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Schule und Führung — Starke Führung, ja gerne!

23.02.2017
Starke Führung braucht auch starke Persönlichkeiten. Im Kern ist aber die Führung darum stark, weil Strukturen und Prozesse Kooperationen ermöglichen und fördern. Von Martin Riesen* Die Welt ...
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Starke Führung braucht auch starke Persönlichkeiten. Im Kern ist aber die Führung darum stark, weil Strukturen und Prozesse Kooperationen ermöglichen und fördern.

Von Martin Riesen*

Die Welt scheint aus den Fugen zu sein. Das Durcheinander ist gross. Globalisierung, Digitalisierung oder Individualisierung werden dafür verantwortlich gemacht. Von Komplexitäts- und Beschleunigungsfallen ist die Rede. Die aktuelle ‚Weltsituation' wird individuell unterschiedlich erlebt: Die einen sehen in der Dynamik der Veränderungen attraktive Entwicklungschancen. Andere befürchten, den Anschluss zu verlieren. Einige haben diesen bereits verloren; sie fühlen sich ausgeschlossen und ohnmächtig. Wer mit starken Verlustängsten und Gefühlen der Ohnmacht unterwegs ist, erlebt sein Dasein als Krise. Sie wird von den Betroffenen als unlösbar wahrgenommen. Wo das Gefühl des Ausgeliefertseins dominant ist, wächst die Sehnsucht nach starker Führung, nach ‚Erlösung' aus der Ausweglosigkeit durch eine starke Hand.



Charismatische Führung: Eher nein ...
In Krisenzeiten hat eine mit Charisma ausgestatte Führung gute Chancen, Gefolgschaft zu finden. Der Begriff Charisma setzt sich aus den griechischen Silben ‚charis' (Gnade) und ‚-ma' (Gabe, Geschenk) zusammen. Der begnadeten Führung werden herausragende Qualitäten zugeschrieben. Sie ist (all-) wissend, vertritt ihre Mission enthusiastisch. Ihre Überzeugtheit, Leidenschaft und Beharrlichkeit zeichnet sie aus. Als Persönlichkeit mit Ausstrahlung gelingt es ihr, Mehrheiten zu finden. Gegen diese Art von Charisma gibt es wenig einzuwenden. Der Grat, auf dem sich Personen bewegen, denen Charisma zugeschrieben wird, ist schmal.

Leicht können die starken Eigenschaften der charismatischen Führungsperson ins Fanatische, Rücksichtslose und Dogmatische kippen. Das totale Engagement und die zweifelsfreie Überzeugung können ins Totalitäre führen. Humor und Selbstironie haben hier keinen Platz mehr; die dafür erforderliche Distanznahme fehlt.

Charismatische Führung kann aber keineswegs allein durch herausragende Merkmale der ‚begnadeten' Person erklärt werden. Die charismatische Führung ist auf die Geführten unendlich angewiesen. Ohne Gefolgschaft und Verehrung des vermeintlichen Erlösers, der vermeintlichen Erlöserin, ohne Zustimmung und Applaus gäbe es keine charismatische Führung. Führung konstituiert sich – immer – als eine Beziehung zwischen Führungskräften und geführten Personen. So gesehen ist auch das Verhältnis zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen ein Relatives.

Eine Führung mit Charisma, so gross die Sehnsucht danach in Krisenzeiten ist, ist ein riskantes Führungskonzept: Der Erfolg ist ausgesprochen personabhängig, dadurch labil und zeitlich begrenzt. Charismatische Führung begünstigt tendenziell die Entmündigung der Geführten, wenn diese ihre Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden, zugunsten der Zugehörigkeit und emotionalen Nähe zur charismatischen Führung aufgeben. Charismatische Führung wirkt einer integrativen Gesellschaft eher entgegen, weil es diejenigen gibt, die richtig ticken und dazu gehören und die anderen, welche die Geisteshaltung der Führung nicht teilen.



... starke Führung, ja gerne!

