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Hausaufgaben – Selbständig oder gar nicht

10.06.2015
Die Hausaufgabenforschung stellt Erkenntnisse zur Verfügung, welche Lehrerinnen und Lehrer praktisch anwenden können. Eine solche Handhabung der Hausaufgaben ist für alle Beteiligten ein Gewinn und ...
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Die Hausaufgabenforschung stellt Erkenntnisse zur Verfügung, welche Lehrerinnen und Lehrer praktisch anwenden können. Eine solche Handhabung der Hausaufgaben ist für alle Beteiligten ein Gewinn und eine Entlastung.

Von Lukas Fürrer*

Mit Blick auf einige Ergebnisse der Hausaufgabenforschung lassen sich vorab drei Aussagen machen. Erstens ist der Gegenstand in seiner Untersuchung nicht einfach, gerade wenn beispielsweise die Auswirkungen von Hausaufgaben auf die Schulleistung nachgewiesen werden sollen. Die Hausaufgabenforschung kommt aber durchaus zu konsistenten Befunden. Zweitens lassen sich einige Erkenntnisse aus der Forschung ziehen, welche jede Lehrperson praktisch in ihren Unterricht integrieren kann. Drittens sind Hausaufgaben ein emotionales Thema. Der Gegenstand eignet sich deshalb nicht für Revolutionen (Abschaffung), sondern für Evolutionen — ganz im Sinne der hier diskutierten Ergebnisse.


Oberstufe: Positive Wirkung
In einer Studie von Ulrich Trautwein et al. von 2001 zum Thema «Hausaufgaben und die Entwicklung von Leistung und Interesse im Mathematik-Unterricht der 7. Jahrgangsstufe» kommen die Autoren zum Schluss, dass regelmässige Hausaufgaben einen förderlichen Einfluss, lange Hausaufgaben allerdings einen gegenteiligen Effekt hätten. Dass lange Hausaufgaben zu einer beobachtbaren Reduktion der Leistungsunterschiede innerhalb einer Klasse führen würden, sei zwar ersichtlich, doch sei dies dem Umstand geschuldet, dass eine Leistungshomogenisierung mehrheitlich zu Lasten der starken Schüler ginge, die von langen Hausaufgaben nicht profitierten. Sprich: Lange Hausaufgaben führten zu einer Nivellierung nach unten. Und eine weitere Erkenntnis: Würden die Eltern oder andere Familienangehörige die Hausaufgaben beaufsichtigen, hätte dies ebenfalls einen nachteiligen Effekt auf den Lernfortschritt.

Insgesamt belegt die Studie die positiven Wirkungen von häufigen Hausaufgaben und die negativen Wirkungen von umfangreichen Hausaufgaben. Das Ergebnis, so die Autoren, dass umfangreichere Hausaufgaben in den untersuchten Klassen mit weniger Lernfortschritt einhergingen, sei als Aufruf zu verstehen, die Art und Qualität von Hausaufgaben sowie die verfolgten Ziele genauer zu untersuchen. Und weiter: Wiederholt sei in diesem Kontext auch darauf hingewiesen worden, dass die beobachtbare Planung und Gestaltung der Hausaufgaben durch die Lehrpersonen wiederum eine Folge von Defiziten bei der Lehrerausbildung sein könnte.

Aufgrund dieser Studie, im Bericht dazu werden zahlreiche weitere Studienergebnisse zum Thema diskutiert, lassen sich vier praktische Schlüsse ziehen:

  • Regelmässige Hausaufgaben sind richtig.
  • Umfangreiche Hausaufgaben sind falsch.
  • Hausaufgaben, welche nicht selbständig gelöst werden können, sind falsch.
  • Die korrekte Handhabung der Hausaufgaben muss Gegenstand der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern sein.



Primarschule: Wirkung beinahe null

In einem Interview mit BBC Radio 4 äusserte sich John Hattie zum Thema Hausaufgaben. Die Wirkung von Hausaufgaben in der Primarschule sei, so Hattie, beinahe null, auf der Sekundarstufe grösser. Es könne aufgrund dieser Erkenntnis aber nicht darum gehen, die Hausaufgaben in der Primarschule abzuschaffen. Viele Eltern würden die Qualität einer Schule nach wie vor mit dem Vorhandensein von Hausaufgaben verbinden. Aber es lohne sich, gerade im Bereich der Primarschule, die Frage nach der Wirkung von Hausaufgaben zu stellen. Hattie empfiehlt, die Null-Wirkung als Anlass für eine Verbesserung der Situation und nicht für die Abschaffung zu nehmen. Er sei aber klar der Ansicht, dass wir es mit den Hausaufgaben übertreiben würden. Fünf bis zehn Minuten hätten die gleiche Wirkung wie eine oder zwei Stunden. Die schlechteste Lösung aus Sicht Hattie's: Den Kindern Projekte als Hausaufgaben geben. Die beste Lösung: Die Hausaufgaben sollen bei der Vertiefung von etwas bereits Gelerntem helfen.


Lieber oft als viel
Die Erkenntnisse von Trautwein et al. widersprechen den Erkenntnissen der Metastudie (Untersuchung zahlreicher Studien) von Hattie nicht. Richtig umgesetzt, beeinflussen Hausaufgaben die Schulleistungen auf der Oberstufe positiv. Beim Umfang ist allerdings auch auf der Oberstufe Zurückhaltung angezeigt. Trautwein et al. liefern dazu eine einprägsame Hausaufgabenformel: Lieber oft als viel. Müssen Eltern bei den Hausaufgaben helfen, verpufft der positive Effekt.

In der Primarschule ist Zurückhaltung bei der Hausaufgabenmenge Pflicht. Eine Abschaffung der Hausaufgaben auf dieser Stufe würde sich nicht negativ auf die Schulleistungen auswirken. Allerdings: Wenn Hausaufgaben auf der Oberstufe einen positiven Effekt haben, dann macht es durchaus Sinn, das selbständige Vertiefen zu Hause schon in der Primarschule einzuüben. Bei der Hausaufgabenmenge dürfen und sollen sich Primarlehrpersonen allerdings getrost zurückhalten. Das Einüben der selbständigen Tätigkeit muss das Ziel sein, nicht eine grosse Verarbeitungsmenge.
Für alle Lehrpersonen gilt: Die Schülerinnen und Schüler müssen die Hausaufgaben zwingend selbständig lösen können.

Quellen:
Trautwein, Ulrich / Köller, Olaf / Baumert, Jürgen (2001): Lieber oft als viel: Hausaufgaben und die Entwicklung von Leistung und Interesse im Mathematik-Unterricht der 7. Jahrgangsstufe. In: Zeitschrift für Pädagogik, 47, 5, S. 703-724. Online abgerufen am 24.03.2015.

John Hattie auf BBC Radio 4. Online abgerufen am 24.3.2015.

* Lukas Fürrer ist Generalsekretär der Direktion für Bildung und Kultur, .

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