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6. Warum noch eine Zuger Studie? Es gibt doch schon so viele Untersuchungen und auch ein umfassendes Nationales Forschungsprogramm!

Warum noch eine Zuger Studie? Es gibt doch schon so viele Untersuchungen und auch ein umfassendes Nationales Forschungsprogramm!

Dazu äussert sich das Staatsarchiv wie folgt:

2017 beauftragte der Bundesrat den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) mit dem Nationalen Forschungsprogramm «Fürsorge und Zwang – Geschichte, Gegenwart, Zukunft» (NFP 76). Das NFP ergänzt die Arbeiten der vom Bundesrat 2014 eingesetzten unabhängigen Expertenkommission zum Thema «Administrative Versorgungen». Aus der ersten Ausschreibungsrunde des NFP 76 sind 22 Forschungsprojekte hervorgegangen. Abgesehen von einer Studie, die sich der Spezialfrage "Fremdplatzierung von Minderjährigen in Grenzregionen" am Beispiel von Wallis und Tessin widmet, sind alle Forschungsvorhaben geografisch weitgreifend ausgelegt oder sie widmen sich besonderen Aspekten (bspw. der Rolle forensischer medizinischer Begutachtung bei Fremdplatzierung, den gewaltsamen Todesfällen fremdplatzierter Kinder oder der Geschichte gehörloser fremdplatzierter Kinder).

Die Soziale Fürsorge war jeweils kantonal geregelt und wurde in jedem Kanton unterschiedlich gehandhabt. Jeder Kanton hatte eigene Gesetze, Bestimmungen und Vollzugspraxen. Im Kanton Zug gab es mit gegen 60 (Klein-) Heimen kantonsweit eine ausgeprägte Heimlandschaft, während die Behörden in manch anderen Kantonen die Verdingung bevorzugten. Zudem wurden die verschiedenen gemeindlichen und kantonalen Vollzugspraxen noch konfessionell überformt. Dies führt dazu, dass die Forschungsbefunde für verschiedene Regionen und Kantone grosse Unterschiede offenlegen. Forschungsergebnisse aus Luzern, Bern oder Graubünden lassen sich nicht einfach auf Zug übertragen.

Das Staatsarchiv hat den Auftrag erhalten, die Forschungsarbeiten zur Aufarbeitung der Geschichte der Sozialen Fürsorge im Kanton Zug wissenschaftlich zu begleiten. Bestandteil dieses Auftrages ist es auch, darauf zu achten, dass keine redundante Forschung betrieben wird. Weder für die UEK-Arbeiten noch aus dem NFP 76-Programm wurde der Raum Zug als Forschungsschwerpunkt gewählt. Auf Grund der Wissenschafts- und Forschungsfreiheit bestand auch keine Möglichkeit, eine solche Forschung zu erwirken. Zudem hatten die nationalen Forschungsprogramme auch nie die Funktion, kantonale Forschungen zu ersetzen. Sie sollten diese vielmehr ergänzen und zusätzlich regionenübergreifenden Fragestellungen nachgehen.

Es bleibt deshalb nach wie vor eine Tatsache, dass die Geschichte der Sozialen Fürsorge für den Kanton Zug bis heute nicht aufgearbeitet ist und eine vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die auch die betroffenen Personen miteinbezieht, dringend notwendig ist. Dieser Befund wird auch nach Vorliegen der nun angestossenen NFP-Studien bestehen bleiben.

Diese Notwendigkeit für eine auf den Kanton Zug fokussierte Untersuchung ergibt sich aber nicht nur aus der bestehenden Forschungslücke, sondern in erster Linie, weil wir als Gesellschaft den Opfern und deren Angehörigen eine Aufarbeitung schuldig sind.

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