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23.11.2025

Jugendliche nehmen Stellung

23.11.2025
Erbschaftssteuerinitiative

Im Unterricht beschäftigen sich unsere Lernenden mit (Wirtschafts-​​​​) Themen, die im täglichen Leben relevant sind, und äussern dazu ihre Meinung. Diese muss nicht mit derjenigen der Wirtschaftsmittelschule übereinstimmen. Sporadisch wird an dieser Stelle ein Text publiziert.

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Noelia Laura Ponte und Yannis Knüsel

Am 30.11. 2025 stimmt das Volk über die neue Erbschaftssteuerinitiative der JUSO ab. Wir haben Akteure der Kantonsschule Zug befragt, wie sie zur Initiative stehen und welche Vor- und Nachteile sie dabei sehen. Einen kurzen Überblick.

Bild Legende:

Das Wichtigste in Kürze
Bei einer Annahme der Initiative würden 50% vom Vermögen ab 50 Millionen versteuert werden, mit 50 Millionen als Freibetrag. Das damit eingenommene Geld würde dem Klimawandel zugutekommen (2/3 dem Bund, 1/3 den Kantonen).  Dies hat zur Auswirkung das Familienunternehmen ihre Anteile verkaufen müssten, da das Vermögen im Unternehmen steckt. Die JUSO rechnet 6 Mrd. mehr an Steuereinnahmen vor, wobei eine Umfrage der PwC Schweiz zeigt, dass 78% von den 2'500 Personen, die dafür in Frage kämen, überlegen würden aus der Schweiz wegzuziehen bzw. ihren Wohnsitz ins Ausland zu verlegen. Dies brächte dann langfristig weniger Steuereinnahmen und gefährde den Wohlstand der Schweiz, lässt sich von Politikern aus SVP, FDP, Mitte und auch SP verlauten. Namentlich Daniel Jositsch (SP-Ständerat, Professor der Uni Zürich und Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht) bezeichnet die Initiative als Neidinitiative. 

Position des Bundesrates
Der Bundesrat hat sich Ende 2024 in einem Bericht an das Parlament gegen die Initiative ausgesprochen. Er belegt mit Fakten, Zahlen und einem Gutachten, dass die Initiative volkswirtschaftlich schädlich ist, gegen die Steuerhoheit der Kantone verstösst, teilweise der Verfassung und dem Verhältnismässigkeitsprinzip der Schweizer Steuerpolitik widerspricht und nicht zu zusätzlichem Steuereinkommen, sondern letztlich zu einem Abfluss von Steuersubstrat aus der Schweiz führt. Der Bundesrat lehnt die Initiative ohne direkten Gegenentwurf oder indirekten Gegenvorschlag ab und betont explizit, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer von den Kantonen erhoben werde und die Initiative diese kantonale Kompetenz unterläuft. Mit Verweis auf die Bundesverfassung und die geltende Praxis will der Bundesrat die Initiative jedoch nicht für ungültig oder teilungültig erklären.  

Meinung verschiedenster Akteure des KSZ
Wir haben Umfragen mit verschiedensten Akteuren der KSZ/WMS Zug geführt. Der Grossteil der Schüler ist gegen solch eine Initiative. Lediglich eine kleine Minderheit der Befragten befürwortet sie. Die SuS würden im Wesentlichen die Idee gut finden, dass einige höhere Steuersätze für Vermögende gelten, jedoch nur unter Auflagen wie, dass diese nur auf liquide Mittel gelten und nicht Vermögen generell. Oder dass man dieses auch entsprechend für die Solidaritätssysteme ausgibt. Eine Lehrperson lässt verlauten, dass solche Debatten wichtig sind, da sie zeigen, wie unterschiedlich Schüler und Schülerinnen den Begriff Gerechtigkeit definieren. Einige Schülerinnen sehen ihre Zukunft in Gefahr, aufgrund der Chancenungleichheit. Für einige sei es viel einfacher später erfolgreich zu werden, mit einem gross vererbten Betrag als für sie selbst, die nie solch etwas erben würden.

Andere Stimmen wiederum betonen, dass die Initiative zwar gut gemeint sei, jedoch am eigentlichen Problem vorbeigehe. So werde zwar Geld umverteilt, aber es ändere nichts an den grundlegenden Ursachen der Vermögensungleichheit oder an der fehlenden Chancengleichheit im Bildungssystem. Eine Schülerin meinte dazu, dass es wichtiger wäre, „in bessere Bildung und faire Startbedingungen zu investieren, anstatt Reiche zu bestrafen“.

Eine Lehrperson für Politische Bildung der KSZ hält die Initiative für eine Scheininitiative. Das Anliegen habe durchaus Berechtigung, jedoch nicht auf diese Weise. Die Lehrperson vergleicht den Umverteilungsversuch mit jenen in sozialistischen Staaten oder mit der1:12 Initiative. Das Umverteilen schaffe lediglich neue Ungleichheiten, bringe aber wenig.

Ein Schüler aus der WMS sieht das ähnlich, jedoch aus wirtschaftlicher Perspektive: „Wenn man zu stark besteuert, verlieren wir als Land an Attraktivität. Dann ziehen die Vermögenden einfach weg, und am Ende zahlen alle anderen die Zeche.“

Trotz dieser Bedenken finden einige Jugendliche den Grundgedanken der Initiative richtig. Sie schätzen, dass mit den zusätzlichen Einnahmen gezielt Massnahmen gegen den Klimawandel finanziert werden könnten. „Wenn das Geld wirklich in nachhaltige Projekte fliesst, wäre das ein starkes Signal“, sagt eine Schülerin aus der KSZ.

Expertenmeinung (Fachvorstand Wirtschaft und Recht)
Im Rahmen des WR-Unterrichts behandle ich mit Klassen regelmässig bevorstehende Abstimmungen. So auch bei der Erbschaftsinitiative – genauer: «Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)». Die JUSO fordert eine Erbschafts- und Schenkungssteuer ab einem Freibetrag von 50 Millionen Franken mit einem Steuersatz von 50 Prozent.

Auf den ersten Blick klingt das gut – Begriffe wie Gerechtigkeit oder soziale Klimapolitik sprechen viele an. Doch ökonomisch betrachtet ist die Initiative radikal und kaum mehrheitsfähig. Die meisten Unternehmen in der Schweiz sind KMU in Familienbesitz, deren Vermögen gebunden ist. Zudem ist die Grenze von 50 Mio. willkürlich und dürfte Umgehungsstrategien fördern. Auch der Steuersatz von 50 Prozent wirkt abschreckend.

Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Erbschaftssteuern ablehnt – auch jene, die gar nicht betroffen wären. Ein moderater Ansatz, etwa 10 Prozent bei gleichzeitiger Abschaffung der Vermögenssteuer, hätte wohl mehr Chancen. In der aktuellen Form wird die Initiative voraussichtlich deutlich abgelehnt werden.

Martin Kammermann, Fachvorstand Wirtschaft und Recht

Fazit
Insgesamt zeigt sich bei den befragten Akteuren ein breites Meinungsspektrum – von klarer Ablehnung bis zu vorsichtigem Zuspruch. Viele wünschen sich eine moderatere Lösung, etwa tiefere Steuersätze oder eine klare Zweckbindung der Einnahmen. Einigkeit herrscht darüber, dass das Thema Gerechtigkeit, Klima und Wirtschaft künftig noch stärker diskutiert werden sollte, da es alle Generationen betrifft.

Bildquelle:
https://www.srf.ch/news/auf-einen-blick-die-erbschaftssteuer-initiative-in-kuerze

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