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Der weite Weg zur Bildung für alle — Teil II

18.03.2015
Im zweiten Teil der Zuger Schulgeschichte begleiten wir die Zuger Schulen in ihrer Entwicklung nach der Begründung des modernen Bundesstaates im Jahre 1848. Wir begegnen Aufbruch und Bewahrung, ...
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Im zweiten Teil der Zuger Schulgeschichte begleiten wir die Zuger Schulen in ihrer Entwicklung nach der Begründung des modernen Bundesstaates im Jahre 1848. Wir begegnen Aufbruch und Bewahrung, (rabiaten) Autoritäten und werden Schritt für Schritt Zeuge der Entstehung des heutigen Schulwesens.

Von Carl Bossard*

Schritt II: Bildung für alle, oder: Die Etablierung des Schulsystems

Die Kantonsverfassung von 1848 brachte die Renaissance des Erziehungsrates. Die Liberalen, die kurzzeitig regierten, setzten die kantonale Schulhoheit wieder durch. Das war ihr Hauptanliegen. Das Schulgesetz von 1849 legte Grundzüge der Schulorganisation fest; sie gelten eigentlich bis heute:

  • eine Elementarbildung in der Primarschule,
  • eine praktische Fortbildung in der Sekundarschule und
  • höhere Bildung in einer kantonalen Schule.

Der freiwillige Schulbesuch wurde zur allgemeinen und damit zur verbindlichen Schulpflicht für alle erklärt. Die Schule war unentgeltlich. Der obligatorische Schulbesuch, wie ihn bereits die Helvetik postuliert hatte und der liberale Bundesstaat erst in der Verfassung von 1874 dekretierte, war aber schwierig zu konkretisieren.

Auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten es Bildung und Schule zunächst schwer. In den Kindern sah man nach wie vor ökonomische Ressourcen und nicht Persönlichkeiten mit individueller Zukunft. Bildung war weiterhin das Vorrecht weniger; in einer vorwiegend bäuerlichen Gesellschaft brauchte es sie nicht zwingend. Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb Zug ein Armenhaus: Die Zuger Bevölkerung war arm, ihr Leben kärglich, der Unterricht für die meisten ein Luxus. Viele Eltern schickten ihre Söhne und Töchter «höchst unfleissig in die Schule». Man brauchte sie für die Arbeit auf Feld und Hof. Der Stall war notgedrungen stärker als die Schiefertafel, das Brot wichtiger als ein Buch. In einer traditionellen, bäuerlich-kleingewerblichen Gesellschaft war eine gute (Schul-)Bildung nicht notwendig.

Die Zielsetzung des Unterrichts blieb kirchlich-religiös. Lesen wurde noch immer als hauptsächlich religiöser Ritus gelebt und gelehrt. Bildung und Schule standen ganz im Zeichen barocker Frömmigkeit und tridentinischer Gläubigkeit: Die Kirchenglocken läuteten nicht nur, sie gaben auch den schulpolitischen Ton an. Entsprechend streng war der Unterricht, hierarchisch die Struktur, autoritär der Ton, nicht selten handgreiflich der Umgang und dominant die Disziplin. Niemand störte sich daran; es war gesellschaftlicher Konsens und gelebter Alltag. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein

Noch gab es zu wenig geeignete Lehrerinnen und Lehrer. Wie ein Geschenk des Himmels erschienen um 1850 die ersten Lehrschwestern aus dem Kloster Menzingen – 1844 von Schwester Bernarda Heimgartner gemeinsam mit dem Kapuzinerpater Theodosius Florentini gegründet –, später von Heiligkreuz Cham. Bis in die 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts führte auch das Kloster Maria Opferung ein Lehrerinnenseminar.

Schwester Bernarda Heimgartner, 1822 – 1863. Ihre Vision: durch ganzheitliche Bildung von Mädchen die Stellung der Frau verbessern.