Die Gesellschaft und ihre Institutionen (z. B. Schulen) benötigen eine starke Führung mit begeisterungsfähigen Persönlichkeiten, die engagiert, entschlossen und zielorientiert führen. Ihr Engagement soll sich vorrangig auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen allen von einer Aufgabe Betroffenen und Beteiligten beziehen. Ihrer Entschlossenheit geht ein Prozess der Meinungsbildung voraus, dies unter Einbezug verschiedenster Sichtweisen. Im Dialog durch das bessere Argument überzeugen steht im ersten Rang. Der Zweifel wird als Schwestertugend der Entschlossenheit verstanden: Weil Entscheidungen mehrfach hinterfragt und kritisch auf ihre Auswirkungen hin überprüft worden sind, können getroffene Entscheidungen schliesslich entschlossen und zielsicher umgesetzt werden. Humor und Selbstironie ermöglichen Distanznahme und Relativierung. Schliesslich sind auch Führungspersonen, die auf den Dialog zwischen unterschiedlichen Interessengruppen setzen, auf Gefolgschaft angewiesen. Die Gefolgschaft ergibt sich aber nicht durch Heilversprechungen, sondern durch die Vertrauenswürdigkeit der Führungsperson.

Vertrauen – Kern einer starken Führung
Für die wahrgenommene Vertrauenswürdigkeit einer Person sind nach Mayer u.a. (1995) folgende Komponenten bedeutsam:

  • Kompetenz: Der Hausarzt, dem man vertraut, weil er fachlich kompetent wirkt, ist ein Beispiel für Kompetenz als Komponente des Vertrauens. Es geht also um Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die zur Ausübung einer spezifischen Führungsaufgabe erforderlich sind.
  • Wohlwollen: Die Führungsperson ist am Wohlergehen und der persönlichen Entwicklung aller Personen uneigennützig interessiert. Sie nimmt die individuellen Bedürfnisse und Interessen wahr. Kritik äussert sie im Interesse von Person und Sache. Beschämungen in Anwesenheit anderer Personen kommen beabsichtigt nicht vor.
  • Integrität einer Person: Die Führungsperson setzt sich für das Faktische ein. Sie bemüht sich um Fairness. Loyalität ist ihr wichtig. Gibt es Loyalitätskonflikte, dann macht sie diese transparent. Sie ist authentisch in dem Sinn, dass Worte und Taten übereinstimmen. Sie lebt ihre Werte und die Werte der Organisation unangestrengt und damit glaubwürdig vor. Vertrauen basiert letztlich auf Wechselseitigkeit; es erfordert die Bereitschaft, einander vertrauen zu wollen.



«Was alle angeht, können nur alle lösen.»
Dieses Zitat von Friederich Dürrenmatt bringt auf den Punkt, worum es bei einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Führung gehen muss: Um die Nutzung und Stärkung der Ressourcen aller, um in vertrauensvoller Zusammenarbeit gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Nachhaltig sind solche Lösungen deshalb, weil diese gemeinsam erarbeitet worden sind. Starke Führung braucht zwar auch starke, in einem nicht pervertierten Sinn charismatische Persönlichkeiten, im Kern ist aber die Führung darum stark, weil Strukturen und Prozesse Kooperationen ermöglichen und fördern, die unabdingbar sind, wenn es darum gehen soll, die Zukunft gemeinsam zu gestalten, ohne andere dabei auszuschliessen. Die Führung ist so stark, wie das System, das nicht nur geführt wird, sondern sich selbst als Gemeinschaft versteht, die miteinander innerhalb geregelter Zuständigkeiten Führung wahrnimmt.

*Martin Riesen, geb. 1955, Pädagoge LSEB, Bildungs- und Organisationsberater, Coaching; bis 2015 Verantwortlicher für die Aus- und Weiterbildung von Schulleiterinnen und Schulleitern an der PH Luzern; heute im Rahmen der baumgartner & riesen GmbH freiberuflich tätig, www.baumgartner-riesen.ch.

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