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Entwicklungspsychologie — Schülerberatung an der Kanti

Im Schuljahr 2014/15 zählte die Kanti Zug mehr als 1500 Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht wird von rund 200 Lehrerinnen und Lehrern erteilt. Zwei dieser Lehrpersonen, eine Lehrerin und ein ...
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Im Schuljahr 2014/15 zählte die Kanti Zug mehr als 1500 Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht wird von rund 200 Lehrerinnen und Lehrern erteilt. Zwei dieser Lehrpersonen, eine Lehrerin und ein Lehrer, bilden die Beratungsstelle für Schülerinnen und Schüler. Im Interview mit einem ehemaligen Schülerberater geht es um diese Tätigkeit.

Von Lukas Fürrer

Gianpietro Cerletti*, die Pubertät entsteht im Zwischenhirn ... kann man das so sagen?
Das kann man schon so sagen; vielleicht ist «entstehen» nicht vollumfänglich zutreffend. Der Hypothalamus im Zwischenhirn ist dafür verantwortlich, dass gewisse Hormone vermehrt produziert und ausgeschüttet werden. Diese Hormone sind zum überwiegenden Teil für die Veränderungen verantwortlich, die sich während der Pubertät einstellen.

Was sieht der Biologe noch?
Die von aussen sichtbaren Veränderungen während des Erwachsenwerdens sind dramatisch und werden in erstaunlich kurzer Zeit vollzogen. Die nicht direkt sichtbaren Veränderungen sind ebenfalls recht umfassend, nehmen aber etwas mehr Zeit in Anspruch. Beide Typen von Veränderungen sind Zeichen für die enorme und faszinierende Plastizität von Organismen.

Seit wann gibt es eigentlich die Schülerinnen- und Schülerberatung an der Kanti Zug? Wie ist sie aufgebaut und ausgestattet?
Wie lange es die Schülerinnen- und Schülerberatung bei uns an der Schule gibt, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Was ich weiss, ist, dass die Schülerberatung seit mindestens vier Jahrzehnten, seit die Kantonsschule Zug hier an der Luegeten ist, existiert. Anfänglich gab es nur einen Schülerberater. Seit vielen Jahren aber sind es eine Schülerberaterin und ein Schülerberater. So können die Schülerinnen und Schüler auswählen, ob sie von einem Lehrer oder einer Lehrerin beraten werden wollen.

Den beiden Lehrpersonen, die die Aufgabe der Schülerinnen- und Schülerberatung wahrnehmen, steht ein Beratungszimmer zur Verfügung. Sie sind mit fünf Wochenlektionen entlastet. Die Berater haben ausserdem die Möglichkeit, sich regelmässig fachspezifisch weiterzubilden. Die Dauer für das Amt der Schülerberaterin und des Schülerberaters ist auf 12 Jahre beschränkt. Organisatorisch ist die Schülerinnen- und Schülerberatung direkt der Schulkommission unterstellt.

Welche Beratungsgegenstände sind erfahrungsgemäss am häufigsten?
Sehr oft / am häufigsten geht es darum, dem Problem ungenügender oder nur knapp genügender schulischer Leistungen zu begegnen. Dieses Problem wird meistens nach etwa ein bis zwei Jahren an der Kantonsschule manifest. Die Schülerinnen und Schüler hatten während ihrer Primarschulzeit in der Regel keine oder kaum Mühe, gute und hervorragende Leistungen zu erbringen. Sie konnten praktisch frei über die Zeit ausserhalb des Schulzimmers verfügen. Sie füllten diese Zeit mit Sport, Nichtstun, Zeit mit Kolleginnen und Kollegen verbringen, Musikunterricht ...
Im Verlaufe der ersten Monate und Jahre an der Kantonsschule ändern sich einige der Voraussetzungen fast grundlegend. Einerseits werden die Ansprüche an die schulische Leitungsfähigkeit höher, zahlreicher und vielfältiger, andererseits wird im Zusammenhang mit der Pubertät auch die Freizeitgestaltung komplexer und werden die Prioritäten klar anders gesetzt. Es kann beispielsweise mindestens so wichtig sein, was die Kolleginnen von der eigenen äusseren Erscheinung halten, wie bei einer Prüfung eine genügende Note zu erreichen.
Nicht selten sind nicht zufriedenstellende schulische Leistungen auch eines von mehreren Anzeichen für komplexere Probleme oder Schwierigkeiten ausserhalb der Schule. Diese können so «indirekt» in die Schülerinnen- und Schülerberatung gelangen.