 

Die Schwestern waren gut ausgebildet, einzig für die Schule da, katholisch und anspruchslos. Zudem arbeiteten sie fast für Gotteslohn und kamen billiger zu stehen als weltliche Lehrer. Das entlastete das kärgliche Gemeindebudget und verbesserte die Schulqualität, wie die Inspektoren erfreut feststellten. Die Lehrschwestern spielten im Zuger Schulwesen während vieler Jahre eine wichtige Rolle. Keine Gemeinde kam ohne sie aus.

Die Schule war feminin – pädagogisches Zölibat
Wenn aktuell von einer «Feminisierung» der Schule die Rede ist, geht leicht vergessen, dass dies realhistorisch seit langem so ist. Wandel und Fortschritt der Zuger Schulen haben entscheidend mit dem Engagement der Lehrschwestern zu tun. Die kommunalen Schulen verdanken ihnen viel.

Noch 1950 bestand knapp die Hälfte der Lehrkräfte in den Primarschulen aus Klosterfrauen: 54 Menzinger Schwestern, zehn Schwestern von Maria Opferung und sechs Schwestern von Heiligkreuz Cham. Nachher nahm ihre Präsenz ab, während umgekehrt die Zahl der Lehrkräfte insgesamt markant anstieg – vor allem wegen des Ausbaus und der Auffächerung des Schulsystems.

Frauen erlebten als weltliche Lehrerinnen einen beruflichen Aufstieg, zuerst allerdings um den Preis des «pädagogischen Zölibats»: Weltliche Lehrerinnen wurden «Fräuleins» genannt. Ich ging im Neustadt-Schulhaus zu Fräulein Giger in die Schule, die Wechselklasse zu Fräulein Luthiger. Im Burgbach hiessen Sie Fräulein Moos und Fräulein Klaus. Über Jahrzehnte.

Wenn die «Fräuleins» heiraten wollten, mussten sie den Schuldienst quittieren. Die meisten unterrichteten die erste und zweite Klasse. Weiter brachten sie es kaum. Ab dem dritten Schuljahr, spätestens mit der fünften Klasse wurde die (Schul-)Welt männlich: nur noch Lehrer – oder dann Lehrschwestern für die Mädchen.

Zurück in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts: Lehrberufe wurden nun professionalisiert, Lehrpersonen geprüft und für bestimmte Zeit patentiert, Schlendrian und Prügelstrafen zumindest hinterfragt, für alle Gemeinden Schulhausbauten gefordert und vorangetrieben. Soziale Stellung und Einkommen der Lehrer konnten verbessert werden. Der Schulbesuch stieg spürbar, die Klassengrösse sank allmählich. Und ab 1880 hatte Zug eine eigene Lehrerbildungsstätte, das katholische Lehrerseminar St. Michael – nur unterbrochen im Zweiten Weltkrieg und in den ersten Nachkriegsjahren.

Zur Bildung steigt man empor
Die Expansion der Bildung rief nach Raum. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts löste das Schulhaus die nicht so gute alte Schulstube ab. Überall. Die oft stickige Enge des Zimmers wich der Weite eines Gebäudes. Jede Gemeinde baute ihr Schulhaus, mit klar gegliederter Fassade und einem Treppenaufgang. Dem Schulhaus eigen war – wie z.B. Neustadtschulhaus in Zug – eine Art Residenzcharakter: Die Kinder stiegen zur Bildung empor – und durchschritten für den Unterricht die grosse Eingangstüre. Symbol und Auftrag zugleich.

Neustadtschulhaus Stadt Zug


Schulhaus Unterägeri

 

Neben der Kirche erhielt oft auch das Schulhaus eine Uhr. Sie signalisierte die neue Epoche: Das Schulleben ging nun im Takt – die Zeit der Uhr als standardisierte Normalität. Zeiten der Schule sind Zeiten des Lernens.

