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Elternarbeit in der Volksschule — Ein Interview mit Alois Huber

07.04.2014
Alois Huber, Rektor in Neuheim, beantwortet Fragen zum Thema Elternarbeit. Er macht den Hinweis, dass es „die“ Eltern ebenso wenig gibt wie „die“ Lehrpersonen. Wichtig für eine erfolgreiche ...
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Alois Huber, Rektor in Neuheim, beantwortet Fragen zum Thema Elternarbeit. Er macht den Hinweis, dass es „die“ Eltern ebenso wenig gibt wie „die“ Lehrpersonen. Wichtig für eine erfolgreiche Elternarbeit sei die Grundannahme, dass alle Beteiligten das Beste für das Kind wollen.

Von Lukas Fürrer

Wie fühlen sich Eltern, wenn sie an die Schule denken? Was erwarten die Eltern von der Schule?

Was Eltern darüber denken und fühlen, können eigentlich nur sie selber beantworten. Es gibt sicher auch nicht „die“ Eltern, sondern ganz viele verschiedene Eltern, welche sehr unterschiedliche Wahrnehmungen haben. Die Erfahrungen zeigen, dass die eigene Schulzeit die Wahrnehmung der Schule stark mitprägt und die Schule von heute, welche eine andere ist als vor 10, 15 oder mehr Jahren, oft durch diese Brille gesehen wird. Viele Eltern sind immer wieder positiv überrascht, wenn sie die heutige Schule kennenlernen und besuchen. Oft höre ich dann die Aussage: „So wäre ich auch gerne in die Schule gegangen.“ Aus Gesprächen weiss ich, dass die Eltern von der Schule erwarten, dass ihr Kind in der Schule optimal gefördert wird, viel lernt und so eine gute Bildung für das Leben nach der obligatorischen Schulzeit erhält. Sicher erwarten sie auch, dass ihr Kind in der Schule gut aufgehoben ist, sich wohl fühlt und gerne in die Schule geht.

Oder von der anderen Seite betrachtet: Wie fühlen sich die Lehrpersonen, wenn sie an die Eltern denken? Was erwartet die Schule von den Eltern?

Auch hier gilt sicher, dass es nicht „die“ Lehrpersonen gibt, sondern dass es ganz unterschiedliche Wahrnehmungen gibt. Diese sind geprägt von eigenen Erfahrungen, seien diese nun positiv oder eher belastet. Grundsätzlich wird die Zusammenarbeit Lehrpersonen-Eltern positiv wahrgenommen und der grösste Teil der Elternkontakte und der Zusammenarbeit mit den Eltern ist konstruktiv und auf das ganzheitliche Wohl des Kindes ausgerichtet. Wenn die Vorstellungen über die Ziele mehrheitlich übereinstimmen, gestaltet sich die Zusammenarbeit gut und unterstützt das Kind in der Entwicklung. Die Schule erwartet von den Eltern die Erfüllung ihrer Aufgaben als Erziehungsberechtigte und eine konstruktive Unterstützung des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schule.

Im Februar war in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen, dass das Misstrauen zwischen Schule und Eltern gestiegen ist. Marion Heidelberger, Vize-Präsidentin des LCH, sagte an gleicher Stelle, dass das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus teilweise richtig gestört sei und dass es im Konfliktfall schnell hart auf hart gehe. Welche Erfahrungen machen Sie?

Ich nehme das nicht in dieser Art wahr. Wie bereits erwähnt, funktioniert die Zusammenarbeit in den allermeisten Fällen gut und ist konstruktiv. Es gibt wenige Ausnahmen. Die grössten Schwierigkeiten ergeben sich da, wo die Sichtweisen der Schule und der Eltern in unterschiedliche Richtungen weisen oder wenn z.B. Eltern nur die Sicht des Kindes sehen und sich von diesen manipulieren und vereinnahmen lassen. Die Schule, bzw. die Lehrperson wird dann schnell zum Feindbild und jede Massnahme als Angriff auf sich als Eltern bezogen. In solchen Situationen ist es jeweils sehr wichtig, die Eltern durch Gespräche wieder ins gleiche Boot zu holen und miteinander Lösungen zu finden, welche dem langfristigen Wohl des Kindes und der Klassengemeinschaft dienen. Die Kinder selber finden jeweils bei Konflikten sehr schnell gute Lösungen miteinander. Sobald sich aber die Eltern einmischen und Partei einzig für ihr Kind und nicht für eine gute Lösung ergreifen, schlimmstenfalls sogar noch direkt auf die anderen Kinder Einfluss zu nehmen suchen, dann wird es schwierig. Schwierig wird es auch dann, wenn Eltern nur ihre eigenen Interessen oder die ihres Kindes vertreten und dabei vergessen, dass ein wichtiger Auftrag der Schule Gemeinschaftsbildung ist und Kinder lernen müssen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen und sie mitgestalten zu können. Dabei spielt sicher auch eine wichtige Rolle, dass viele Kinder in Kleinfamilien aufwachsen und dort die individuelle Persönlichkeitsentwicklung Vorrang gegenüber der Gemeinschaftsbildung hat. Diese Kinder müssen dann oft auch sehr hohe Erwartungen der Eltern erfüllen.

