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Museum Burg Zug: «Ernstfall! Die Schweiz im Kalten Krieg»

25.06.2019
Neue Sonderausstellung im Museum Burg Zug, 19. Juni 2019 bis 26. Januar 2020

«ERNSTFALL! - Die Schweiz im Kalten Krieg» – Sonderausstellung im Museum Burg Zug

Sonderausstellung im Museum Burg Zug
Bild Legende:
Sonderausstellung im Museum Burg Zug

Grusswort Landammann Stephan Schleiss anlässlich der Vernissage «ERNSTFALL! - Die Schweiz im Kalten Krieg», im Museum Burg Zug, Infos und Links zur Sonderausstellung finden sich unten.

«Sehr geehrte Damen und Herren

Ich freue mich sehr, Sie heute zur Eröffnung der Sonderausstellung «ERNSTFALL! – Die Schweiz im Kalten Krieg» begrüssen zu dürfen. Die letzten Sonderausstellungen der Burg Zug waren allesamt hervorragend inszeniert und rekordmässig gut besucht. Ich bin überzeugt, dass auch diese neue Sonderausstellung eine sehr gute Resonanz beim Publikum erzielen wird.

Der Kalte Krieg endete vor 30 Jahren nach 45 Jahren Dauer. So gut wie jeder Mensch im Segment «Ü30» hat noch Erinnerungen an diese Zeit. Die letztverfügbare Bevölkerungsstatistik des Kantons Zug datiert per Ende 2017. Damals gab es 125'000 Einwohnerinnen und Einwohner, 90'000 davon hatten Jahrgang 1989 oder älter.

Die Vorbereitungen auf den Ernstfall waren in der Schweiz ganz besonders gewissenhaft. Und sie haben sich nicht auf das Militär beschränkt, sondern alle Felder unseres Zusammenlebens bestrichen. Immerhin bereitete man sich auf einen totalen Krieg vor. (Randbemerkung: In der militärischen Stabsarbeit wird zwischen Einsatzplanung und Einsatzführung unterschieden. Bei der Einsatzplanung richtet man sich am gefährlichsten Fall aus, bei der Einsatzführung dann am wahrscheinlichsten Fall.) Und genau wegen dieser gewissenhaften, tiefen Vorbereitung hat jeder und jede von Ihnen auch noch lebhafte Erinnerungen an den Kalten Krieg in der Schweiz.

Damals standen sich zwei Blöcke gegenüber, aber es standen sich nicht zwei wertfreie Blöcke gegenüber. In einem Block wurden Freiheitsrechte grossmehrheitlich geachtet, im anderen Block grossmehrheitlich missachtet. Wer die stalinistischen Verbrechen vergleichen will, wird nicht im westlichen Block und auch nicht im Antikommunismus fündig, sondern im Totalitarismus.

Totalitär bleibt totalitär – und die Furcht vor totalitären Systemen war im Kalten Krieg berechtigt, und sie ist es noch heute. Daran ist mit Nachdruck zu erinnern, bevor wir rückblickend der Verlockung erliegen, von zwei scheinbar wertfreien Blöcken und gegenseitiger Hysterie zu sprechen.

Wenn man einen totalitären Nachbarn hat, tut man nur gut daran, sich entsprechend vor ihm zu schützen. Wer den Schutz vor und die Abwehr von Totalitarismus in die Nähe von Hysterie rückt, stellt sich – bewusst oder unbewusst – in den Dienst totalitärer Rhetorik. Gegen eine solche Darstellung des Kalten Krieges – sei es in den Medien, Museen oder auch Schulstuben – müssen wir uns wehren, wenn wir den Totalitarismus nicht verharmlosen wollen.

Unsere Vergangenheit und unser Bezug zum Kalten Krieg sind und bleiben wichtige Eckwerte, um die heutige Zeit einzuordnen und zu verstehen. Auch für unsere Schülerinnen und Schüler bildet das Thema ein relevanter Bezugspunkt zum heutigen Stand der Schweiz und der Schweizer Gesellschaft.

Was der Kalte Krieg für ein kleines Land hiess, das militärisch neutral zwischen den Blöcken stand, und sich wirtschaftlich, politisch und kulturell doch dem Westen zugehörig fühlte, vermittelt die heute eröffnete Ausstellung.

Ich freue mich auf den Rundgang in der Ausstellung und wünsche auch Ihnen eine spannende Reise in die nahe Vergangenheit unseres Landes.»

Sonderausstellung vom 19. Juni 2019 bis 26. Januar 2020: «ERNSTFALL! Die Schweiz im Kalten Krieg»

2019 jährt sich das Ende des Kalten Krieges zum 30. Mal. Der Fall der Berliner Mauer und die politischen Umwälzungen in den Ostblockstaaten machen 1989 zu einer historischen Zäsur. Wesentliche Merkmale des Kalten Krieges waren die Furcht vor dem Atomkrieg sowie das gegenseitige Misstrauen. Ab den 1970er Jahren überlagerten gesellschaftliche Forderungen den politisch-ideologischen Konflikt zunehmend.

Das «Gleichgewicht des Schreckens» prägte auch die Schweiz. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur waren stark vom Kalten Krieg und dessen Feindbildern eingenommen. Das Klima war politisch aufgewühlt und antikommunistisch eingefärbt. Vor dem Hintergrund der stärker werdenden Friedens- und Anti-Atombewegung kam es in der Schweiz zu gesellschaftspolitischen Spannungen, die 1989 mit dem «Fichenskandal» und der GSoA-Armeeabschaffungsinitiative öffentlich aufbrachen.

Die Ausstellung zeigt die Entstehung des bipolaren Weltbildes des Kalten Krieges, zeichnet die wechselseitigen Feindbilder nach und beleuchtet die daraus entstandenen politischen und gesellschaftlichen Gegensätze.

Mit Führungen für Schulen, alle Informationen (Link:) gibt es unter diesem Link.

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