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Elternarbeit — Interview mit dem Präsidenten von S&E Zug

10.06.2014
Schule & Elternhaus Kanton Zug ist eine Sektion von S&E Schweiz und engagiert sich seit über vierzig Jahren für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrpersonen und Schulbehörden. Seit ...
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Schule & Elternhaus Kanton Zug ist eine Sektion von S&E Schweiz und engagiert sich seit über vierzig Jahren für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrpersonen und Schulbehörden. Seit 2008 ist René Weber Präsident der Zuger Sektion. Im Interview gibt er Auskunft zu den Beiträgen, Haltungen und Herausforderungen von S&E Zug.

Von Lukas Fürrer

Sehr geehrter Herr Weber, welches Elternhaus ist für das Kind das beste?

Das beste Elternhaus ist dasjenige, welches die Kinder durchs Leben begleitet, den Kindern einen Halt gibt und immer für sie da ist, in guten wie in schwierigeren Zeiten.

Und welche Schule?

Grundsätzlich finde ich die öffentlichen Schulen optimal für unsere Kinder. Hier haben wir gute Lehrpersonen, hier spiegelt sich unsere Gesellschaft, hier kommen die Kinder mit verschiedensten Kulturen in Kontakt. Es gibt aber sicher auch gute Gründe, ein Kind in eine Privatschule zu schicken; dies sollte aber die Ausnahme bleiben.

S&E Schweiz feiert in diesem Jahr das sechzigjährige Bestehen. Wieso entstand diese Organisation?

Der Verein wurde mit dem Ziel gegründet, die Familie zu stärken und die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus zu fördern. Man wollte auch das Elternhaus auf die ursprüngliche Bedeutung und Verantwortung in Erziehungsfragen zurückführen. Es standen Themen an wie: Schulnöte der Gegenwart, Stoffabbau. Es wurden auch viele hochkarätige Infoveranstaltungen organisiert. 

Wie hat sich S&E Schweiz in dieser Zeit entwickelt und wie S&E Zug? Gab und gibt es Verläufe, die für die Organisation charakteristisch sind?

Früher war S&E stark von politischen Persönlichkeiten geprägt. Die Themen sind im Kern aber immer dieselben geblieben. Heute ist es eine grosse Herausforderung, einen aktiven Vorstand zu motivieren, sich für eine ständig sinkende Anzahl Mitglieder aktiv zu engagieren. S&E Kanton Zug gibt es seit 41 Jahren. Im Gegensatz zu S&E Schweiz macht S&E Kanton Zug viel Basisarbeit für alle Eltern im Kanton Zug.  

Zwischen dem Kanton Zug und S&E Zug besteht eine Subventionsvereinbarung über jährlich 10'000 Franken. Wofür erhalten Sie dieses Geld und was machen Sie damit?

Dieses Geld ist in erster Linie für die Betreibung unserer Geschäftsstelle vorgesehen, damit wir unsere Hauptaufgabe, die Betreuung der  verschiedenen Eltern Lehrergruppen (ELG) und die Organisation und Administration unserer Kurse erfüllen können. Wobei dieser Betrag wesentlich weniger ist, als in den Jahren zuvor, als wir noch Gelder aus dem Lotteriefonds erhielten. Wir sind aber froh, dass wir nun eine politisch abgestützte regelmässige finanzielle Unterstützung erhalten.

Wie werden Ihre Kurse besucht? (Hier gibt's einen Überblick über die Kursinhalte)

Die Kurse werden sehr gut besucht. Aufgrund unserer grossen Erfahrung bieten wir auch nur Kurse an, welche einem Bedürfnis der Eltern und Kinder entsprechen. 

Welche Kurse werden am besten besucht?

Die Lerntechnikkurse werden am besten besucht. Diese Kurse bieten wir schon seid über fünfzehn Jahren an. Die Lerntechnikkurse sind für Kinder gedacht, welche hier eine punktuelle und doch nachhaltige Unterstützung brauchen. Ein solcher Kurs dauert in der Regel 3 x 2,5 Stunden und ist dann abgeschlossen. Es handelt sich also um ein Ergänzungsangebot zu den Schulen.

Wie viele Mitglieder zählt S&E Zug? 

Wir haben im Kanton Zug aktuell etwa 130 Mitglieder, davon sind etwa zwanzig Kollektivmitglieder. Die Mitglieder haben für uns mehr die Bedeutung von Gönnern, denn viele sind noch dabei, welche gar keine Kinder im Schulalter mehr haben. Wie schon erwähnt, kommen unsere Aktivitäten allen Eltern von schulpflichtigen Kindern zugute.

Als Eltern stellen wir immer wieder fest, dass die Kindheit viel zu schnell verfliegt. Kaum ist das erste Kind in der Schule, kommt das letzte in die Lehre, um es einmal überspitzt zu formulieren. Das heisst, dass die "Kundschaft" von S&E immer wieder wechselt. Wie gehen Sie mit dieser Fluktuation um? Wie stellen Sie sicher, dass Sie Betroffene zu Beteiligten machen können?

Da sprechen Sie ein wichtiges Thema an. Die grosse Herausforderung stellt sich vor allem bei der Besetzung des Vorstandes. Zurzeit haben wir Glück, dass die meisten im bestehenden Vorstand noch Kinder im Schulalter haben. Über den Vorstand hinaus stellt sich die Frage so nicht, da der Grossteil unserer "Kundschaft" gar nicht Mitglied ist.

Im Organigramm von S&E Zug sind auch die Eltern- und Lehrpersonengruppen (ELG) aufgeführt. Gehen diese mittlerweile neunzehn ELG auf die Initiative von S&E Zug zurück? Wie muss ich mir die Zusammenarbeit zwischen S&E Zug und den ELG vorstellen? 