War der NZZ-Bericht in Neuheim ein Thema?

Der Bericht war in unserer Schule kein besonderes Thema.

Was verstehen Sie eigentlich unter Elternarbeit?

Elternarbeit ist für mich das optimale Zusammenspiel von Lehrperson/Schule und den Eltern zur optimalen Förderung des Kindes in seiner Entwicklung und beim Erreichen der Ziele der Schule. Auf der Seite der Lehrperson/Schule ist dies eine vertiefte Orientierung über die Ziele und Lernfortschritte sowie über das Schulgeschehen. Das findet statt mit Elterninformationen, Elternabenden, Orientierungsgesprächen, persönlichem Austausch, rechtzeitigem Miteinbezug bei Schwierigkeiten und dem Miteinander bei laufbahnbestimmenden Massnahmen (Übertrittsverfahren usw.). Auf der Seite der Eltern verstehe ich darunter das Interesse am Kind, seiner ganzheitlichen Entwicklung und die engagierte Teilnahme bei den oben aufgeführten Bereichen. Dazu kommt das grundsätzliche Interesse an Bildungsthemen und die Unterstützung der Lehrperson/Schule beim Erreichen der Bildungs- und Erziehungsziele.

Machen wir eine kleine Auslegeordnung. Inwiefern hat sich die Elternarbeit an den gemeindlichen Schulen aus Ihrer Sicht in den letzten zwanzig Jahren verändert? Welche Neuerungen im Schulwesen hatten direkten Einfluss auf die Qualität und Quantität von Elternarbeit?

Die Zusammenarbeit Eltern – Lehrperson/Schule ist sicher viel intensiver und strukturierter geworden. Heute ist es selbstverständlich, dass in jedem Schuljahr mindestens ein Elternabend stattfindet, dass die Eltern regelmässig zu Schulanlässen und zu Besuchstagen eingeladen werden. Durch die Einführung der jährlichen Orientierungsgespräche und die Mitentscheidungsmöglichkeiten bei den Übertrittsverfahren sind die Eltern stark in wichtige Prozesse einbezogen.

Die Schule ist, gerade auch durch die laufende Umsetzung des Konzeptes „Qualitätsmanagement an den gemeindlichen Schulen“ öffentlicher geworden und es wird viel mehr informiert. Jede Schule gibt regelmässig eigene Informationsbroschüren heraus, informiert in den Medien und betreibt eine eigene Website, tw. mit Nutzung von Facebook und Twitter mit aktuellen Informationen. Anderseits ist auch das Interesse der Eltern und der Bevölkerung generell an der Bildung stark gewachsen.  

Werfen wir vielleicht auch noch einen Blick auf die Eltern und aufs Elternhaus. Sehen Sie hier auch Entwicklungen, welche die Elternarbeit der Schule beeinflussten und beeinflussen? Sind — bezogen auf die Schule — die Ängste und Nöte der Eltern gleichgeblieben oder gab es hier auch eine Entwicklung?

Wenn ich auf meine eigene Schulzeit zurückblicke, welche bereits einige Jahrzehnte zurückliegt, war der Einbezug in die Schule äusserst gering. Hauptsache alles lief rund und es gab nichts Negatives zu berichten. Meine Eltern waren z.B. während meiner ganzen Schulzeit kein einziges Mal in der Schule zu Gast. Die Schule war eine Autorität, welche kaum in Frage gestellt wurde. Zum Glück ist das heute ganz anders.

Das Interesse an der Entwicklung des eigenen Kindes ist heute seitens der Eltern viel grösser, zum Glück. Aber auch die Sorgen um den Erfolg des Kindes und dessen Zukunftschancen in einer komplexeren Welt, die vielfältigen Herausforderungen und Verlockungen unserer schnelllebigen und stark materiell geprägten Welt sowie auf sofortige Bedürfnisbefriedigung ausgerichtete Gesellschaft machen es unseren Kindern, Jugendlichen und Eltern nicht gerade einfach. Die Herausforderungen sind andere geworden – und nicht einfacher.

