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Hunger nach Licht — nicht nur an Weihnachten

05.12.2017
Weihnachten ist die Zeit der Lichter. Weihnachten ist auch die Zeit der Menschen-Lichter. Nachhaltig Weihnachten feiern heisst, auch unter dem Jahr ein Menschen-Licht sein. Von Alfredo Sacchi* ...
Bild Legende:

Weihnachten ist die Zeit der Lichter. Weihnachten ist auch die Zeit der Menschen-Lichter. Nachhaltig Weihnachten feiern heisst, auch unter dem Jahr ein Menschen-Licht sein.

Von Alfredo Sacchi*

Milliarden von Lichtern werden weltweit in der Advents- und Weihnachtszeit zusätzlich angezündet: öffentlich und privat, in geometrischen Formen oder Tiergestalten, als Stern oder Nikolaus, als Familie mit Kind oder wild durcheinander. Verschiedenste Kulturen und Traditionen blinken und scheinen miteinander um die Wette. Die Nacht soll erleuchtet werden, wir alle in gute Stimmung versetzt.

Ob die Lichterflut uns noch tiefer berührt? Oder umgekehrt, ob tiefere Schichten in uns die Lichterflut jedes Jahr neu auslösen? Ob unsere Sehnsucht nach Frieden und Glück, nach Harmonie und Geborgenheit in diesem Lichtermeer zu finden ist? Und ob in diesen vielen Lichtern denn auch schon Antworten verborgen sind?

Unsere Religionslehrerin, eine Ordensfrau, liess uns Schüler vor 65 Jahren die Flamme einer Kerze ausmalen für jede gute Tat, die wir in der Adventszeit vollbracht hatten und warnte uns mit erhobenem Finger, ja nicht zu schummeln; der liebe Gott sehe alles!

So sehr ich heute Fragezeichen hinter dieses Bild eines nachprüfenden Gottes setze, so sehr wünschte ich mir zu jedem Lämpchen und jeder Flamme eine wohltuende, heilende, aufrichtende, versöhnende, erfreuende Geste. Ich staune auch, wie viele Menschen auf Weihnachten hin ihr Herz besonders weit machen können und die Idee, Licht in ein konkretes Menschenleben hineinzutragen mit ihren Händen und ihren Füssen, ihren Herzen und ihrem Portemonnaie Wirklichkeit werden lassen. Sie sind die Nahrung für unseren menschlichen Hunger nach Licht. Sie wandeln den oberflächlichen Schein in Sein. Davon könnten wir noch mehr gebrauchen. Solche Menschen-Lichter leuchten doch noch anders als ein LED-Lämpchen.



Die weihnachtlichen Leuchtmittel werden im Januar auch wieder abgebaut. Aber unser Hunger nach Licht und Wärme, nach Verständnis und Anerkennung, nach Menschlichkeit, der bleibt doch – oder? Braucht es nicht ein nachhaltiges Weihnachten?

In meiner Weihnachtspredigt vom vergangenen Jahr habe ich angeregt, doch mindestens am 25. jeden Monats ein «kleines Weihnachten» zu feiern, um in unserer Achtsamkeit nicht nachzulassen, unsere Versöhnlichkeit zu üben, unser Herz weit zu halten, unsere Menschlichkeit auch ins Geschäft und in die Politik mitzunehmen. Mindestens eine Zuhörerin hat sich meine Worte gut gemerkt: ich bekomme immer am 25. ein (anonymes) Zeichen, dass sie das «kleine Weihnachten» nicht vergessen hat. Das tut auch mir gut.

Wo aber zünden wir unser eigenes Licht wieder an, wenn es uns ablöscht? Wo holen wir die Energie, uns immer wieder zu öffnen für Menschen und neue Situationen? Woher nehmen wir die Kraft, immer und immer wieder neu zu beginnen?

Als Christinnen und Christen weisen wir auf das «ewige Licht» hin, auf Christus, das «Licht der Welt». Er ist das Licht, das niemals auszulöschen ist, er ist das JA Gottes zu uns Menschen, das er nicht zurücknimmt, er ist die Liebe, die uns trägt, immer. Paulus formuliert in seinem Brief an Titus seinen Glauben an Christus, als der Güte und Menschlichkeit Gottes, die in Jesus von Nazareth rettend erschienen ist. An nichts weniger als an der Liebe Gottes können wir uns festhalten und unser Licht immer wieder neu entzünden; unser Hunger mag riesig sein; Gottes Liebe ist grösser.

So lasst uns zuversichtlich und grosszügig Lichter anzünden!

*Alfredo Sacchi ist Domherr und Dekan des Kantons Zug sowie Priester in der Gemeinde Steinhausen.

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