Du warst viele Jahre Schülerberater. Haben sich die Beratungsgegenstände in dieser Zeit verändert? Oder haben sich die Schülerinnen und Schüler in dieser Zeit verändert?
Die Schülerinnen und Schüler haben sich kaum, sicher nicht grundlegend verändert. Die Beratungsgegenstände allerdings schon. Auch wenn es nicht allzu häufig vorkommt, dass Schülerinnen oder Schüler deswegen die Schülerberatung aufsuchten, ist es doch ein vergleichsweise junges Phänomen, dass Schüler unter den Möglichkeiten sozialer Medien leiden. Social Media eröffnen neue Möglichkeiten der sozialen Interaktion; mit entsprechend vielfältigen Möglichkeiten und auch unerwünschten Nebenwirkungen. Information wird viel schneller und breiter gestreut. Dies ist nicht grundsätzlich schlecht oder unerwünscht, ist vor allem den Schülerinnen und Schülern aber oft nicht bewusst und kann im Einzelfall verheerende Auswirkungen haben.
Schüler und Schülerinnen können suchtartiges Verhalten entwickeln und deshalb die Schule vernachlässigen und/oder Schüler und Schülerinnen nutzen die Möglichkeiten der sozialen Medien, um andere Schüler zu plagen.

Was sich ebenfalls spürbar verändert hat, ist die Art sowie Häufigkeit der Einflussnahme durch Eltern. In den letzten Jahren kam es deutlich öfter vor, dass Eltern einen Besuch bei der Schülerberatung zumindest unterstützt haben.

Kann man etwas zur Häufigkeit sagen, wie oder von wem die Beratungsstelle genutzt wird?
Typischerweise sind es Schülerinnen und Schüler der zweiten Klasse, welche  eine Reihe von wenig zufriedenstellenden Noten erhalten haben.
Nicht selten kommen auch Schülerinnen und Schüler in die Beratung, wenn sie Probleme haben, die im weiteren Sinne im Zusammenhang mit der Pubertät stehen. Probleme im Elternhaus, mit dem Sporttrainer, mit Kolleginnen, mit dem Essverhalten, etc.
Auch wenn Schülerinnen und Schüler des Untergymnasiums die Mehrheit der Beratungssuchenden ausmachen, machen Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen der Kanti vom Angebot der Beratung Gebrauch.

Es ist ein Merkmal der Schülerinnen- und Schülerberatung an der Kanti, dass ihr keine medizinisch-therapeutischen Kompetenzen übertragen sind. Warum ist das so?
Für viele Schülerinnen und Schüler hat es sehr viele Vorteile, wenn die Schülerberater auch und vor allem Lehrpersonen sind. Diese kennen den schulischen Alltag wesentlich besser und aus eigener Erfahrung als beispielsweise eine Psychotherapeutin. Die Schülerberatung ist somit eine sehr niederschwellige Ergänzung zu Angeboten mit medizinisch-therapeutischen Kompetenzen. Die Schülerberatung ist auch sehr gut mit den therapeutischen Angeboten im Kanton Zug vernetzt und kann die Schülerinnen und Schüler entsprechend weiterweisen.

