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Hausaufgaben – Augenmass ist Trumpf

04.05.2015
Sabine Windlin* hat für www.schulinfozug.ch fünf Eltern zu den eigenen Erfahrungen mit Hausaufgaben befragt. An dieser Stelle folgen die Beiträge drei, vier und fünf. Wie vertragen sich die ...
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Sabine Windlin* hat für www.schulinfozug.ch fünf Eltern zu den eigenen Erfahrungen mit Hausaufgaben befragt. An dieser Stelle folgen die Beiträge drei, vier und fünf. Wie vertragen sich die Erfahrungen der Eltern mit den Zuger Vorgaben in Sachen Hausaufgaben (siehe Beitrag von Markus Kunz)? Was macht das Kind, dessen Eltern nicht helfen können oder wollen? Was machen die Eltern, deren Kinder sich nicht helfen lassen? Für Lehrerinnen und Lehrer gilt: Wer die Regeln kennt und Augenmass beweist, liegt beim Thema Husi richtig. Allen Eltern, die sich an dieser Stelle geäussert haben, sei herzlich gedankt!


Irene Hubatka, Hünenberg See (zwei Töchter, zwei Söhne: 2. Sek, 6. Klasse, 3. Klasse, Spielgruppe)

Manchmal fühle ich mich wie eine private Nachhilfelehrerin, erkläre da und dort, kontrolliere, korrigiere, frage ab, helfe auf die Sprünge. Bei uns gibt es Wochenhausaufgaben. Am Montag wird der Wochenplan verteilt, der bis Freitag erledigt und – falls fehlerhaft – korrigiert sein muss. Das System an sich ist gut, doch manche Kinder sind damit überfordert, weil sie schlicht noch zu wenig reif sind, sich entsprechend einzuteilen. Da helfe ich als Mutter mit, setze mich hin und schaue, in welchen Etappen die «Husi» erledigt werden können, damit es keinen Stress gibt. Hin und wieder frage ich mich, ob die Schule in Sachen Selbständigkeit nicht zu viel von den Kindern erwartet. Das viel propagierte «Selbstorganisierte Lernen» jedenfalls kann in der Primarschule nicht funktionieren. In der Sek sieht es anders aus, da verfügen die Schüler über die nötige Reife. Es gab eine Zeit, da hatte eines meiner Kinder Berge von Hausaufgaben. Weil andere Schüler und Eltern ebenfalls der Ansicht waren, dass es zu viel war, haben wir bei der Schule interviert und suchten das Gespräch. Es kann ja nicht sein, dass der ganze Mittwochnachmittag und das Wochenende fürs Büffeln draufgeht. Irgendwann sind auch mal Erholung und Freiraum angesagt. In bester Erinnerung ist mir, wie mein Sohn in der dritten Klasse eine «Forschungsarbeit» über einen bestimmtes Flugzeug machen sollte. Er verlor sich bei den Recherchen im Internet, war heillos überfordert und ich als Mutter, die ihn unterstützen wollte, machte fast den Handstand. Heute kann ich darüber lachen.


Julia Müller, Cham (eine Tochter, zwei Söhne: 5. Klasse, 3. Klasse, 1. Klasse)

Kein Kind macht gerne Hausaufgaben, auch meine nicht. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Um den Kindern das Lernen zu erleichtern, stellte ich von Anfang eine Regel auf: Jedes Kind macht seine Hausaufgaben bei sich am Schreibtisch im eigenen Zimmer. Das hat sich bewährt. Hin und wieder möchten die Kinder dennoch, dass ich mich zu ihnen setze und präsent bin, mich dafür interessiere, welche Themen sie gerade behandeln. Die Sache mit den Husi ist wohl primär eine Frage der Konzentration. Kann sich ein Kind konzentrieren, sind auch die Aufgaben schnell erledigt. Wenn nicht, brütet es stundenlang über den Büchern und kommt nicht vom Fleck. Das heisst aber nicht, dass es dann wirklich die ganze Zeit gelernt hat; vielleicht war es mit den Gedanken ganz woanders. Die Lehrerin von meinem älteren Sohn schenkt jedem Kind zum Geburtstag einen Husi-Gutschein, also einen husifreien Tag – eine sympathische Idee. Grundsätzlich finde ich es gut, dass Schüler Hausaufgaben erhalten, aber mit Mass. Denn nur so haben sie die Möglichkeit, unabhängig von der Schule in aller Ruhe zu Hause zu reflektieren, ob sie den Stoff wirklich begriffen haben. Husi können ja auch Spass machen. Als in der 5. Klasse meines Ältesten im Fach M & U das Thema «Menschen mit Behinderung» behandelt wurde, mussten die Schüler als Hausaufgabe eine ältere Person darüber interviewen, wie man in früheren Zeiten mit Behinderten umging. Mein Sohn führte mit seinem Grossvater ein wunderbares Gespräch, fasste dieses in einem Bericht zusammen und ich bin sicher, dass er das Gelernte nicht so schnell vergessen wird.


Francisco Müller, Walchwil (ein Sohn, eine Tochter: 1. Kanti, 1. Sek)

Ich gehöre wohl eindeutig zu den engagierteren Vätern, auch was die Schule angeht, und bin auf dem Laufenden, wo die Kinder mit dem Schulstoff stehen. Wenn es ein Problem gibt, können sie mich rufen und ich nehme mir Zeit. Gefragt bin ich vor allem, wenn es um Grammatik und Algebra geht. Bis jetzt kann ich noch helfen und frische durch die Unterstützung selber meine Französischkenntnisse auf. Aber das Niveau wird immer anspruchsvoller und wer weiss, ob ich in zwei, drei Jahren noch den Durchblick habe. Die Primarschulzeit haben meine Kinder in der Tagesschule verbracht. Hausaufgaben gab es keine. Empfohlen wurde jedoch, zu Hause «Voci» zu lernen und regelmässig zu Lesen. Schulisch lief es den Kindern gut, aber als mein Sohn an die Kanti wechselte und ich sein erstes Semesterzeugnis sah, fiel ich aus allen Wolken. Ich nenne keine Noten, aber es war ein Desaster. Daraufhin lernte ich mit ihm intensiv, drei bis fünf Stunden pro Woche, und es ging wieder aufwärts. Möglich war dies, weil ich beruflich zu diesem Zeitpunkt weniger eingespannt war und meine Tochter mich aufgrund der Tagesschul-Strukturen kaum beanspruchte. Inzwischen arbeitet er selbständig, dafür wiederholt sich die Geschichte mit der Tochter, die nun am Loreto ist. Ich muss gestehen: Ich bin nicht der Geduldigste, und je nach Tagesform stresst es mich, wenn ich zum wiederholten Male erklären soll, dass der Satzanfang gross geschrieben wird. Auch schon bin ich in solchen Situationen einfach aus dem Zimmer gelaufen, um mich nicht allzu stark zu enervieren und eine Eskalation zu vermeiden.

*Sabine Windlin ist Journalistin und Mutter von zwei Kindern (14 und 12) und lebt in Zug. Sie hat gelernt, bei Hausaufgaben nur in absoluten Ausnahmefällen zu helfen und damit beste Erfahrungen gemacht, , www.sabinewindlin.ch.

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