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Wie aus Rückenschmerzen Design entsteht

18.04.2018
Beitrag von Christoph Walser in der Zuger Zeitung vom 18. April 2018
Bild Legende:

Eigentlich wollte der Zuger Maturand Christoph Walser bloss beim Gitarrespielen bequemer sitzen. Nun hat er ein schlaues Design entwickelt, das in dieser Form wohl weltweit neu ist.

Der Zuger Maturand Christoph Walser hat eine Gitarre gebaut. Ohne Schallloch, ohne Decke und erst einmal auch ohne Klang. Diese Art Gitarren, sogenannte Silent-Gitarren, bestehen nur aus einem Hals mit Saiten und einem Tonabnehmer, der über einen Verstärker für den Klang sorgt, wie bei einer normalen E-Gitarre. Ungewöhnlich, aber bekannt. Auch grosse Gitarrenhersteller bauen solche Modelle. Was das Modell von Christoph Walser wirklich aussergewöhnlich macht, ist das kleine, geschwungene Dreieck an der Aussenform seiner Silent-Gitarre. Der Maturand hat wohl tatsächlich ein weltneues Design entworfen.

Vor rund drei Jahren war Christoph Walser in einem Sommerlager und erlag da dem Zauber der Lagerfeuerromantik, im Speziellen dem Gitarrenspielen am Lagerfeuer. Als Christoph Walser mit Gitarrenunterricht begann, entschied er sich, klassisch zu spielen. «Das hat den Vorteil, dass ich nicht mitsingen muss», erzählt er mit einem Zwinkern. Sehr schnell fand sich jedoch auch ein Nachteil.

Um die Gitarre in der klassischen Weise zu spielen, also die «Taille» der Gitarre aufs linke Knie abgestützt, braucht man einen Fussschemel. Wer das je selber ausprobiert hat, kennt die etwas ungelenke Haltung. Für Christoph Walser hiess das Rückenschmerzen nach zu langem Üben. Das dämpfte die Freude am Spielen. Als er sich für das Thema seiner Maturaarbeit entscheiden musste, war schnell klar, dass er eine Gitarre bauen möchte. Das alleine reiche aber nicht für eine Arbeit, meinte sein Lehrer und schickte ihn zurück an den Schreibtisch, um mögliche Ideen zu sammeln. «Da stellte ich mir ganz grundsätzlich die Frage: Was gibt es denn noch nicht?», erzählt er.

Therapeutische Gitarre
Die Ideen kamen zuhauf. Eine Gitarre für unter Wasser? Eine Gitarre im Appenzeller Ethnostil? Ein nachhaltiger Gitarrengurt? Vielleicht kam ihm die beste Idee wegen des langen Brütens am Schreibtisch, vielleicht auch, weil es einfach auf der Hand lag. Wieso nicht etwas gegen die Rückenschmerzen unternehmen? Gutes Design entsteht aus akuten Problemen. Woher kommen die Rückenschmerzen? Aus der ungewohnt schrägen Haltung. Der linke Fuss wird durch den Fussschemel erhöht, damit die Gitarre nicht zu tief sitzt. Die Lösung scheint einfach. Anstatt das Bein zu erhöhen, soll die Gitarre selbst höher auf dem Bein sitzen. Konventionelle Silent-Gitarren besitzen bereits eine Beinstütze, um in ihrem minimalistischen Design trotzdem bequem auf dem Bein zu liegen. In klassischer Haltung ist diese Stütze jedoch nutzlos. Bei Christoph Walsers Gitarre ist diese Beinstütze nun verstellbar. Und gleichzeitig so schlau geformt, dass sie die normale Haltung unterstützt. Nimmt man sie aber ab, dreht sie um und setzt sie etwas tiefer an der Zarge an, sitzt sie auf dem Bein in perfekter klassischer Konzerthaltung.

Fast splitterte der Rahmen
Beinahe ein ganzes Jahr Arbeit steckt in Christoph Walsers Silent-Gitarre. Erst die Planung, rund 20 Skizzen und Entwürfe, die genaue Ausformung der Beinstütze. Dann selbstverständlich das Bauen. «Ich bin nicht so der Handwerker», behauptet Walser. Ein paar Mal hätte das Projekt auch scheitern können, beispielsweise als der Rahmen unter dem Hobel zu splittern drohte. Aber alles ging schliesslich gut. Dann hörte er sie endlich. Nachdem der Zürcher Gitarrenbauer Reto Fürst noch bei den letzten Handgriffen geholfen hatte, schloss Christoph Walser seine selbst gebaute Gitarre am Verstärker an und spielte, mit Beinstütze in klassischer Haltung «Lady Madonna» von den Bea­tles. «Es war gut zu erleben, dass alle Überlegungen, die ich mir gemacht hatte, funktionierten.»

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