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Mehr als nur Beigemüse

06.05.2019
Beitrag von Nadine Lötscher in der Rubrik «U20» der Zuger Zeitung vom 6. Mai 2019.
Nadine Lötscher
Bild Legende:

Die Leichtathletik-EM in Berlin 2018 war ein Riesenerfolg. Atemberaubende Stimmung. Unzählige Zuschauer, die die Athletinnen anfeuerten und zu Topleistungen trugen. Viele Medienvertreter liessen in ihren täglichen Berichten Menschen auf allen Kontinenten daran teilhaben.

Von dieser Aufmerksamkeit und Medienpräsenz war bei der Paralympics-EM eine Woche später kaum mehr etwas zu sehen oder zu hören. Auch am beliebtesten Schweizer Leichtathletikanlass Weltklasse Zürich wird das Rollstuhlrennen im Vorprogramm durchgeführt – im Hauptprogramm hat es keinen Platz. Hat es der Behindertensport wirklich verdient, nur als Beigemüse, Imagepflege oder Zeitfüller behandelt zu werden? Dass es auch anders geht, zeigt uns das Beispiel England. Dort gibt es Meisterschaften mit nichtbehinderten und behinderten Sportlern, und Paralympics-Sieger wie der Sprinter Jonnie Peacock werden sogar als Stars gefeiert. Von solchen Bedingungen können die Schweizer Paralympics-Athleten nur träumen.

Nicht nur in den Medien werden Behindertensportlerinnen und -sportler benachteiligt, auch bei den Siegerprämien sind die Unterschiede gross, ja zum Teil riesig. Für mich ist das schwer nachvollziehbar. Menschen mit Handicap haben den gleich grossen, wenn nicht gar grösseren Aufwand, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen und erfolgreich zu sein.

Weshalb soll diese Arbeit nicht gleich belohnt werden? In der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft steht unter Artikel 8, Absatz 4 doch ausdrücklich, dass das Gesetz Massnahmen vorsieht, die Benachteiligungen der Behinderten zu beseitigen. Warum soll das nicht auch bei der Besoldung im Sport gelten? Es wäre schön, wenn der besagte Artikel 8 mehr und besser gelebt würde – sei es bei einem Sportevent oder im Alltag.

Bei Weltklasse Zürich im August 2019 werde ich bestimmt frühzeitig im Stadion sein, um die Athletinnen und Athleten im Rollstuhlrennen anzufeuern und so ihre grossen Leistungen würdigen. Und wer weiss, vielleicht finden sich noch viele weitere Interessierte ein, die schon im Vorprogramm eine fantastische Stimmung zaubern.

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