Die Gründung von Eltern- und Lehrpersonengruppen war eine der ersten Aufgaben von S&E Kanton Zug. Wir unterstützen die ELG bei der Gründung und auch im täglichen Betrieb. Wir veranstalten Plenarsitzungen für alle ELG, damit der Austausch untereinander gepflegt werden kann. Zudem unterstützen wir die ELG auch bei der Durchführung von Vorträgen organisatorisch und finanziell.

Wie aktiv sind die Zuger ELG?

Die ELG sind recht unterschiedlich aktiv. Alle Aktivitäten bekommen wir natürlich gar nicht mit, da die ELG völlig autonom sind. Einige ELG organisieren aber gute Vorträge, welche wir — wie oben erwähnt — unterstützen. Auch unsere Austauschtreffen werden sehr gut besucht. 

Gibt es ein Erfolgsrezept für ELG?

Wichtig ist es, dass motivierte Eltern gemeinsam etwas erreichen wollen. Erst dann macht unsere Unterstützung einen Sinn.

Wenn Sie ein Blatt mit drei Merksätzen für eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus in einem Lehrerzimmer ans Anschlagbrett hängen dürften, wie würden diese drei Sätze lauten?

  1. Eltern respektieren das grosse Engagement der Lehrpersonen, auch wenn sie ab und zu vielleicht viele Anliegen zugunsten ihrer eigenen Kinder haben.
  2. Mit Eltern kann man reden. Sie sind verträglicher als vielfach angenommen.
  3. Nutzen Sie die Kenntnisse und Erfahrungen der Eltern für Schulanlässe. 

Welche Erfahrungen machen Sie im Umgang mit den Zuger Schulen? Finden Sie offene Ohren und Unterstützung für Ihre Anliegen?

Ich persönlich mache durchwegs positive Erfahrungen mit den Zuger Schulen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Schulen erkannt haben, dass S&E die Eltern darin unterstützt, mit einer positiven Einstellung auf die Schulen zuzugehen. Unsere Gesprächspartner begegnen uns auf Augenhöhe und nehmen unsere Anliegen ernst.

2011 haben 13 % der angeschriebenen Eltern an einer Online-Umfrage von S&E Zug teilgenommen. Diese Rücklaufquote ist zwar nicht untypisch für eine schriftliche Befragung, lässt aber leider keine repräsentativen Aussagen zu. Gleichwohl nehmen mich — bei aller gebotenen Vorsicht — die Trends dieser Umfrage wunder. Können Sie etwas dazu sagen?

Die Resultate der Umfrage sind tatsächlich nicht repräsentativ, aber wir sind auch der Ansicht, dass man eine Richtung ablesen darf. Bei der notenfreien Beurteilung zeigte sich kein eindeutiger Trend. Dies hat aber sicher auch damit zu tun, dass den Eltern im 2011 die notenfreie Beurteilung auch noch zu wenig bekannt war. Bei der integrativen Beschulung zeigte sich ein positives Bild. Positiv wurde die Erhöhung der  sozialen Kompetenz erwähnt und es wurden keine negativen Einflüsse durch leistungsschwache Schülerinnen und Schüler ausgemacht. Der Informationsaustausch Eltern-Schule, die Tagesstrukturangebote und die Schulentwicklung wurden auch eher positiv bewertet.

"Die Schulen müssen Versäumnisse der Familien ausbügeln" titelte im Februar dieses Jahres die Neue Luzerner Zeitung. In seinem Grusswort anlässlich der Delegiertenversammlung von S&E Schweiz in Zug nahm Regierungsrat Stephan Schleiss diesen Punkt auf und sagte, dass nicht jede Familienform gleich gut sei — nicht für das Kind, nicht für die Schule und nicht für die Gesellschaft. Dafür wurde er von der nachfolgenden Referentin, Lucrezia Meier Schatz, kritisiert. Ist es heute so, dass wir in Sachen "Familienversäumnisse" einfach alles akzeptieren und uns auf die organisatorischen und institutionellen Massnahmen rundherum beschränken müssen, um diese Versäumnisse auszubügeln?

Es ist natürlich schon so, dass nicht mehr in allen Familien die Kinder optimal begleiten. Dies hat vielfältige Gründe. Deshalb unterstützen wir von S&E alle Bemühungen, welche den Kindern eine verlässliche Tagesstruktur geben. Wir müssen uns einfach bewusst sein, dass nicht alle Familien die gleich guten Rahmenbedingungen haben. Wir von S&E versuchen auch, den Eltern entsprechende Unterstützung zukommen zu lassen, sei es durch die Beantwortung von Fragen oder durch ein entsprechendes Kurs- und Vortragsangebot.

Werfen wir zuletzt noch einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie S&E Zug in zwanzig Jahren? Welches sind Ihre grössten Herausforderungen oder Ziele?

Soweit möchte ich gar nicht schauen. Unsere Zeit ist so schnelllebig, dass schon eine Vorhersage für fünf Jahre schwierig ist. Ich kann aber sagen, was ich mir persönlich wünsche. Wichtig ist, dass Schule und Elternhaus regelmässig im gemeinsamen Gespräch bleiben. Wenn wir von S&E dabei die Moderation übernehmen dürfen, freut uns das. Eines unserer wichtigsten Ziele besteht auch darin, einen verantwortungsvollen und engagierten Vorstand für die Zukunft aufzubauen.

Kontakt:

Schule und Elternhaus Kanton Zug
Geschäftsstelle
Regula Weber
6300 Zug

T 041 710 75 66
schule-elternhaus.zug@bluewin.ch
http://www.schule-elternhaus.ch/zug.html

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