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Einblicke

Auswahl an Objekten, die mithilfe der Denkmalpflege umgebaut und restauriert wurden.

Zug, Klosterstrasse 2, Kloster Maria Opferung

Ein neues Kleid für alte Mauern

Das Kapuzinerinnenkloster steht oberhalb der Altstadt von Zug. Der Konvent, also das Klostergebäude der Ordensgemeinschaft, stammt von 1608, früheste Gebäudeteile datieren von 1580. Über vier Jahrhunderte hinweg wurde die Anlage erweitert und umgebaut. Das heutige Erscheinungsbild stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Weil nach gut 100 Jahren der Fassadenputz an den vier Hauptfassaden nicht mehr ausreichend haftete, wurde zwischen 2018 und 2019 eine Sanierung nötig. Die Herausforderung: Der neue Fassadenputz musste der wertvollen historischen Bausubstanz gerecht werden. Da der gesamte Putz bis auf das Fachwerk abgenommen wurde, kamen im Laufe des Prozesses spannende Funde zum Vorschein. So konnte man zwei historische Farbfassungen von 1608 und 1744 auf dem Fachwerk entdecken. Zudem waren einige der Fensterbretter nicht wie erwartet bei der letzten grösseren Sanierung neu erstellt worden, sondern aus einem Stück Holz mit dem Brustriegel – dem Querbalken im Fachwerk – gearbeitet. Sie stammen somit von 1608. Die aus Eichenholz hergestellten, historisch wertvollen «Fensterbretter» (eigentlich ja Brustriegel) haben also mehrere Jahrzehnte überdauert und konnten zur Freude des ganzen Projektteams erhalten werden.

Der neue Putzaufbau ist rein mineralisch. Der Grundputz hat einen Perlitzuschlag, danach folgen ein Kalkputz und ein ungestrichener Wormserputz als Deckputz. Letzterer charakterisiert sich durch eine lebhafte Oberfläche und gleicht somit Unebenheiten besser aus. Die Steinrahmen der Türen und Fenster wurden sorgsam saniert. Beim Portal zum Gästehaus entdeckte man noch den feinen Beistrich aus der Bauzeit. Im Sprenggiebel des Portals wurde statt des bewegten und grobkörnigen Wormserputzes ein glatterer und somit zum barocken Giebel passender Putz verarbeitet. In Sinne eines besseren Witterungsschutzes wurden die Steinrahmen leicht gefasst. An der Nordfassade des Gästehauses fanden sich einige alte Fenster, die wohl noch aus der Erstehungszeit dieses Traktes von 1743/44 stammen und sorgsam restauriert wurden. Da der vor etwa 100 Jahren aufgebrachte und jetzt rekonstruierte Wormserputz für die äussere Erscheinung des Gebäudes äusserst prägend ist, orientieren sich nun auch die frischen Farben der Fenster und Fensterläden an dieser Zeit und erstrahlen in hellem Grün. Alles Holzwerk wurde mit Ölfarbe gestrichen. Die Planung oblag der Hegglin Cozza Architekten AG aus Zug. Das Restaurierungsatelier Josef Ineichen aus Rupperswil (AG) war für die Steinrestaurierung zuständig und begleitete mit seinem Fachwissen den Putzaufbau. Ausgeführt wurden die Putzarbeiten schliesslich durch die Urban Fuchs Bau AG aus Zug.

Die Sanierung hat in der Fachwelt viel positives Echo ausgelöst und im Jahre 2021 beim Schweizer Preis für Architektur und Handwerk «Putz und Farbe» die Silbermedaille gewonnen. Die Sanierung, so die Jury, zeige exemplarisch, wie historische Bausubstanz professionell instandgesetzt werden kann. Das Projekt beruhe auf einer sorgfältigen Analyse des Bestandes und zeuge in Planung und Ausführung von einer hohen Kompetenz aller Beteiligten.

