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Soziale Fürsorge: Zeitzeugen für Forschungsprojekt gesucht

20.05.2019
Im Rahmen der historischen Untersuchung «Soziale Fürsorge im Kanton Zug» sucht das vom Kanton Zug mit dieser Arbeit beauftragte Forschungsteam der Beratungsstelle für Landesgeschichte (BLG) Zeitzeugen und Zeitzeuginnen.

Medienmitteilung vom 20. Mai 2019

Im Rahmen der historischen Untersuchung «Soziale Fürsorge im Kanton Zug» sucht das vom Kanton Zug mit dieser Arbeit beauftragte Forschungsteam der Beratungsstelle für Landesgeschichte (BLG) Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Es geht um Betroffene und Beteiligte, die bereit sind, in Interviews über ihre persönlichen positiven und negativen Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Kontext zu berichten. Ein entsprechender Aufruf wird breit lanciert.

So unverzichtbar schriftliche Archivquellen für eine Forschungsarbeit sind; sie vermögen Aussagen von Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse schildern und für die Nachwelt festhalten, nicht zu ersetzen. Aus diesem Grund war für die historische Untersuchung der sozialen Fürsorge im Kanton Zug von Anfang an klar, dass auch Betroffene und Beteiligte, ehemalige Akteurinnen und Akteure, zu Wort kommen müssen. Man setzt – ergänzend zu umfangreichen schriftlichen Quellen – auf die so genannte «oral history», eine Methode, die für die Wissenserhebung auf der mündlichen Befragung von lebenden Zeitzeugen basiert. Dabei sollen diese ihre subjektive Sichtweise darstellen. Im Kanton Zug wird dieser Tage ein entsprechender Aufruf lanciert.

Es geht auch um Strukturen, Werte und Normen
Konkret geht es um Menschen, die vor 1981 Erfahrungen als Verding- oder Heimkinder im Kanton Zug gemacht haben, die zur Erziehung, wegen einer körperlichen oder geistigen Krankheit, oder zur Kur und Erholung in einem Heim, einer Anstalt oder einer Klinik platziert waren. Gesucht werden Menschen, die von so genannten Zwangsmassnahmen betroffen waren, aber auch Leute, die im Auftrag von  Institutionen, Gemeinden, sozial oder karitativen Vereinen tätig waren, die beispielsweise als Behördenmitglieder, Vormunde oder Fürsorger arbeiteten. (siehe Anhang).

Die soziale Fürsorge im Kanton Zug spielte und spielt sich zwar vorwiegend im lokalen, kommunalen Rahmen ab, orientiert sich aber immer auch an übergeordneten Strukturen, Werten und Normen. Demnach ist sie als ein heterogenes Gebilde von Gesetzen, Institutionen und Verfügungen, Akteuren, Motiven und Diskursen zu begreifen und zu analysieren. «Indem der Untersuchungszeitraum der Zuger Forschungsarbeit bis 2020, also bis in die unmittelbare Gegenwart hinein reicht, können überdies auch aktuelle Entwicklungen der sozialen Fürsorge aufgegriffen werden», so Regierungsrat Andreas Hostettler, Vorsteher der Direktion des Innern.

Einmalige Chance und wertvolle Begleitgruppe
«Bei aller Diversität der fürsorgerischen Angebote, Strukturen, Massnahmen und Akteure weist Zug als kleiner Kanton vergleichsweise überschaubare Verhältnissen auf und bietet deshalb die einmalige Chance, den gesamten Komplex der sozialen Fürsorge zu erforschen, wie dies für grössere politische Gebilde nicht möglich wäre», betont Thomas Meier, Geschäftsführer der BLG. Eine wichtige Rolle im Prozess des Forschungsprojekts spielt die von der Direktion des Innern eingesetzte Begleitgruppe mit Vertretungen der Opferberatung «eff-zett», der Zuger Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), der Beratungsstelle «Triangel», der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ), der  Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden sowie mit der Historikerin Gisela Hürlimann. Die Begleitgruppe wird von der Direktion des Innern ungefähr zweimal jährlich einberufen. An diesen Sitzungen wird über den aktuellen Stand des Projektes informiert, über allfällige Herausforderungen diskutiert und wird die Gruppe in anstehende Entscheide einbezogen. Das Staatsarchiv ist für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes zuständig. Geleitet wird das mehrjährige Projekt vom kantonalen Sozialamt.

Finanzierung zu über 80 % gesichert
Was die Finanzierung des Forschungsprojekts angeht, sind über 80 Prozent des Projektbudgets von 900'000 Franken gesichert. Das Fundraising für den Restbetrag von 143'000 Franken läuft noch bis Ende Juni 2019. Kann die Finanzierungslücke bis dahin nicht geschlossen werden, wird das Forschungsprojekt entsprechend angepasst.

Bildergalerie

Fotolegenden

Kinderheim Forsthaus: Das kleine, 1902 vom Korporationsförster Franz Josef Iten und seiner Tochter Anna gegründete Kinderheim Forsthaus in Unterägeri, wohl um 1930 (Quelle: Staatsarchiv des Kantons Zug).

Kinderheim Theresia: Spielende Kinder vor dem Kinderheim Theresia, wohl um 1930. Das 1881 gegründete Heim war das erste im Ägerital. Seit 1928 wurde es von den Schwestern des Klosters Heiligkreuz in Cham geführt (Quelle: Staatsarchiv des Kantons Zug).

Weitere Informationen

www.zg.ch/sozialamt- Aktuell

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