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Frühfranzösisch — zwei Standpunkte

03.09.2017
Im Mai 2006 sagten die Zugerinnen und Zuger Ja zu zwei Fremdsprachen in der Primarschule, indem sie eine Initiative, die eine Beschränkung auf eine Fremdsprache forderte, mit knapp 58 % Nein-Stimmen ...
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Im Mai 2006 sagten die Zugerinnen und Zuger Ja zu zwei Fremdsprachen in der Primarschule, indem sie eine Initiative, die eine Beschränkung auf eine Fremdsprache forderte, mit knapp 58 % Nein-Stimmen ablehnten. Mehr als zehn Jahre später wird die Frage von Kantonsrat Jürg Messmer wieder aufgegriffen. Er spricht sich für Englisch als einzige Fremdsprache in der Primarschule aus und hat dazu einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht. Kantonsrat Peter Letter hat ebenfalls einen Vorstoss zur Fremdsprachenfrage eingereicht, ihm geht es aber darum, bei zwei Fremdsprachen in der Primarschule zu bleiben.

Die Direktion für Bildung und Kultur beabsichtigt, da es um das gleiche Thema geht, die beiden Vorstösse miteinander zu beantworten. Der nächste Schritt ist der Bericht und Antrag an den Kantonsrat, der über das weitere Vorgehen (Ablehnung des Anliegens oder Beauftragung Regierungsrat zur Umsetzung) befinden wird. Entschieden ist also noch nichts.

Wir haben beide Kantonsräte um einen kurzen Beitrag zu ihren unterschiedlichen Standpunkten gebeten.


Standpunkt «Französisch erst auf der Sekundarstufe I»

Von Kantonsrat Jürg Messmer*

Mit der Motion „Französisch erst auf der Sekundarstufe I" wird auf die Frage des Sinns von Französisch auf der Primarstufe reagiert. Es geht nicht darum, ob Französisch in der Schule unterrichtet werden soll, sondern ab wann.

Seit 1991 ist Französischunterricht ab der fünften Klasse Standard. 2006 wurde die Initiative „Eine Fremdsprache an der Primarschule" vom Stimmvolk klar mit 57.76% abgelehnt. Auch der Motionär war damals für zwei Fremdsprachen an der Primarschule.

Nach heutiger Erkenntnis sind jedoch viele Schülerinnen und Schüler der Primarschule mit dem Erlernen von zwei Fremdsprachen überfordert.
Migrantenkinder, die Deutsch und Mundart lernen müssen, sind meist nicht in der Lage, nebst Englisch gleichzeitig auch noch eine vierte oder fünfte Sprache zu lernen. Auch einheimische Kinder sind mit zwei Fremdsprachen oft überfordert.(Aussage von Zentralpräsident DACHVERBAND LEHRERINNEN UND LEHRER SCHWEIZ, Beat Zemp, NZZ am Sonntag, 18.11.2012).

Der frühe schulische Fremdsprachenunterricht wurde bereits in mehreren Studien in verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Methoden überprüft, z. B. von Carmen Munoz, Universität Barcelona oder dem Sprachwissenschaftler Urs Kalberer, Zürich. Er untersuchte den Effekt von Frühenglisch und verglich Schulklassen, welche Englisch schon in der 3.Klasse erlernten mit solchen, in denen Englisch erst nach der 5.Klasse angeboten wurde. Seine Forschung ergab, dass auf Sekundarstufe keinerlei Vorsprung in der Sprachkompetenz nachgewiesen werden kann. Die Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Möglichkeiten des frühen schulischen Fremdsprachenunterrichts überschätzt werden. Ähnliches wurde auch in Deutschland festgestellt. lm Juni 2009 wurde im „Spiegel" unter dem Titel „Effekt gleich Null" darüber berichtet. Verschiedene wichtige Promotoren haben ihre ursprüngliche Begeisterung ganz abgelegt.

Mit den Bedingungen wie sie in der Schweiz gelten, ist der Fremdsprachenunterricht zudem kaum erfolgreich. Dazu müssten drei Bedingungen erfüllt sein: 1. Muttersprachliche Kompetenzen der Lehrkräfte, 2. kleine Lerngruppen von 6-10 Kindern und 3. mindestens eine Lektion pro Tag. Noch keine Studie existiert, welche nachweisen kann, dass frühe Lerner eine Fremdsprache besser beherrschen als späte Beginner.

