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Baar: Lorze zurück im alten Bett

22.08.2012
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Medienmitteilung vom 22. August 2012

In unmittelbarer Nachbarschaft der Spinnerei Baar hat die Baudirektion des Kantons Zug in den vergangenen 12 Monaten die kanalisierte Lorze in ein neues, naturnahes Bett verlegt. Damit konnte sowohl der Hochwasserschutz verbessert als auch die Landschaft nachhaltig aufgewertet werden.

Das Ergebnis ist eindrücklich. Darin waren sich die zahlreichen Gäste einig, die heute an der kleinen "Eröffnungsfeier" für die Lorzenaufweitung in Baar teilnahmen. "Was hier innerhalb eines Jahres entstanden ist, geht weit über eine wasserbauliche Sanierung der Lorze hinaus", zog Baudirektor Heinz Tännler Bilanz. "Denn aus dem öden Betongerinne entlang der sogenannten Höllhäuser ist eine lebendige Flusslandschaft und ein attraktiver Naherholungsraum geworden."

Hochwasserschutz im Zentrum
Auslöser der wasserbaulichen Massnahmen war indes nicht der Aufwertungsgedanke, sondern der Hochwasserschutz. Diesen galt es zu verbessern, weil sich das hart verbaute Gerinne zwischen Waldrand und der Ziegelbrücke in einem schlechten Zustand befand. So waren etwa das Fundament der linkseitigen Ufermauer und die Querschwellen in der Sohle unterspült. Dazu kamen eine ungenügende Abflusskapazität und die Tatsache, dass begradigte Gerinne den Wasserlauf beschleunigen und damit die Überschwemmungsgefahr erhöhen. Auf dem 600 Meter langen Abschnitt, der nun neu gestaltet ist, wäre ein Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre auftritt, zwangsläufig über die Ufer getreten.

Flusslauf rekonstruiert
"Um dieser Gefahr vorzubeugen, haben wir den Fluss aus seinem Korsett befreit und das natürliche Bett wiederhergestellt", erläuterte Heinz Tännler. Anhand der historischen Johannes-Wild-Karte für den Kanton Zürich sei es möglich gewesen, den ursprünglichen Verlauf zu rekonstruieren. Deshalb fliesst die Lorze nun wieder wie einst in zwei langgezogenen Bogen vom Waldausgang der Ziegelbrücke zu. Für Projektleiter Pascal Lendi sind die reaktivierte Linienführung und die Aufweitung des Flussbettes eine wasserbauliche Notwendigkeit: "Sie verringern die Abflussgeschwindigkeit, dämpfen die Hochwasserspitzen und damit die Überschwem¬mungsgefahr. Durch den leicht geschwungenen Verlauf und die variierende Sohlenbreite können sich zudem natürliche Flusselemente bilden, so etwa Kiesbänke, Inseln oder Stillgewässer. Grössere Abflüsse werden zusätzlich über drei Flutmulden abgeführt, wodurch sich bei Hochwasser ein sehr breites Gerinne ausbildet."

Ufer werden noch bestockt
Neben der Linienführung und dem Flussquerschnitt sind heute auch die Ufer naturnah gestaltet. Lendi: "Die Uferböschungen weisen unterschiedliche Neigungen auf. Zudem haben wir im oberen Flussteil auf einen durchgehenden Schutz verzichtet. Dort ist das Ufer nur punktuell mit sogenannten Buhnen fixiert, welche das Wasser vom Ufer gegen die Flussmitte leiten. Im unteren Abschnitt zwischen der Ziegelhütte und der Lorzenbrücke mussten wir die Ufer dagegen mit Blockwurf gegen Erosion schützen." Noch wirken die Ufer teilweise etwas kahl. Das soll sich laut Lendi jedoch in den Wintermonaten ändern. Dann sind Pflanzungen einheimischer Sträuche und Bäume geplant.

Auflagen erfüllt
"All diese Renaturierungsmassnahmen garantieren nicht nur trockene Keller, wenn ein 100-jähriges Hochwasser eintreten sollte. Sie schützen auch bei Ereignissen, die statistisch nur alle 300 Jahre zu erwarten sind", beruhigt Projektleiter Pascal Lendi. "Damit erfüllt das Werk eine Anforderung des Kantons, wonach grosse geschlossene Siedlungen mit öffentlichen Bauten, Gewerbe- und Industriezonen gegen solche Hochwasser zu schützen sind."

Aufwertung der Landschaft
"Der Hochwasserschutz ist das eine", so Baudirektor Heinz Tännler: "Die Lorzenaufweitung erfüllt jedoch weit mehr als nur Schutzfunktionen. Sie ist zugleich eine weitreichende Aufwertungsmassnahme." Tännler verweist auf Erfahrungen mit früher ausgeführten Renaturierungsprojekten im "Jöchler" oder im Bereich des Autobahnanschlusses Baar. "Die Leute schätzen diese Naherholungsgebiete sehr. Vor allem der punktuelle Zugang zum Wasser wird gerne für ein Fussbad oder eine Naturbeobachtung genutzt." Das ist nun auch vis-à-vis der Spinnerei Baar möglich, zumal die Lorze erstmals von zwei Fusswegen gesäumt wird. Als Querverbindung dienen neue Holzbrücken bei der Ziegelhütte und beim Rastplatz "Bubengunten". Selbst für die Fische wird sich das Wandern vereinfachen, denn beim Waldeingang wurden die bisherigen Betonschwellen in der Flusssohle durch eine flache, fischgängige Blockrampe ersetzt.

Plangemässe Ausführung
Die Lorzenaufweitung in Baar ist somit ein Werk mit vielfältigem Nutzen. Zur positiven Bilanz trägt bei, dass sowohl die Termine als auch der Objektkredit von 4,8 Mio. Franken eingehalten werden konnten. An den Kosten beteiligen sich der Bund mit 1,05 Mio. Franken, die Gemeinde Baar mit 90'000 Franken und die Korporation Baar mit 50'000 Franken. Für den Kanton Zug verbleiben somit Nettokosten von 3,61 Mio. Franken.

Baudirektion

Weitere Auskünfte:
Heinz Tännler, Baudirektor;
Tel. 041 728 53 01; E-Mail: heinz.taennler@zg.ch

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