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Kleine Schulgeschichten — Wurst für die Katz

03.09.2017
Kleine Schulgeschichten Von Max Huwyler* Ich finde bei irgend einmal abgelegten Texten diese Geschichte aus dem „Tagebuch fürs Kind", das ich während eines Jahres für unseren ersten Enkel ...
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Kleine Schulgeschichten

Von Max Huwyler*

Ich finde bei irgend einmal abgelegten Texten diese Geschichte aus dem „Tagebuch fürs Kind", das ich während eines Jahres für unseren ersten Enkel geführt hatte.
Es war vor Jahrzehnten. Schulbesuch am Examen, 2. Klasse irgendwo im Kanton Zürich. Schön gekleidete Kinder. Um die Kinder herum ordentliche sitzende und stehende Eltern, vorne eine Lehrerin, hat sich fürs Examen schön zurecht gemacht.

An der Wandtafel hängt ein Bild, gross und farbig. Ein Innenraum, in der Mitte ein Tisch, links ein Stuhl, auf dem Stuhl eine Katze, die sich über die Tischkante zur Bildmitte bewegt, Kopf vorgestreckt, den Katzenblick auf diese Tischmitte gerichtet. Denn dort ist ein Teller und darin eine Wurst. Dramatische Situation. Da lägen Geschichten drin.

Doch die Lehrerin hat nicht die Geschichte im Sinn, sondern die didaktische Ordnung. Sie macht den Erzählraum dicht, verlangt ordentliche Denkabfolge, steuert sie mit der Frage: „Was macht das Büsi?"

Kinder strecken, denn sie haben es sofort gemerkt. Das nun aufgerufene Kind sagt: „S Büsi wott d Wurscht nää." Das hatten wir Eltern auch so gesehen. „Falsch." Das Wort kam überraschend und energisch von der Frau da vorn und machte Irritation zittern in der Schulstubenluft. Der Lehrerin Korrektur: „Zeersch hätts Gluscht."

Das Kind mit der falschen Antwort hat während des ganzen Examens nicht mehr gestreckt. Das Kind war unser Sohn. Ich war wütend. Und jetzt, beim Notieren, dreissig Jahre später, kommt die Erinnerung an die Wut wieder hoch. Dem Sohn des Sohnes steht ein grosses Ereignis bevor. Er kommt in die Schule. Er bekommt von uns Grosseltern den Schulthek geschenkt. Mit vielen guten Wünschen drin.

*Max Huwyler wurde 1931 in Zug geboren. Er arbeitete bis zur Pensionierung als Sekundarlehrer. Neben Geschichten und Hörspielen hat er zahlreiche Theaterstücke für die Schulbühne und Texte für Radio DRS verfasst. Der Autor hat zudem Grass und Canetti in Mundart übersetzt sowie einige Lyrikbände veröffentlicht. Max Huwyler lebt heute in Zug. Magische Lesemomente bescheren bspw. seine Mundartgedichte: "Föönfäischter" Neuedition 2015, Zytturm Verlag; "De Wind hed gcheert" Neuedition 2015 Zytturm Verlag, die Bände sind in Zuger Buchhandlungen oder online erhältlich.

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