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Der Abschied vom Traumberuf

22.08.2018
28 Jahre unterrichtete Martin Gysi mit viel Herzblut an der Kantonsschule Zug. In seiner langjährigen Tätigkeit als Sprachlehrer erlebte er viel - Beitrag in der Zuger Zeitung vom 22.08.2018
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28 Jahre unterrichtete Martin Gysi mit viel Herzblut an der Kantonsschule Zug. In seiner langjährigen Tätigkeit als Sprachlehrer erlebte er viel.

Dass er am Montag nicht in die Schule musste, war für Martin Gysi zwar neu, aber nicht speziell. «Ich habe mich auf die Pensionierung vorbereitet; die kommt nicht unerwartet», sagt er und lacht. «Ich freue mich auf die Freiheit. Die Freiheit, über meine Zeit zu verfügen.» 28 Jahre war er an der Kantonsschule Zug tätig, zehn davon als Rektor des Untergymnasiums. Unterrichtet hat er Spanisch, Französisch, ­Informatik und das linguistische Portal; ein Fach, bei dem es darum geht, Sprache besser zu verstehen und zu ergründen.

Die Berufswahl ist ihm leicht gefallen und bereut hat er sie nie. «Lehrer wollte ich werden, als ich selber eingeschult wurde. Ich war schon damals ein Kopfmensch, Lernen ging mir leicht von der Hand», berichtet er. Ihn hätten dabei vor allem die Sprachen fasziniert.

Grosses Interesse an den Fächern
Lehrer sei sein Traumberuf gewesen und dies, weil ihn mehrere Faktoren besonders gemacht hätten. «Einerseits war ich stets interessiert an den Fächern, die ich lehrte. Andererseits schätze ich den Kontakt zu den Schülern», sagt Gysi. So abgedroschen es klänge, mit Schülern Neues zu entdecken, habe ihn begeistert. Er ergänzt: «Den Jugendlichen etwas beibringen zu können, wird mir ­sicherlich fehlen. Wenn sie sich ­interessiert haben für das Fach, waren es stets einzigartige Momente.» Und dies habe ihm am meisten Freude bereitet. Gerne erinnere er sich an mündliche Maturaprüfungen. Schüler hätten ihre eigens ausgewählten Bücher gelesen und darin literarische Feinheiten entdeckt, die er nicht bemerkt habe, erinnert sich der Pensionär. Im Gedächtnis sei ihm auch eine reine Jungenklasse geblieben, die völlig begeistert von Französisch gewesen sei. «Aus der langen Zeit als Lehrer könnte ich natürlich viele tolle Momente erzählen», sagt Gysi. Gefreut habe es ihn immer, wenn er mit seiner Unterrichtsweise die Schüler erreicht habe.

Als Lehrer sei er streng gewesen und habe viel verlangt, betont er. Die Schüler hätten teilweise grossen Aufwand betreiben müssen für seinen Unterricht. «Ein Hardliner war ich nicht. Ich habe den Schülern gerne viel erzählt. Aber auch immer den Dialog gesucht.» Wichtig sei ihm gewesen, die Schüler selber zum Denken anzuregen. So sollten die Schüler etwa selber aufschreiben, was sie gelernt hätten, erklärt der Neuheimer: «Zentral ist, sich selbstständig Gedanken über das Erlernte zu machen.»

«Ein Lehrer ist kein Halbgott mehr»
In seiner langen Lehrtätigkeit habe er einige Veränderungen festgestellt, erinnert sich Gysi. Einerseits würden die Schüler mit einer immer grösseren Menge ­Information konfrontiert. «Die Schüler sind gefordert, Informationen zu filtern, die sie aus dem Internet haben», präzisiert er. Andererseits hätten die Schüler heute mehr Wissen. «Als ich zur Schule ging, sprach der Lehrer vom Meer und noch kein Schüler war dort», erinnert er sich. Das sei heute anders. Insbesondere habe das Schüler-Lehrer-Verhältnis einen Wandel erlebt. «Ein Lehrer ist kein Halbgott mehr», sagt Gysi und lacht. Zudem läge der Fokus vermehrt auf Prüfungen. «Prüfungen bedeuten Stress für die Schüler. Ideal wäre, wenn die Schüler im Unterricht genug lernen, damit sie nicht kurz vor der Prüfung unter Druck geraten», findet der ehemalige Kantilehrer. Deshalb sei er froh, jetzt keine Prüfungen mehr für die Schüler vorbereiten zu müssen. Im Sprachunterricht habe er festgestellt, dass die Schüler kommunikativer geworden seien: «Sie haben mehr Mut, zu erzählen und mit der Sprache zu experimentieren.»

Nach seiner Pensionierung stehen Martin Gysi viele Türen ­offen, wie er sagt. Wohin es ihn treibt, zeichne sich aber noch nicht klar ab. Bestimmt werde er Zeit mit seinen Grosskindern verbringen und Reisen unternehmen. «Eine Idee ist, rund alle eineinhalb Jahre einen Monat in einer anderen Stadt zu wohnen», verrät er. Mit Sicherheit werde es ihn nach Peru ziehen, wo er gemeinsam mit seiner Frau eine Schule für sozial benachteiligte Kinder unterstützen werde. Gegründet hat die Schule seine Frau vor zehn Jahren mit drei dort ansässigen Lehrerinnen. Im Herbst wird er dorthin reisen und die Schule besuchen. Der spanischen Literatur bleibt er treu. Es stünden noch einige Titel auf seiner Lektüreliste. «Momentan hat sich für mich noch nichts verändert. Es fühlt sich an wie Sommerferien», meint der langjährige Lehrer.

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