompetenz aus mehr besteht als aus Wissen und Können… es gibt noch eine dritte Zutat: das Wollen.
Kompetenz ist dreiteilig: Ich weiss, ich kann, ich will.
Das ist übrigens gar nicht weit weg von «Kopf, Herz und Hand»
Ich weiss, ich kann, ich will: Dieses «ich will» ist ein ganz wichtiges Signal von Ihnen an die Adresse der Klassenlehrperson.
Ich will Dir helfen. Ich will den betroffenen Schülerinnen und Schülern helfen. Und vor allem heisst es: Ich will diese Extrameile gehen, die es braucht, um immer wieder gute Lösungen zu finden. Ich will diese Extrameile immer wieder gehen… ich bin da und ich bleibe da.
Das ist ein ganz wichtiges Signal von Ihnen an die Adresse Klassenlehrperson. Ich würde sagen, dass es ein systemisches Signal ist, weil es direkt auf eine stabile Beziehung und die Wechselwirkung in dieser Beziehung zielt.
Wenn dieses systemische Signal ankommt, dann wird es viel einfacher für Sie, die Klassenlehrperson immer wieder für sich zu gewinnen.
Auf diese Weise werden Sie die Kapitänin oder den Kapitän auf der Brücke immer wieder für sich gewinnen – zum Beispiel für eine schriftliche Zusammenarbeitsvereinbarung, die nicht nur bei schönem Wetter funktioniert, sondern auch dann, wenn es wichtige Punkte zu klären gilt. Da braucht es auch Hartnäckigkeit.
Liebe Absolventinnen und Absolventen des ersten Masterstudiengangs Sonderpädagogik der PH Zug: Sie sind bereit, in See zu stechen.
Sie sind bereit, um immer wieder der Sonnenschein auf der Brücke des Schulschiffs zu sein: Wärmend, fleissig und hartnäckig.
Das ist die beste Voraussetzung für ein erfülltes Berufsleben als SHP.
Mit gesellschaftlicher Gischt im Gesicht, im sonderpädagogischen Ölzeug, mit der festen Hand der Fachperson am Ruder: Das sind doch die Momente im Berufsleben, für die wir alle leben.
Sie haben alle Ressourcen, die Sie dafür brauchen.
Und wir alle hier in diesem Saal gehören auch dazu.
Darum: Leinen los und volle Kraft voraus!
Wir wünschen Ihnen von Herzen alles Gute.
Diplomfeier 1. Abschlussjahrgang Masterstudiengang Sonderpädagogik, Grusswort Regierungsrat Stephan Schleiss, Casino Zug, 26. August 2026
Die Bildungslandschaft ist voll mit Menschen, die es gut meinen. Nicht mit den Schülerinnen und Schülern, sondern mit sich selbst. Denn es ist bequem, wenn man nicht streng sein muss.
Es ist bequem, wenn man sich nicht messen lassen muss. Es ist bequem, Ziele nie zu verfehlen, weil sie so tief angesetzt sind. In Bildung und Erziehung hat diese Larifari-Haltung nichts verloren. Im Gegenteil: Dieses komische Mitleid, sei es beim Verhalten (alles hat Platz!), bei den Hausaufgaben (zu Hause nur ja nix mehr machen müssen!) oder bei den Schulnoten (sind des Teufels!), bringt die Schülerinnen und Schüler nicht weiter.
Schulnoten sind ein gutes Beispiel. Da gibt es tatsächlich Gutmenschen, die sich von der Abschaffung der Schulnoten mehr Chancengerechtigkeit versprechen.
