Bildungsbericht 2026 erschienen
Der Bildungsbericht Schweiz 2026 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF liegt vor. Auf rund 400 Seiten bündelt er das aktuelle Wissen zum Schweizer Bildungssystem über alle Bildungsstufen hinweg – von der obligatorischen Schule bis zur Weiterbildung für Erwachsene. Der Bericht zeigt auf, wie gut das Bildungssystem funktioniert und wo die Herausforderungen liegen. Interessante Befunde gibt es viele. Eine klitzekleine Auswahl:
Zufrieden und belastet (S. 52)
"Repräsentative Daten der Schweizer Absolventenbefragung zeigen, dass der Grossteil der Lehrpersonen fünf Jahre nach Abschluss mit den Aufgaben des gewählten Berufs zufrieden oder sehr zufrieden ist (80–90%). In allen anderen Berufsgruppen, die hier als Vergleichsgrössen herangezogen werden, sind die Zufriedenheitswerte in diesem Bereich tiefer (...). Was hingegen
die Arbeitsbelastung betrifft, sind Lehrpersonen im Vergleich zu anderen Berufseinsteigerinnen und -einsteigern deutlich weniger zufrieden (50% zufrieden oder sehr zufrieden). Fünf Jahre nach Abschluss erreicht der Anteil der Lehrpersonen, die mit ihrer Arbeitsbelastung zufrieden sind, gemeinsam mit den im Gesundheitswesen tätigen Personen die tiefsten Werte (40%)."
Schlechter, aber mehrheitlich noch etwas besser (S. 92)
"In den letzten zwanzig Jahren haben sich zwar die Ergebnisse der 15-Jährigen in der Schweiz in allen drei Bereichen [Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften] verschlechtert (Erzinger et al., 2023), dennoch erzielten sie über den gesamten Zeitraum hinweg mehrheitlich bessere Resultate als Gleichaltrige in den Nachbarländern."
Schülerrückgang in ZG kleiner als anderswo (S. 63)
"Aufgrund des Geburtenrückgangs zwischen 2021 und 2024 (–12,7%) (...) wird in den Bildungsszenarien des Bundesamts für Statistik (BFS) von 2025/26 bis 2034/35 vor allem für das 1. und 2. Schuljahr der Primarstufe (...) von einem starken Rückgang der Schülerzahlen (–9,7%) ausgegangen. Dies liegt daran, dass sich in den Szenarien der Geburtenrückgang ab 2026 bemerkbar macht (...). Von 2026 bis 2028 werden jährlich rund 3960 Schülerinnen und Schüler weniger in die Primarstufe eintreten. (...). Die kantonalen Unterschiede sind erheblich."
Sozial selektiveres Langzeitgymnasium (S. 171)
"Die Differenz der Übertrittswahrscheinlichkeit zwischen Kindern mit Eltern mit dem tiefsten und dem höchsten Bildungsstand ist jedoch signifikant grösser in Kantonen mit Langzeitgymnasien als in solchen, die nur das Kurzzeitgymnasium kennen. In Kantonen mit Langzeitgymnasien ist der Übertritt somit sozial selektiver."
Starke Klasse schlechtere Note (S. 171)
"Ebenso wird deutlich, dass Schülerinnen und Schüler aus überdurchschnittlich guten Klassen gemessen an ihren Testdaten aus den externen Leistungstests signifikant tiefere Noten erhalten als vergleichbare Schülerinnen und Schüler aus leistungsschwächeren Klassen. Aus der internationalen Forschungsliteratur ist bekannt, dass Schülerinnen und Schüler, die überbewertet wurden, auch später in ihrer Bildungslaufbahn noch davon profitieren können; so erhalten sie eher Zugang zu anspruchsvolleren Ausbildungen (Lavy & Megalokonomou, 2019; Lavy & Sand, 2018) oder können später bessere Schulleistungen vorweisen (Muntoni & Retelsdorf, 2018). Umgekehrt zeigt sich, dass auch unterbewertete Schülerinnen und Schülern auf den nachfolgenden Bildungsstufen schlechtere Leistungen erzielen (Carlana, 2019; Robinson-Cimpian et al., 2014) oder weniger häufig eine tertiäre Ausbildung wählen (Sahlström & Silliman, 2024). Diese Ergebnisse werden damit erklärt, dass subjektive Bewertungen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken, indem sie das Selbstverständnis der betroffenen Personen beeinflussen (Olczyk, Gentrup et al., 2023)."
Der ganze Bericht kann unter diesem Link heruntergeladen werden.