Die Elternarbeit der Schule findet auf mehreren Ebenen statt und ist auch eine Führungsaufgabe. Wie haben Sie die Elternarbeit zwischen Rektorat, Schulhausleitung und Lehrpersonen aufgeteilt?

Die Hauptarbeit liegt klar bei den Lehrpersonen. Hier finden der direkte Kontakt und die Zusammenarbeit in Bezug auf das Kind statt. Die Schulleitung, bzw. bei uns der Rektor wird miteinbezogen, wenn auf dieser Ebene gemeinsam keine Lösungen gefunden werden. Ganz wichtig ist aber, dass zuerst das direkte Gespräch stattfindet. Ein entsprechendes Konzept regelt den Ablauf.

Auf der Ebene der Schulleitung, bzw. des Rektorates sind die übergeordneten, allgemeinen Informationen, sei dies an speziellen Informationsveranstaltungen oder durch Informationsbroschüren sowie die Festlegung der Mindeststandards angesiedelt. Ebenfalls liegt die Leitung der  Zusammenarbeit mit der ELG (Eltern-LehrerInnen-Gruppe) in der Verantwortung der Schulleitung.

Wie werden die Lehrpersonen zur Elternarbeit angeleitet?

Es werden Mindeststandards vorgegeben. Junglehrpersonen werden durch eine Mentorin/durch einen Mentor beraten und begleitet. Zudem gibt es Weiterbildungskurse, welche die Lehrpersonen besuchen können. Bei Bedarf werden die Lehrpersonen von der Schulleitung unterstützt und können ein Coaching in Anspruch nehmen.

Und wie werden die Eltern einbezogen?

Der Austausch Eltern – Lehrperson ist heute meistens sehr intensiv und eine Selbstverständlichkeit. Eltern werden z.B. über die jedes Schuljahr stattfindenden und obligatorischen Orientierungsgespräche über den Lern- und Entwicklungsstand ihres Kindes informiert und in wichtige Entscheidungsprozesse miteinbezogen. Zudem haben sie jederzeit die Möglichkeit den Unterricht ihres Kindes zu besuchen oder an offiziellen Schulbesuchstagen einen Einblick in den Unterricht aller Klassen und Stufen zu gewinnen. Wie bereits erwähnt gibt es viele Schul- und Informationsanlässe.

Manchmal sind Konflikte zwischen Schule und Elternhaus unumgänglich, bspw. wenn die Lehrperson eine gewünschte Zuweisung nicht machen kann. Wie gehen Sie als Rektor in Konfliktfällen vor?

An erster Stelle steht immer das Gespräch der direkt Beteiligten miteinander. Falls keine Lösung gemeinsam gefunden wird, kann die Schulleitung bzw. bei uns der Rektor für die Moderation beigezogen werden. Ein entsprechendes Konzept, welches auch den Eltern bekannt ist, regelt den Ablauf. So lassen sich meistens gute und einvernehmliche Lösungen finden. Falls nicht, fällt der Rektor schlussendlich den Entscheid. Hier stehen den Eltern wiederum entsprechende Rechtsmittel zu Verfügung.

Bei Entscheiden der Lehrperson in Bezug auf Zuweisungen, Notengebung oder Disziplinarmassnahmen gibt es im Schulgesetz sowie den entsprechenden Verordnungen und Reglementen klar geregelte Abläufe und Verfahrensweisen. So hat sich z.B. beim Übertrittsverfahren bei einer Nichteinigung das System mit der Übergabe an die kantonale Übertrittskommission und einer kantonalen Übertrittsprüfung sehr bewährt und nimmt auch Druck von den Lehrpersonen weg.

Und zum Schluss: Wenn Sie drei Grundsätze für eine gelungene Elternarbeit an die Wandtafel schreiben müssten, wie würden diese lauten?

  1. Gemeinsam lassen sich erfolgreiche Lösungen finden.
  2. Bildung und Erziehung sind Verbundaufgaben, welche nur von allen Beteiligten gemeinsam erfüllt werden können.
  3. Grundannahme: Alle wollen nur das Beste für das Kind.

 

Alois Huber ist Rektor in Neuheim, alois.huber@neuheim.zg.ch. Ihm obliegt die operative (administrativ-organisatorische, pädagogische und personelle) Führung der Schule Neuheim.

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