Fotografien: © Beni Sutter, Zug; Zeichnung: © André Bollinger, Niederlenz

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Zug, Chamerstrasse 10, Villa Staub mit «Fabrikli»

Restaurierung einer repräsentativen Fabrikantenvilla mit Werkstatt

Die Villa Staub an der Chamerstrasse wurde 1896 an prominenter Lage gegenüber dem Alpenquai am Zugeree erbaut. Das stattliche Wohnhaus und die zugehörige Werkstatt entstanden ausserhalb der Altstadt in einem Gebiet, in dem ab Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Vorstadtvillen errichtet wurden. Die Villa und das sogenannte «Fabrikli» wurden für den Uhrmacher und Firmengründer Carl Ludwig Staub (1852–1931) nach den Plänen des renommierten Zuger Baumeisters Johann Landis (1860–1936) erstellt. Während das Wohnhaus Richtung See ausgerichtet und mit einem Garten umgeben wurde, kam die rückwärtig angebaute Werkstatt der neu gegründeten «Elektrotechnischen Fabrik» direkt an die damalige Bahnlinie zu liegen. Im «Fabrikli» wurden elektrotechnische Geräte wie Schalter, Schalttafeln sowie die die berühmten «Staube-Sicherige» hergestellt.

Johann Landis schuf mit der Villa Staub eine Vorstadtvilla, welche die repräsentative historistische Bauart eines städtischen Bürgerhauses mit der Machart eines Landhauses im Heimatstil vereint. Die reiche, in weiten Teilen erhaltene Innenausstattung entspricht dem repräsentativen Äusseren und zeugt vom gehobenen Lebensstandard der aufstrebenden Fabrikantenfamilie. Das an das Wohnhaus angebaute, polychrome «Fabrikli» ist hingegen ganz der Ästhetik der Industrialisierung der Jahrhundertwende verpflichtet.

2016 entschied sich die 2013 gegründete «Hans A. Staub-Stiftung», die Villa und das «Fabrikli» mittels einer sanften Sanierung instand zu stellen. Die Eggenspieler Architekten AG aus Zug als Planer sowie die beteiligten Restauratoren und Handwerker waren sehr darum bemüht, das Ensemble im Sinne der Stiftung und der Denkmalpflege zu restaurieren und behutsam umzubauen. Dazu wurden schadhafte Bauteile wie die sandsteinernen Fenstergewände und die hölzernen Rollläden restauriert. Der aus jüngerer Zeit stammende Anstrich der Villa, der sich allzu stark an das «Fabrikli» anlehnte, wurde durch ein neues Farbkonzept ersetzt. Glücklicherweise konnten die historischen Fenster einschliesslich der historischen Beschläge erhalten bleiben, indem sie aufgedoppelt wurden. Auch im Innern griff man nur geringfügig in die historische Struktur ein. Historische Oberflächen, wie die Terrazzoböden im Flur oder die Parkettböden in den Wohnräumen, wurden restauriert; Täfer, Stuckaturen und Wände aufgefrischt.

Fotografien: © Regine Giesecke, Zug

Steinhausen, Wald 1, Wohnhaus

Vom bescheidenen Vielzweckbauernhaus zum geräumigen Wohnhaus

Das ehemalige Bauernhaus Wald 1 ist Teil einer kleinen Ansiedlung, die nordöstlich von Steinhausen unweit des Steinhauser Waldes liegt. Der Hof umfasst mehrere Bauten aus verschiedenen Zeiten und ist von Land umgeben. Beim Bauernhaus handelt es sich um ein in der Region nur selten anzutreffendes Vielzweckbauernhaus, bei dem das Wohnhaus und der Wirtschaftsteil unter einem Dach vereint sind. Das 1719 erstellte Gebäude wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts mehrmals umgebaut und erweitert und erhielt 1787, nach dem Anbau einer Trotte im Norden, weitgehend seine heutige Form. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erfolgten weitere Umbauten im Inneren und Äusseren.

