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19.02.2026

How to work better in der Schule?

19.02.2026
Schule ist ein Ort, an dem viele Menschen zusammenarbeiten, um gemeinsam gute Lösungen für Kinder finden. Gute Leitsätze helfen dabei.
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Herausforderungen gibt es viele im Schulalltag. Schlichte und verlässliche Leitsätze geben mir Orientierung und helfen bei der gemeinsamen Problemlösung mit. Auch wenn nicht jedes Problem gelöst werden kann.

Von Adrian Estermann*

Wenn ich morgens zur Schule komme, spüre ich sofort die Energie im Haus. Noch bevor der Unterricht beginnt, begegnen mir die ersten Stimmen, kurze Absprachen, kleine Beobachtungen – Fragen, die man im Vorbeigehen stellt, die vielleicht unwichtig wirken, jedoch ganz wichtig und wertvoll sein können. In solchen Momenten wird mir bewusst: Schule entsteht nie im Alleingang. Schule lebt dort, wo Menschen zusammenkommen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Nicht jede Lösung kann perfekt sein
Ein grosser Teil meiner Arbeit besteht darin, in Spannungsfeldern da zu sein und in Zusammenarbeit mit Beteiligten nach Antworten oder Lösungen zu suchen. Dabei ist ein konstruktiver Umgang mit Ambiguitäten, von denen es im Schulalltag viele gibt, hilfreich. Verschiedenartiges soll nicht blockieren, sondern Entwicklungen ermöglichen. Wir arbeiten arbeitsteilig und trotzdem eng vernetzt. Wir entscheiden oft nach dem Pareto‑Prinzip, weil in einer komplexen Organisation nicht jede Lösung perfekt sein kann. Wir bewegen uns in Dilemmata, in denen zwei oder mehr Wichtigkeiten gleichzeitig gültig sein können: individuelle Förderung und soziales Lernen in der Gruppe, maximale Individualisierung und Integration aller Kinder, Leben in einer digitalen Welt und zugleich der achtsame Bezug zur Natur. Auch der Stundenplan ist ein Versuch, Lernrhythmen der Kinder und das Bedürfnis der Lehrpersonen nach Struktur und Ausgleich in Einklang zu bringen.

Ich habe gelernt, Situationen zu akzeptieren, weil sie sind, wie sie sind – so wie in der Geschichte mit den drei Rettungsbooten, in der es nichts bringt, Energie fürs Hadern zu verschwenden. „Mitfühlen“ reicht. Das gilt auch im Umgang mit digitalen Mitteln: Trotz aller Möglichkeiten – entscheidend bleibt die analoge Beziehungsgestaltung.

Aus Blickwinkeln ein Bild entwickeln
Diese Ambiguitäten zeigen sich auch im Zusammenspiel mit Eltern. Aus Sicht der Schule wäre für ein Kind ein drittes Unterstufenjahr sinnvoll – als Chance, sich in seinem eigenen Tempo weiterzuentwickeln, ohne Druck. Die Eltern sehen die Schwierigkeiten ebenfalls, hoffen, dass sich „der Knoten bald löst“, dass ihr Kind einfach mehr Zeit braucht und deshalb in die dritte Klasse gehen sollte. Beide Perspektiven sind gültig, beide Sichtweisen basieren auf Verantwortung und Sorge. Und manchmal finden wir uns nicht leicht. Dann gilt es, auszuhalten, dass unterschiedliche Sichtweisen nebeneinander bestehen bleiben dürfen.

Was mich in all diesen Situationen besonders trägt, ist unser multiprofessionelles Team. Lehrpersonen, schulische Heilpädagoginnen, Schulleitung, Fachpersonen aus Logopädie, Schulsozialarbeit und Betreuung, oft unter Zuzug des Sozial- und Schulpsychologischen Dienstes oder Stellen des Amts für gemeindliche Schulen. Wir alle sehen die Kinder und ihre Familien aus verschiedenen Blickwinkeln. Manche Perspektiven ergänzen sich, andere widersprechen sich. Doch in dieser Vielfalt liegt eine enorme Stärke. Wenn wir gemeinsam hinhören, entsteht ein vollständigeres Bild – und damit Entscheidungen, die tragfähiger sind als jede einzelne Sicht.

Es gibt Tage, an denen ich spüre, wie gelingende Zusammenarbeit wirkt: wenn ein Kind einen mutigen Schritt macht, wenn ein Team nach einem anstrengenden Prozess miteinander lachen kann oder wenn eine Kollegin sagt: „Der Lösungsansatz funktioniert, wir sind wieder auf Kurs.“ In solchen Momenten wird mir bewusst, dass Schule nicht nur ein Lernort ist, sondern ein gemeinsamer Entwicklungsraum für Kinder und Erwachsene.

Natürlich gibt es auch die anderen Tage. Wenn die Politik ohne vertiefte Kenntnisse Vorstösse lanciert, wenn Entscheide Fragen aufwerfen oder für Unverständnis sorgen. Wenn Spannungen sich hartnäckig halten. Wenn Eltern den Streit ihrer Kinder über Anzeigen und Forderungen aus dem Weg räumen wollen. Wenn Erwartungen verschiedener Seiten gleichzeitig auf meinem Tisch landen. In solchen Situationen zeigt sich die Komplexität besonders deutlich.

Schlichte Leitsätze geben Orientierung
Seit Jahren geben mir einfache, verlässliche Leitsätze Orientierung. Sie strukturieren mein Denken und Handeln: erst zuhören, dann entscheiden; den Blick auf das Mögliche richten; nicht alles selber machen wollen; Komplexität als Normalität begreifen, weil wir mit echten Menschen arbeiten; und mutig bleiben, auch wenn der Weg noch nicht klar ist. Sie helfen mir, auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Diese Leitsätze stammen nicht von mir. Sie gehören zum Werk von Fischli/Weiss und sind als Installation im öffentlichen Raum zu sehen. Schlichte Sätze, leicht zu überlesen – und doch bemerkenswert treffend. Sie erinnern mich täglich daran, wie gute Arbeit entsteht: konsequent, klar, bescheiden – und gemeinsam.

How to work better

  1. Do one thing at a time

  2. Know the problem

  3. Learn to listen

  4. Learn to ask questions

  5. Distinguish sense from nonsense

  6. Accept change as inevitable

  7. Admit mistakes

  8. Say it simple 

  9. Be calm

  10. Smile

How to Work Better – Fischli/Weiss | Kultur in Zürich


*Adrian Estermann ist Primarlehrer und seit 2005 Schulleiter von zwei Schuleinheiten in Baar. Seit 2019 präsidiert er den Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Zug. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Teenageralter.

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