Ja wie denn? Indem wir aufwändig in Worte packen, dass die Leistung ungenügend ist? Indem wir besser überhaupt nicht mehr sagen, dass eine Leistung ungenügend ist? Unsere Schülerinnen und Schüler wollen klüger werden. Das geht nur, wenn wir ehrlich sind mit ihnen. Eine Note ist eine bewährte und leicht verständliche Form, um eine sorgfältige Leistungsbeurteilung auf eine Ziffer zu verdichten. Gut ist, dass die Zugerinnen und Zuger 2012 per Initiative sichergestellt haben, dass es ab der 2. Klasse ein Notenzeugnis gibt. Gut ist auch, dass die Rahmenbedingungen für die Schulnoten im Promotionsreglement verbindlich geregelt wurden.
Nehmen wir das Problemverhalten als weiteres Beispiel. Die Zuger Lehrerinnen und Lehrer wussten schon bei der Pilotierung der Integration, dass es für Problemverhalten weiterhin separative Lösungen braucht. Wer den Unterricht immer wieder stört, muss aus dem Unterricht geschickt werden können. Eigentlich gesunder Menschenverstand, doch genau daran scheint es den Schultheoretikerinnen und -theoretikern zu fehlen. Gut ist, dass sich der Zuger Kantonsrat bei der jüngsten Schulgesetzrevision klar für solche Gefässe ausgesprochen hat. Dort können Schülerinnen und Schüler zur Ruhe kommen, ohne Unruhe zu verbreiten.
Starke Schulen setzen hohe Ziele. Starke Schulen bilden eine Gemeinschaft. Solche Schulen schaffen Chancen am Laufmeter. Für diese Schulen setze ich mich als Bildungsdirektor zusammen mit vielen weiteren Zugerinnen und Zugern ein. Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.
«aktuell», Publikation der Schweizerischen Volkspartei Baar, Ausgabe August 2026
Verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler sind ein Problem für die Schule. Sie stören und beanspruchen die Lehrperson überdurchschnittlich. Für die Lösung hat die Zuger Politik auch nach Menzingen geschaut.
Seit 2009 gibt es in Menzingen eine Schulinsel. Dorthin können Schülerinnen und Schüler geschickt werden, wenn sie im Unterricht stören. Auf der Schulinsel werden sie in schwierigen Momenten aufgefangen. Damit gehört Menzingen zu den Deutschschweizer Pionierinnen.
65:0 im Kantonsrat
Fast 15 Jahre später habe ich im Zuger Kantonsrat für Auffangklassen nach dem Menzinger Beispiel geworben. Wer stört, muss schnell und unbürokratisch aus dem Unterricht geschickt werden können. Nicht nur in Menzingen, sondern in allen Gemeinden.
Der Anstoss dazu ist von Ralph Ryser (SVP), Dari Dzaferi (SP), Barbara Häseli (Mitte), Monika Weber (FDP), Thomas Werner (SVP) und Beni Riedi (SVP) gekommen, unterstützt von Ratsmitgliedern aller Parteien. Der Kantonsrat hat mit 65:0 Stimmen dafür gestimmt.
In allen Gemeinden Pflicht
Heute schreibt das Schulgesetz vor, dass alle Gemeinden ergänzend zu integrativen Massnahmen auch über ein Angebot zur kurz- und mittelfristigen Separation verfügen müssen. Auffangklassen also. Diese Weiterentwicklung läuft derzeit im ganzen Kanton. Die Bildungsdirektion prüft, ob die Angebote tatsächlich unkompliziert nutzbar sind und gut in den Schulalltag eingebettet werden.
Das Recht auf eine schnelle Strafe
Jeder hat ein Recht auf Strafe, sagte schon Sokrates. Die Strafe markiert den Beginn der Rückkehr in die Gemeinschaft. Vom Zuger Jugendanwalt weiss ich, dass den Jugendlichen nach einem Misstritt der Neustart am besten gelingt, wenn es schnell Konsequenzen gegeben hat.
Gratulation und ein grosses Dankeschön
Lange vor dem Strafrecht hilft die Schulinsel, Kinder und Jugendliche in schwierigen Momenten aufzufangen. Schnell und unbürokratisch. Auf eine rasche Konsequenz folgt die Rückkehr in die Klassengemeinschaft. In Menzingen seit 17 Jahren. Zu diesem Erfolg gratuliere ich ganz herzlich und bedanke mich bei allen Beteiligten.