Die Beratungsstelle vermittelt auch bei Konflikten zwischen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrpersonen. Welche Faktoren sind in deinen Augen entscheidend für ein erfolgreiches Vermittlungsergebnis?
Man kennt sowohl die Sorgen und Nöte des Alltags von Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen und mit Schülerinnen und Schülern im Speziellen, man weiss aber auch um die Probleme und Schwierigkeiten, die Schülerinnen und Schülern mit Lehrpersonen haben können. Es ist meiner Meinung nach zentral, dass die Schülerberaterin und der Schülerberater selber auch Lehrpersonen sind.
Ausserdem ist es selbstverständlich, dass Aussenstehende höchstens einen Konflikt und Vermittlungsbemühungen wahrnehmen, ausser den direkt Beteiligten aber niemand weiss, worum es inhaltlich geht. Da die Schülerinnen- und Schülerberatung direkt der Schulkommission unterstellt ist, sind die direkten Vorgesetzten der Lehrpersonen ebenfalls Aussenstehende, also nicht involviert.

Wenden sich auch Lehrpersonen an die Beratungsstelle?
Zwar äusserst selten, aber es kommt vor. Es sind ausschliesslich Fälle, bei denen Lehrpersonen Schwierigkeiten mit einzelnen oder mehreren Schülerinnen oder Schülern haben.

Die Schülerinnen und Schüler verbringen einen Grossteil ihrer Jugend an der Kanti. Was sind aus Sicht des Schülerberaters Merkmale einer 'jugendgerechten' Schule?
Eine recht anspruchsvolle Frage. Ich bezweifle, dass ich alle Merkmale einer «jugendgerechten» Schule benennen kann. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass die Kanti Zug aus mehreren Gründen sehr wohl und ausgeprägt jugendgerecht ist. Die grosse Anzahl Schülerinnen und Schüler erlaubt es praktisch all unseren Schülern und Schülerinnen, sich aus einer enormen Vielfalt an Möglichkeiten einen Kollegenkreis, die beste Freundin, einen Trainingspartner, jemanden, der auch Theater spielt, sich ebenfalls auf die Übertrittsprüfung in der Musikschule vorbereitet ... zu finden und auszuwählen. Diese Auswahl kann während der langen Mittelschulzeit immer wieder neu zusammengesetzt werden.

Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich zurückzuziehen; sie werden verantwortungsvoll beaufsichtig, können und sollen aber nicht lückenlos kontrolliert werden. Weder von den Lehrpersonen, noch von den Eltern oder Erziehungsberechtigten. Dies gibt den Schülern die Möglichkeit, für ihr Tun ausserhalb des Schulzimmers Verantwortung zu übernehmen.

Der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin ist eine wichtige Ansprechperson für Wünsche und Probleme verschiedenster Art. Schülerinnen und Schüler im Untergymnasium haben ihr eigenes Klassenzimmer.

Es gibt zahlreiche wertvolle Angebote ausserhalb des Regelunterrichts: Klassenwochen, Sportlager, Arbeitswochen, Freifächer, Musikkojen, das Info-Z; um nur einige zu nennen. Die Schüler haben eine enorme Vielfalt an Möglichkeiten, ihre altersabhängig variierenden Bedürfnisse abzudecken. Auch in der Zeit ausserhalb des Stundenplans.

Die Kanti Zug ist auch grundsätzlich sehr flexibel, wenn es darum geht, gesundheits- oder eben unfall- und krankheitsbedingt vorübergehend spezielle Bedürfnisse zu befriedigen. Oft sind diese speziellen Bedürfnisse von überschaubarer Dauer, und der Wiedereinstieg in den normalen Schulalltag gelingt den Schülerinnen und Schülern viel besser, wenn sie so gut als möglich im schulischen Alltag integriert bleiben.

 

*Gianpietro Cerletti ist promovierter Naturwissenschaftler und unterrichtet an der Kantonsschule Zug. Während vielen Jahren war er für den schuleigenen Beratungsdienst als Schülerberater tätig. Die Schülerberaterin und der Schülerberater sind u. a. Anlaufstelle bei Schulschwierigkeiten und vermitteln bei Konflikten zwischen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrpersonen und Eltern. Aktuell wird die Schülerberatung an der Kantonsschule Zug von Monika Etter Röthlin, Lehrerin für Deutsch, Linguistisches Portal und Spanisch, sowie von Christian Mazenauer, Lehrer für Deutsch, Medienunterricht und Philosophie, wahrgenommen.

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