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Begabungsförderung – 7 Fragen an Marianne Ettlin

Marianne Ettlin*, früher wurde das Sicherheitsnetz in der Volksschule unten durch gespannt. Wer schulisch oder sozial abzufallen drohte, wurde mit verschiedenen Massnahmen aufgefangen. ...
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Marianne Ettlin*, früher wurde das Sicherheitsnetz in der Volksschule unten durch gespannt. Wer schulisch oder sozial abzufallen drohte, wurde mit verschiedenen Massnahmen aufgefangen. Hochbegabte Kinder waren hingegen ihres Glückes eigener Schmid, jedenfalls bis zum Übertritt ans Langzeitgymnasium. Was sprach damals für eine solche Organisation und spricht heute dagegen?
Die damalige Einstellung, dass begabte Schülerinnen und Schüler froh sein durften, wenn sie ohne Anstrengung die Jahresziele der Klasse erreichen konnten, entspricht nicht mehr dem heutigen Bildungsauftrag. Jedes Kind hat das Recht und den Anspruch auf eine seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechende Bildung. Im heutigen ressourcenorientierten Unterricht geht es darum, die verschiedenen Begabungen aller Kinder zu entdecken und sie individuell zu fördern.
Dass jahrelange Unterforderung zu Verhaltensauffälligkeiten führen können oder dass minderleistende Kinder einer besonderen Betreuung bedürfen, war lange wenig bekannt. Selbstverständlich gab es jedoch auch früher Lehrpersonen, die auf jedes Kind mit seinen Stärken und Schwächen eingehen und es individuell fördern konnten.

Besteht nicht auch die Gefahr, dass das breite Mittelfeld etwas auf der Strecke bleibt, wenn mit einigem Aufwand gegen unten Netze gespannt und gegen oben Leitern aufgestellt werden?
Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in einer Klasse verlangt nach erweiterten und verschiedenen Unterrichtsmethoden. Es geht darum, mit guten Lernarrangements allen Schülerinnen und Schülern einen Anschluss an ihren momentanen Lernstand und an ihre Leistungsmöglichkeiten zu bieten. Dies ist sehr anspruchsvoll für die Lehrpersonen, jedoch auch für die Kinder. Zudem werden im heutigen Unterricht von den Kindern Selbststeuerung und Selbstverantwortung erwartet. Die Förderung der überfachlichen Kompetenzen ist also ebenso wichtig wie der Aufbau des Fachwissens. Ich erlebe es oft, dass besonders stille, zurückhaltende Kinder oder dann Kinder, die sich noch wenig gut organisieren können, meiner besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.

Welche drei Begriffe beschreiben Sie am besten?
Menschen in meinem Umfeld loben oft meine Verlässlichkeit und meine Organisationsfähigkeit. Sicher bin ich jemand, der mit Interesse Veränderungen aufnimmt, diese jedoch in Bestehendes integriert und nach pragmatischen, machbaren Lösungen sucht. Diese geerdete Haltung habe ich sicher meiner ländlichen Herkunft zu verdanken und ich geniesse immer wieder die Natur, die Berge und die Stille.

Welchen Traumberuf hatten Sie als Kind?
Obwohl für mich schon seit der ersten Primarschulzeit klar war, dass ich Lehrerin werden wollte, träumte ich davon, später einmal Dinosaurier- oder Mammut- Knochen auszugraben. Leider war mir damals nicht bewusst, dass man diese Wissenschaft im reellen Leben studieren könnte. Somit blieb mir bis jetzt ein Jahrhundert-Fund verwehrt. Kinder beim Finden ihrer Stärken zu unterstützen, ist aber auch eine sehr schöne Aufgabe.

Mit wem würden Sie gerne einen Monat lang tauschen?
Gerne würde ich einmal einen Schäfer mit seiner Schafherde begleiten. Gerne stelle ich mir selbstverständlich nur die angenehmen Teile dieser Tätigkeit vor. Ein Monat ohne Stundenplan, ohne Terminkalender, ohne Mails und Abgabetermine wäre reizvoll.
Aus beruflicher Sicht würde ich mir einen Monat als Mutter und Familienfrau wünschen. Da ich selber keine Familie mit Kindern hatte, stelle ich mir die Familienorganisation und die Begleitung der Kinder als sehr anspruchsvoll vor. Den Schulalltag aus anderer Perspektive zu erleben, wäre sicher sehr lehrreich.

An welche Lehrperson erinnern Sie sich gerne und warum?
Meine damalige Viertklass-Lehrerin ist mir in meinem Berufsleben gedanklich präsent geblieben. Ein besonderer Moment war für mich, als sie für uns Kinder (damals waren wir 36 Kinder in der Klasse) Weggli mitbrachte, um den Begriff „die Hälfte" einzuführen. Mit den Leseheften „Lasst hören aus alter Zeit" konnte sie die geschichtlichen Inhalte zur Eiszeit, zu den ersten Bauern oder zur Römerzeit wunderbar darlegen. Die blau gedruckten Ausmal-Bildchen wurden säuberlich zu Abschreibtexten eingeklebt. Diese Lehrerin hat bis zur Pensionierung unterrichtet und ist im Herbst 2018 im Alter von 102 Jahren verstorben.

Wie profitiere ich als Lehrerin oder Lehrer von der Teilnahme am «Symposium Begabung» am 16. März 2019 für meinen Unterricht?
Das Format einer Tagung dient zur vertieften Auseinandersetzung im Bereich der Begabungs- und Begabtenförderung ausserhalb des oft gestressten Schulalltags. Die Kombination von Fachreferat und Wahl-Workshops gibt Möglichkeiten für Denkanstösse, um sein eigenes Handeln zu reflektieren und konkrete Umsetzungsvorhaben anzudenken.
Wenn dann die besondere Stimmung wahrzunehmen ist, dass andere Teilnehmende in ihrem Alltag auch für eine begabungsfördernde Haltung einstehen und sich für die Förderung begabter Kinder einsetzen, gibt dies Motivation und Energie für die weitere Tätigkeit.

Symposium Begabung 2019
Samstag, 16. März 2019, PH Zug, Zugerberstrasse 3, Zug
Anmeldeschluss: 22. Februar 2019
Mehr Infos und Anmeldung: www.symposium-begabung.phzg.ch

 

 

In der Rubrik «7 Fragen an ...» werden Menschen aus der nahen und fernen Bildungslandschaft vorgestellt. Mit einigen personenspezifischen Fragen, dann aber auch mit Fragen, die allen gestellt werden.

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