Publikation: mänzigerytzig, Nr. 163, Rubrik Wahlen
Es gilt das gesprochene Wort.
Liebe Maturandinnen und Maturanden… Sie stehen ja kurz vor Ihrem Studium… und eine gute Maturarede ist auch ein bisschen wie ein Studium:
Man fängt motiviert an, zwischendurch muss man aufpassen, dass man den Faden nicht verliert – und gegen den Schluss sind alle froh, wenn es dann auch einmal fertig ist.
Ich setze alles daran, den Faden nicht zu verlieren…
Sehr geehrte Frau Rektorin
Sehr geehrte Mitglieder der Schulleitung
Sehr geehrtes Kollegium
Sehr geehrte Eltern, Verwandte, Freunde und Bekannte
… und vor allem natürlich: Liebe Maturandinnen und Maturanden!
An die Rede des damaligen Zuger Bildungsdirektors, Walter Suter sel., an meiner Maturafeier kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Aber er war da, das weiss ich noch – und er hat uns gratuliert.
Heute bin ich selbst Bildungsdirektor… und ich mache mir nichts vor … aber es ist mir wichtig, liebe Maturandinnen und Maturanden, Ihnen heute persönlich zu gratulieren.
Dabei darf ich die ganze Zuger Regierung vertreten.
Der gesamte Zuger Regierungsrat grüsst Sie sehr herzlich und gratuliert Ihnen zur bestandenen Matura.
Das ist keine Floskel. Der Regierungsrat ist fast so stolz auf Sie wie Ihre Eltern. Deshalb bin ich heute hier – und ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung.
Und der Regierungsrat bedankt sich auch bei Ihnen, liebe Eltern, für die Fürsorge und Unterstützung Ihrer Töchter und Söhne.
Der Regierungsrat bedankt sich auch bei Ihnen, liebe Lehrerinnen und Lehrer und bei der Schulleitung und bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule.
Vielen herzlichen Dank Ihnen allen!
Ich erwähnte bereits, dass ich mich nicht mehr an die Rede des Bildungsdirektors erinnern kann, aber ich kann mich noch sehr gut an meine Maturalektüre im Fach Französisch erinnern.
Vielleicht geht es einigen unter Ihnen auch so?!
Bei mir war das «Der Planet der Affen». Oder eben: «La Planète des singes»
Der Roman wurde tatsächlich von einem Franzosen geschrieben – und stammt nicht aus der Hollywood-Küche. Das waren dann erst später die Filme.
Der Roman ist von Pierre Boulle von 1963: «La Planète des singes» – und das war also meine Maturalektüre.
Das Buch endet damit, dass dem Astronauten Ulysse Mérou und seiner Frau Nova die Flucht vom Planet der Affen gelingt.
Ihr Raumschiff landet dann in Paris, ganz in der Nähe des Eiffelturms.
So endet dieses Buch und diese Geschichte: In Paris beim Eiffelturm.
Oder in meinem Fall vielleicht besser: So hätte die Geschichte geendet.
Mein Plan für die Lektüre von «La Planéte des singes» war eigentlich perfekt.
Oder besser gesagt: unser Plan war perfekt.
Alleine ist man ja selten in guter Gesellschaft. Ja, das haben wir uns auch gedacht, mein Kollege und ich: Eine Französischlektüre geht zu zweit ganz sicher besser.
Also haben wir beschlossen, nur ein Buch zu kaufen und dieses dann gemeinsam zu lesen. Er die erste Hälfte – und ich die zweite. Als C-Maturanden waren wir beim Aufteilen mathematisch exakt: Die Hälfte wurde auf die Seite genau ermittelt, mitten im Kapitel.
Dazu die feierliche Abmachung, dass jeder seinen Teil für den anderen zusammenfassen würde.
