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Mathe — Gespräch mit André Stäger, Teil III

13.06.2016
Im dritten und letzten Teil des Gesprächs mit André Stäger geht es um die Zukunft und Stellung des Fachs. Welche Ziele erreicht werden, darüber entscheidet auch in der Mathematik das Dreieck ...
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Im dritten und letzten Teil des Gesprächs mit André Stäger geht es um die Zukunft und Stellung des Fachs. Welche Ziele erreicht werden, darüber entscheidet auch in der Mathematik das Dreieck Lehrer-Ziele-Zeit. Dabei lohnen sich Investitionen in die Mathematik mit Blick auf den Fachkräftemangel im MINT-Bereich ganz besonders. Eingefügt finden sich zwei weitere Porträts von Zuger Mathelehrpersonen.

Von Lukas Fürrer

Mit welchen Fragen beschäftigen sich die Fachleute, wenn es um die Zukunft des Mathematikunterrichts geht?
Mehr als 10 Jahre nach deren Einführung, geben die modernen Taschenrechner mit Computer-Algebra-Systemen (CAS) bisweilen immer noch zu Diskussionen Anlass. Wie gewandt müssen die Schülerinnen und Schüler mit diesen umgehen können und welche Termumformungen und Gleichungen müssen sie ohne diese Hilfsmittel lösen können?

Im Moment beschäftigt uns aber viel mehr die Diskussion um die basalen Kompetenzen. Es ist keineswegs einfach, in Zusammenarbeit mit den Hochschulen einen Katalog von mathematischen Grundkenntnissen aufzustellen, den Studentinnen und Studenten mindestens beherrschen sollten, wenn sie ein Studium beginnen.

Wie beurteilen Sie die Debatte über diese basalen Kompetenzen in Mathematik?
Mit einigen kleinen Lehrplanänderungen ist es keineswegs getan. Ich bin überzeugt, dass unsere aktuellen Lehrpläne alle diese basalen Kompetenzen schon abdecken. Eine Verbesserung dieser Kompetenzen kann nur durch weitere Massnahmen erreicht werden. Man muss über Änderungen der Stundendotationen, andere Unterrichtsformen, z. B. grössere Individualisierung an den Gymnasien mit sowohl Stütz- als auch Förderunterricht bis zur Matura und auch andere Promotionsordnungen und Prüfungsreglemente diskutieren.

Eine frühe Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für die Wichtigkeit der Mathematik in allen Studienrichtungen, wo heute die meisten ungenügenden Mathematikkenntnisse der Studierenden festgestellt werden, sollte angestrebt werden. Hier könnten die Hochschulen entscheidend mithelfen. Ich denke da auch an die pädagogischen Hochschulen, wo die Primarlehrkräfte ausgebildet werden.



Judith Speerli
Oberägeri
Mathematiklehrerin seit 1995
Liebstes Gebiet: 
Muster und Zusammenhänge erkennen und sichtbar machen
Faszination: Mathematik ist überall im Alltag vorhanden, Verbindung schaffen zwischen Alltag und Mathematik.


Stichwort Fachkräftemangel: Nicht alle Fächer sind davon gleich betroffen, die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) allerdings ganz besonders. Eine Untersuchung des Bundes von 2010, dass insbesondere der Mathematik in diesem Zusammenhang eine selektierende Funktion zufällt. Wer im Alter von 15 Jahren Mathe mag und in Mathe gut ist, entscheidet sich später eher für ein MINT-Studium. Diese Beobachtung betreffend Studienfachentscheid trifft sowohl für die exakten Wissenschaften als auch für die mehr praktischen Ingenieurswissenschaften zu. Interessant ist dabei, dass nicht die Leistungsfähigkeit in den Naturwissenschaften entscheidend ist, sondern diejenige in der Mathematik. Machen wir vor diesem Hintergrund genug für das "M" in MINT? Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 oder auch am Gymnasium?
Das oberste Ziel muss sein, die Anzahl der Schülerinnen und Schüler deutlich zu erhöhen, die im Alter von 15 Jahren gut in Mathe ist und Freude daran hat. Meine grösste Sorge im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 ist, dass ein weiterer „Abbau" im Fach Mathematik, sowohl im Stoffumfang, wie auch in den Lektionsdotationen stattfindet. Abbau hat auf beiden Ebenen und über alle Schulstufen schleichend über mehrere Jahrzehnte stattgefunden. Beispielsweise mussten durch die Einführung der Fremdsprachen in der Primarschule die notwendigen Lektionen irgendwo hergenommen werden. Andere Fächer und Stoffinhalte, die zu einer modernen Schule gehören, kamen auch dazu.

Mit dem Fokus auf die Grundkompetenzen, die übrigens im Mai und Juni dieses Jahres bei 24'000 Schülerinnnen und Schülern in der Schweiz überprüft werden, findet im Moment eine gewisse Umkehr im Denken statt. Alle Zuger Lernenden des 9. Schuljahres werden in Mathematik getestet. Das Ziel ist die Überprüfung der nationalen Bildungsziele, wobei die Ergebnisse der verschiedenen Kantone verglichen werden, um allfällige Rückschlüsse auf die Stärken und Schwächen der kantonalen Schulsysteme zu ziehen.

Wagen Sie eine Prognose zum Abschneiden des Kantons Zug?
Tatsächlich finde ich es gewagt, eine Prognose abzugeben. Aus meiner Sicht vermute ich, dass die Zürcher und vielleicht auch die Aargauer besser als die Zentralschweizer abschneiden werden. Ich glaube, dass dort die Mathematik an den Primarschulen mehr forciert wird als bei uns. Innerhalb der Zentralschweiz erwarte ich uns im vorderen Mittelfeld. Einen Vergleich mitweiteren Kantonen wage ich nicht – umso mehr bin ich auf die Ergebnisse gespannt.

 

Timo Gültig
Mathematiklehrer seit 2008
Kanti Menzingen
Liebstes Gebiet: 
Vektorgeometrie
Faszination der Mathematik
: Präzision

 
Wir haben uns vor allem in Teil I des Gesprächs intensiv über die Schwierigkeiten unterhalten, welche die Mathematik bereiten kann. Schauen wir es im Rahmen der letzten Frage noch von der anderen Seite an: Wann hat Sie ein Schüler das letzte Mal mathematisch verblüfft?
Positive Überraschungen passieren eigentlich recht oft im Unterricht und sind immer eine gute Gelegenheit, einer Schülerin oder einem Schüler ein Sonderlob auszustellen. Die Besten können ebenso überraschen, wie auch diejenigen, die recht oft mit ihren Schwierigkeiten in Mathematik kämpfen. Es ist wichtig, diese grösseren und kleineren Perlen von Schülerbeiträgen im Unterricht zu erkennen, gebührend zu würdigen und daraus die eine oder andere spannende Diskussion entstehen zu lassen. Fast immer ergeben sich daraus wichtige Ergebnisse in Form von neuen Erkenntnissen oder Aufklärungen von Missverständnissen.

Hier geht's zu den Gesprächen I und II: Gespräch I, Gespräch II

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