2017 wurde das Vielzweckbauernhaus von den heutigen Eigentümern erworben. Auf Basis einer Planung der Guntli Architektur GmbH aus Zug, wurde der ursprüngliche Wohnteil instand gesetzt und der ehemalige Wirtschaftsteil sowie das Dach zu Wohnzwecken umgebaut. Ziel war es, den Charakter des Vielzweckbauernhauses zu wahren und sowohl die Primärkonstruktion als auch die ursprüngliche Binnenteilung so weit wie möglich zu erhalten. In der ehemaligen Stube, die heute als Wohnküche dient, blieb die «Ofenkunst», also die Sitzbank eines ehemaligen Kachelofens des 19. Jahrhunderts, erhalten und wurde mit einem Kachelofen des späten 18. Jahrhunderts ergänzt. In verschiedenen Wohnbereichen, z.B. in der ehemaligen Trotte, blieben die Niveauunterschiede, die von den verschiedenen Bauphasen und den einstigen Nutzungen zeugen, bestehen. Wo immer möglich, wurde die Bohlenständerkonstruktion im Innern sichtbar belassen, sodass der historische Bau in vielen Räumen spürbar geblieben ist. Aussen wurde der Eingang in der Südfassade gänzlich erneuert und mit einem Vordach ausgestattet. Im Bereich des ehemaligen Wohnteils musste die Bohlenständerkonstruktion aus bauphysikalischen Gründen aussen verkleidet werden, sodass sich das Haus neu mit einem Schindelschirm präsentiert. Das vor dem Umbau mit Falzziegeln versehene Dach wurde, passend zum Gebäude, mit Biberschwanzziegeln gedeckt.

Fotografien: © Regine Giesecke, Zug

Hünenberg, Weinreben, Weinrebenkapelle

Neu sanierter Zeuge der Hünenberger Weinbaukultur

Die spätbarocke Weinrebenkapelle steht an der Hangkante über dem mit Reben bepflanzten Abhang vom Dorf Hünenberg zur Reussebene. Überliefert ist, dass ein Sturm im Jahr 1760 hier ein altes Wegkreuz zerstörte. An dessen Stelle wurde 1762 eine erste kleine Kapelle gebaut, die bald zu wenig Platz bot.. Die dreizehn Höfe der damaligen Rebbauern hatten je eine Stimme in der darauf gegründeten Genossenschaft. Mit ihrem Votum sorgten sie dafür, dass 1768 der Neubau einer Kapelle beschlossen wurde. Drei Jahre später war die Weinrebenkapelle erstellt, welche bis heute von den dreizehn Rebbauern gepflegt wird.

Bei der 2017 abgeschlossenen Sanierung legten die Kapellen-Genossen in Fronarbeit einen rund 80 Zentimeter tiefen Graben im Bereich der Aussenmauern frei, um den Sockelbereich zu entfeuchten. Ein aus einer früheren Restaurierung stammender Zementputz wurde entfernt. Anschliessend trugen Fachleute bis auf eine Höhe von 80 Zentimeter den neuen, dreischichtigen Kalkputz auf. Ansonsten wurde die Fassade lediglich gereinigt und neu gestrichen. Die Trauf- und Ortbretter sowie die Untersicht des Dachvorsprungs wurden mit Ölfarbe gefasst, ebenso der neu eingedeckte Schindelschirm des Turms. Das Turmkreuz wurde entrostet und vergoldet. Im Innern wurden die Flächen zwischen den Stuckaturen mit Leimfarbe gestrichen. Die Stuckaturen selbst wurden mit einem Kautschukschwamm schonend gereinigt und nur partiell mit Leimfarbe im bestehenden Ton retuschiert.

Fotografien: © Alois Ottiger, Zug

Zug, Zeughausgasse 14, Untere Münz

Sorgfältiger Wohnungsumbau in einem der schönsten Zuger Profanbauten

Die Obere und Untere Münz an der Zeughausgasse in Zug zählen zu den repräsentativsten Profanbauten der Zuger Altstadt. Die Untere Münz entstand zwischen 1604 und 1609 im Auftrag des Schultheissen Johann Caspar Weissenbach. Sie schliesst nördlich an die Obere Münz an, deren Ursprung vermutlich ins frühe 16. Jahrhundert zurückreicht. Beide Häuser wurden unter Weissenbach vereint und westseitig durch Hinterhäuser erweitert, die im frühen 17. Jahrhundert durch eine Galerie verbunden wurden, sodass ein geschlossener Innenhof entstand. Heute handelt es sich bei beiden Häusern um dreistöckige Bauten, deren Hauptflügel bis zum Dach gemauert sind.