Leider geriet unser Projekt rasch in Verzug. Mein Kollege brauchte viel zu lange für den ersten Teil. Er streitet das zwar bis heute ab. Aber es war genau so: Ich habe das Buch viel zu spät bekommen.
Und so kam es, wie es kommen musste: Ich brauchte einen Plan B.
Nun gab es vor 34 Jahren aber noch kein Internet und schon gar keine KI, die mir jetzt schnell hätte helfen können.
Aber es gab Filme – und an der Kanti eine nette kleine Videothek mit Fernsehgeräten, auf denen man die Filme gleich vor Ort schauen konnte.
Zum guten Glück gab es in dieser pädagogisch wertvoll assortierten Videothek auch den Film «Planet der Affen» von 1968, basierend auf dem Roman von Pierre Boulle…
Aber eben: nur basierend.
Am Schluss des Films landet das Astronauten-Paar nämlich nicht beim Eiffelturm – wie im Buch –, sondern die beiden landen in New York neben den Überresten der Freiheitsstatue.
Und dieses kleine, eigentlich vernachlässigbare kultur-geographische Detail ist mir dann prompt zum Verhängnis geworden.
La statue de la Liberté… auf diese Übersetzungskunst war ich damals richtig stolz.
Und mit eben dieser statue de la Liberté hatte ich mich natürlich krachend verraten, zumal ich auch auf mehrfaches, durchaus freundliches Nachfragen meiner Französischlehrerin bei der amerikanischen Variante blieb.
En bref : La professeuse de français n'était pas contente… et l'expert non plus.
Liebe Maturandinnen und Maturanden
An die Worte des Bildungsdirektors an unserer Maturafeier kann ich mich nicht mehr erinnern. An das habe ich mich bei der Vorbereitung auf meine diesjährige Maturarede erinnert.
Ein Pfarrer hat mir einmal verraten, was das Geheimnis einer guten Predigt sei: «Erzähl eine Geschichte! Tell a story!»
Darum habe ich Ihnen diese Geschichte erzählt.
Und natürlich habe ich das nicht einfach wegen lustig gemacht … oder vielleicht doch – aber ganz bewusst.
Humor hat etwas Befreiendes.
«Humor ist, wenn man trotzdem lacht…» Das hat der Deutsche Dichter und Schriftsteller Julius Bierbaum vor über 100 Jahren im Vorwort zu seinem letzten Buch geschrieben…
…aus diesem Grund verstehen die Mächtigen von dieser Welt ja auch keinen Spass. Weil Humor etwas Befreiendes hat.
Und Humor macht uns in schwierigen Situationen immer wieder handlungsfähig.
Nicht umsonst heisst es im Pfadfindergesetz: «Ein Pfadfinder überwindet Schwierigkeiten mit Humor.»
Besonders gehört dazu, dass wir immer wieder laut über uns selbst lachen. Nichts ist so befreiend wie ein herzhaftes «Ich Lööli!».
Das müssen Sie einfach einmal ausprobieren, wenn Sie das nächste Mal einen Seich machen: Ich Lööli! Nachher geht es Ihnen und Ihrem Umfeld schon wieder viel besser.
Kurz und bündig: «Ein bisschen Humor ist nie zu verachten» - ich glaube, dieses Zitat von Loriot ist ein guter Schlusspunkt für eine Maturarede.
Liebe Maturandinnen und Maturanden
Das wünsche ich Ihnen auf Ihrem weiteren Lebensweg von Herzen.
Machen Sie es gut, bleiben Sie engagiert … und passen Sie gut auf, mit wem Sie sich an Uni und ETH… für Ihre Partnerarbeiten zusammentun.
Alles Gute, viel Glück und Gesundheit auf Ihrem weiteren Weg.
Fotos

Porträt Stephan Schleiss mit Krawatte

Porträt Stephan Schleiss mit Krawatte