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Die Kappe — eine Fastnachtsgeschichte

19.02.2015
Dies ist eine Fastnachtsgeschichte. Eine wahre Fastnachtsgeschichte. Und natürlich ist es auch eine Schulgeschichte. Eine wunderbare Schulgeschichte. Von Martin Meier Dass die Fastnacht in ...
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Dies ist eine Fastnachtsgeschichte. Eine wahre Fastnachtsgeschichte. Und natürlich ist es auch eine Schulgeschichte. Eine wunderbare Schulgeschichte.

Von Martin Meier

Dass die Fastnacht in jenem Jahr in die Schulzeit und nicht in die Schulferien fiel, kam insbesondere dem Kinderumzug entgegen, der sich — verstärkt durch zahlreiche Schul- und Kindergartenklassen — äusserst farbenfroh und eindrücklich auch im Umfang präsentierte. Buchstäblich Gross und Klein war auf den Beinen. Am Strassenrand drängte sich das Publikum in mehreren Reihen. Auf jeder noch so kleinen Mauer und auf jedem Absatz standen Frauen und Männer, um auf diese Weise einen Blick auf die vorüberziehenden Piraten, Tiger oder auch Senftuben und Doktoren zu erhaschen.
Auch die Schulpräsidentin stand Spalier und erfreute sich an der Fröhlichkeit, welche mit den Kindern durch die Strasse hinabwallte und die ganze Stadt erfüllte. Da und dort schauten Polizisten zum Rechten. Einer hatte sich eine rote Nase aufgesetzt, sehr zur Begeisterung insbesondere der vorbeiziehenden Kindergärtler, die ob dem ungewöhnlichen Anblick den Kopf fast gar nicht mehr in Marschrichtung zurückdrehen wollten.
Diese Unachtsamkeit verschärfte an jener Stelle den umzugsüblichen Handorgeleffekt, da die so abgelenkten Kinder jetzt erst recht auf ihre Vorderleute aufliefen. Umsichtig rückten dort die Kindergärtnerinnen die Verhältnisse wieder zurecht, während die Lehrerinnen und Lehrer der älteren Schüler da und dort ein Mütchen kühlen mussten, wo der fasnächtliche Überschwang allerhand Streiche zum Keimen bringen drohte. Der Balanceakt zwischen Ausgelassenheit und Aufsicht gelang der Lehrerschaft ausgezeichnet und das Publikum war auch mit den Lehrerinnen und Lehrern zufrieden. Kurz, es war ein Kinderumzug wie aus dem Bilderbuch.

Dass das Wetter mitspielte, soll der Form halber ebenfalls erwähnt werden. Es war anfänglich noch kalt, dann aber wärmer und immer schön. Am Ende des Umzugs strömten die Klassen auf den Hauptplatz, wo die ältesten Schüler Tee und Wurst und Brot verteilten. Die Kinder sassen nach Klasse getrennt auf dem Boden, die jüngeren schon etwas müde und mit grossen Augen, andere noch voller Ideen. Nach und nach löste sich die Versammlung auf, einige Schüler und Kindergärtler wurden abgeholt, andere nahmen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern den Rückweg zu den verschiedenen Schulhäusern der Stadt unter die Füsse.
Der bereits erwähnten anfänglichen Kälte war auch jene Kappe geschuldet, um welche sich die Geschichte nun drehen soll. Diese kam während des Umzugs unbemerkt abhanden. Die Kappe gehörte Samiel, einem Knaben aus Eritrea. Sie war rot und offensichtlich von ganz besonderer Bedeutung für den Erstklässler. Als Samiel nämlich, nach halbstündigem Fussmarsch zurück beim Schulhaus, den Verlust der Kappe bemerkte, war es um ihn geschehen. Kein noch so gutes Wort seiner Lehrerin konnte den Buben trösten, die Schminke wollte gar nicht aufhören, vom Gesicht zu triefen. Es schluchzte und schüttelte mit Samiel, wie es die Lehrerin aufgrund eines verlorenen Gegenstands noch gar nie erlebt hatte.
Da seufzte die Lehrerin, entliess die anderen Kinder aus ihrer Obhut und nahm — den Fasnachtsapéro im Lehrerzimmer vor Augen — den weinenden Knaben an der Hand und lief mit ihm exakt den Weg zurück, den sie eben gekommen waren. Mit Samiel im Schlepptau ging's zurück an den Ort des Geschehens, wo die Aufräumarbeiten bereits in vollem Gange waren. Sie begannen ihre Suche auf dem Hauptplatz, suchten dort zwischen zertrampelten Bechern, liegengebliebenen Masken und anderem mehr nach der Kappe, allein diese blieb unauffindbar.
Also seufzte die Lehrerin abermals, nahm den Knaben wiederum an der Hand und machte sich auf die Umzugstrecke. Auch hier waren die Aufräumarbeiten im Gang, die Absperrgitter waren weggeräumt. Um die Ecke bog bereits die Putzmaschine und hinter der Putzmaschine lauerte der Verkehr, ganz offensichtlich bereit, die Wiederinbesitznahme der Umzugsroute zu vollziehen.
Gerade als sich die Lehrerin ins scheinbar Unvermeidliche schicken wollte, geschah das Wunder. Wenige Meter vor der Putzmaschine entdeckte sie etwas Rotes zwischen Konfetti und Fasnachtsbändeli am Strassenrand. Etwas Rotes, das sich beim näheren Hinsehen tatsächlich als Kappe von Samiel entpuppte. Schnell war die Putzmaschine gestoppt und die Kappe vor deren Besen und Saugschlauch in Sicherheit gebracht.
Und dann, so erzählte es mir die Lehrerin später, dann ging in Samiels Gesicht die Sonne auf. Und das Strahlen nahm auf dem ganzen Rückweg zum Schulhaus kein Ende.

 

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