Die Wohnung im zweiten Obergeschoss der Unteren Münz wurde ab 1956 von derselben Familie bewohnt. Bei deren Auszug war die Wohnung renovationsbedürftig und die Chapuis Architektur GmbH aus Zug wurde für eine Umbauplanung beigezogen. Wie bei den übrigen Wohnungen sollte auch hier die historische Ausstattung so weit als möglich erhalten und sichtbar gemacht werden. Der grossen Stube im Kernbau, die auf die Zeughausgasse und den Hirschenplatz ausgerichtet ist und im Laufe der Zeit stark verändert worden war, wurde wieder ihr ursprünglicher, repräsentativer Charakter verliehen: Kalkputzwände wurden restauriert und die historische Brettertäferdecke mit profilierten Deckleisten und handgeschmiedeten Nägeln, die mindestens ins frühe 18. Jahrhundert zurückreichen dürfte, konnte als prägendes Ausstattungselement erhalten bleiben. Über einem Bogenabschluss im Bereich des Durchgangs zum Hinterhaus kam eine mit flachem, floralem Schnitzwerk verzierte Balkenuntersicht zum Vorschein. Sie wurde von jüngeren Farbschichten befreit. Auch im Rest der Wohnung konnten historische Ausstattungselemente wie Türen, Wand- und Deckentäfer sowie die Spindeltreppe im Treppenturm erhalten und sorgfältig restauriert werden.

Fotografien: © Alois Ottiger, Zug

Zug, Artherstrasse 4, Theater Casino

Gesamtsanierung eines beispielhaften Zuger Baus im Stil des Neobarock

Bereits 1843 besass die kleine Stadt Zug einen eigenen Theaterbau am Postplatz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfüllte dieser die Sicherheitsanforderungen jedoch nicht mehr und wurde geschlossen. Deshalb musste sich die Theater- und Musikgesellschaft nach einem Bauplatz für einen Neubau umsehen. 1907 bis 1909 realisierten die Zuger Architekten Keiser & Bracher am südlichen Rand der Altstadt den neubarocken Theaterbau. 1979 bis 1981 erweiterten Hans-Peter Ammann und Peter Baumann das Theater Casino um einen Neubau nach Norden. Bereits Keiser & Bracher hatten diesen Standort für eine mögliche spätere Erweiterung vorgesehen. Die Architektursprache des Neubaus stellt einen deutlichen Kontrast zum neubarocken Theater Casino von Keiser & Bracher dar. Gleichzeitig sorgten Ammann und Baumann mit einer einheitlichen Farbgebung für Alt- und Neubau für eine verbindende Optik der beiden Baukörper.

Bei der jüngsten Sanierung, die im Herbst 2017 abgeschlossen wurde, verfolgten die Edelmann Krell Architekten aus Zürich das Ziel, die beiden Bauten wieder stärker in ihren epochenspezifischen Eigenheiten zur Geltung zu bringen. Grundlage dafür bildeten unter anderem ausführliche Untersuchungen der ursprünglichen Farbigkeit an den Fassaden und in verschiedenen Innenräumen. Dabei konnten die Farbfassungen der Bauzeit von 1907 bis 1909 wie auch die Massnahmen des Umbaus von 1979 bis 1981 gut dokumentiert werden. Ferner zeigte sich bei den Untersuchungen im Innern, dass die auf historischen Schwarz-Weiss-Aufnahmen aus der Bauzeit sichtbaren Dekorationsmalereien an vielen Stellen unter den späteren Übermalungen noch erhalten waren. Da die Befundlage über die Farbigkeit und Ausstattung des ersten Theaterbaus von Keiser & Bracher sehr gut war, entschied man sich, zu dieser Erscheinung zurückzukehren. Die Fassaden wurden wie zur Bauzeit in einer Abstufung von Grau- und Weisstönen gefasst, im Innern stellte man die historischen Dekorationsmalereien soweit möglich wieder her. Ein grosser Gewinn für den Festsaal stellt die Wiederöffnung der verglasten Türöffnungen zwischen dem Festsaal und den seitlichen Räumen im Obergeschoss dar, die beim Umbau von Ammann und Baumann zugemauert worden waren. Dadurch erhält der Saal wieder seine ursprünglich lichte Raumatmosphäre. Im Erdgeschoss wurde der Eingangsbereich zum grossen Festsaal, am Übergang zwischen Alt- und Neubau, neu gestaltet. Die «Nahtstelle» wurde deutlicher betont, ohne der Eingangshalle ihre Grosszügigkeit zu nehmen.

Fotografien:  © Amt für Denkmalpflege und Archäologie Kanton Zug, © Roger Frei, Zürich 

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