Viele Lehrbetriebe sowie weiterführende Schulen bemängeln zudem die schlechten Deutschkenntnisse der Jugendlichen und fordern von der Volksschule eine Stärkung von Deutsch und den naturwissenschaftlichen Fächern. Lehrmeister wünschen auch eine bessere handwerkliche Vorbildung ihrer Lehrlinge. Exaktes Arbeiten und handwerkliche Grundkenntnisse werden vermisst.

Der Kantonsrat hat die Motion an seiner Sitzung vom 31.8.2017 an den Regierungsrat zu Bericht und Antrag überwiesen. Das Anliegen ist kein Exot: In Luzern wird am 24. September 2017 über die Fremdspracheninitiative «Nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe» abgestimmt. Eine Initiative, welche ursprünglich vom Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband LLV lanciert wurde.

Standpunkt «Pro Französischunterricht an der Primarschule»

Von Kantonsrat Peter Letter**

Die Sprachkompetenzen in der Muttersprache und in Fremdsprachen sind für unsere Jungen sehr wichtig für die berufliche und gesellschaftliche Entwicklung. Französisch hat dabei als schweizerische Landessprache, als eine der wichtigen internationalen Sprachen und als Basis für weitere lateinische Sprachen einen hohen Stellenwert. In der Schweiz haben wir durch die Mehrsprachigkeit grosse Vorteile, die wir nicht ungenutzt lassen sollten.

Wenn mit dem Französischunterricht bis zur sechsten Klasse die Basis-Kommunikationsfähigkeit mit unseren welschen Kollegen und eine positive Einstellung zur Fremdsprache erreicht wird, dann ist das bereits viel wert. Ein didaktisch guter Französischunterricht von motivierten Lehrpersonen sowie eine positive Einstellung, weitergegeben von den Eltern und dem Umfeld, sind wesentliche Faktoren für das erfolgreiche Erlernen dieser Landessprache. Der Ruf nach Abschaffen des Französischen an der Primarschule ist eine zu einfache Antwort auf die Herausforderung, den Französischunterricht für die Schüler interessant und erfolgreich zu gestalten.

Der Französischunterricht ist in der Primarschule des Kantons Zug ab der 5. Klasse als zweite Fremdsprache nach dem Englisch seit mehreren Jahren verankert und etabliert. Im Jahre 2015 führte der Kanton Zug in Zusammenarbeit mit den anderen Zentralschweizer Kantonen eine „Evaluation Fremdsprachen" durch. Im Rahmen dieser Evaluation wurden einerseits die Fremdsprachenkenntnisse in der 6. und 8. Klasse getestet. Andererseits wurden die Lernenden, die Lehrpersonen und im Kanton Zug die Eltern zu verschiedenen Themen befragt.

Ein Fazit war, dass die Zuger Schülerinnen und Schüler in Französisch besser abschnitten als ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Zentralschweizer Kantonen. Ein wesentlicher Grund ist wohl die im Vergleich zu den anderen Kantonen höhere Anzahl Jahreswochenlektionen sowohl in der Primarstufe wie auch in der Sekundarstufe I. Insgesamt blieben die Leistungen in Französisch der 8. Klasse aus Lehrplansicht jedoch unbefriedigend. Ich bin klar für die Beibehaltung des Frühfranzösisch und das Festhalten am Modell 3/5 (also Englisch ab 3. und Französisch ab 5. Primarklasse).

Der Regierungsrat kündigte damals in seinem Bericht vom 22.03.2016 an, die Lehrplanziele zu überprüfen, die Unterrichtsgestaltung zu optimieren und sich mit Aspekten der Motivation der Lernenden und der Lehrpersonen zu befassen. In diesem Zusammenhang habe ich am 7. August 2017 eine Interpellation im Kantonsrat eingereicht. Mir geht es darum, die Qualität, die Motivation und die Freude am Frühfranzösisch zu erhöhen. Die Interpellation befasst sich deshalb mit Ansätzen zu Verbesserungen.

**Peter Letter (links im Bild)
Kantonsrat FDP, Oberägeri
Mitglied Bildungskommission des Kantonsrates
Unternehmer
Vorstand Zuger Wirtschaftskammer

*Jürg Messmer
Kantonsrat SVP, Stadt Zug
Mitglied Bildungskommission des Kantonsrates
Verheiratet, drei erwachsene Kinder

 

 

Kantonsrat FDP, Oberägeri
Mitglied Bildungskommission des Kantonsrates
Unternehmer
Vorstand Zuger Wirtschaftskammer

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