Mit dem Bau neuer Schulhäuser versiegte der latente Argwohn gegenüber der verordneten Bildung. Das Schulhaus wurde zum stolzen Fortschrittszeichen. Man weihte sie ein, der Zeit entsprechend – mit Pomp und Pathos, mit Weihwasser und Weihrauch, mit Lob und Lied. Der festlich-feierliche Akt vereinte das kommunale und kirchliche Element. Der Bau war ein Werk, das «der Gemeinde zur Ehre, der lieben Jugend zum Wohl und Heil gereichet [...] für Zeit und Ewigkeit», meinte ein Schulpräsident in seiner Ansprache. Gross war die Zuversicht und hoch die Erwartung, die Kirche und Behörde auf die Schule projizierten: «Gebt mir eine wahrhaft gute Schule, und ich verspreche Euch eine glückliche Gemeinde!» Mit gestärktem Selbstwert blickte man auf die neuen Bildungstempel.

Dazu zählte auch die Kantonsschule. 1861 entstand die kantonale Industrieschule. 1920 wurde sie mit dem städtischen Gymnasium verbunden. Der Kanton kaufte die Athene – stolzer Sitz des Gymnasiums. Der Name war Programm und Auftrag: humanistische Bildung, orientiert an der griechisch-römischen Klassik.

Kantonsschule Athene, Zug

 

Vom Schulbuch zum grafischen Kunstwerk
Zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis steht das Schulbuch. Es vermittelt Basiswissen und generiert übers Üben das Können. Wann immer in der Geschichte qualitative Unterrichtsfortschritte postuliert wurden, hingen sie zusammen mit neuen Lehrplänen, neuen Methoden und den entsprechenden Schulbüchern. Das didaktische Medium 'Schulbuch' legt die Basis.
Schulbuch von Xaver Brandenberg

 

Das zeigte sich auch in Zug. Mit den verschiedenen Gesetzesrevisionen und den Folgefragen verbunden waren Lehrbücher. Erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Unterrichtsbüchern von Xaver Brandenberg. Sie waren weitverbreitet. Mit allen Lehrplänen kamen kurze Zeit später neue Lehrmittel in die Schülerhand.

Alte Schulbuchkultur vom Benziger Verlag

 

Wer in alten Schulbüchern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blättert, entdeckt künstlerische Kleinode und grafisch originell gestaltete Kunstwerke mit illustrativer Ästhetik. Da entstand eine eigentliche Schulbuchkultur. Kantonale Schulhoheit und föderale Vielfalt der Schweiz führten zu einem Wettbewerb – auch unter den Lehrmittelverlagen und zwischen den Landesteilen und Konfessionen. Der Kulturkampf des 19. Jahrhunderts hinterliess seine Spuren bis in die Lehrmittel und die Wandbilder. Viele Zuger Schulbücher stammten aus dem katholischen Verlag Benziger & Co., Einsiedeln. Sie «wanderten» von Klasse zu Klasse, von Schülerjahrgang zu Schülerjahrgang. Entsprechend behutsam und sorgsam war mit diesen Medien umzugehen. Solche «Wanderbücher» gibt es noch heute.

Teil III: Dynamisierung und schneller Wandel, oder: Bildung als Treiber der gesellschaftlichen Entwicklung.

Zug gehört zu den katholischen Stammlanden. Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus war der Kanton eine geschlossene Welt, mental und soziokulturell homogene Welt. Religion und Tradition setzten Werte und Normen und gaben dem Alltag Gestalt. Auch in der Schule.

Von den (jahre-)langen Konstanten: Eine stabile Schulwelt
Stabilität und Kontinuität waren die Signaturen der damaligen Zeit. Zug war ein blühendes Biedermeier-Städtchen, das Dorf noch Dorf – mit der Kirche im Zentrum. Verschiedene Phänomene belegen dies:

Generationen von Kindern gingen zu den gleichen Lehrerinnen und Lehrern in den Unterricht. In dieser gefestigten, wohl geordneten Welt verkörperten sie die Inkarnation fachlicher und pädagogischer Autorität. Entsprechend autoritär waren und wirkten sie. Ihr Sozialprestige war hoch und intakt – fast auf der Stufe eines Geistlichen oder des Dorfarztes. Man glaubte und vertraute ihnen; kein Zweifel störte, auch wenn sie mit rabiaten Körperstrafen operierten und zum Teil «schändlich» prügelten. Warum auch? Die Schule bildete die unbestrittene Bastion von Zucht und Ordnung. Karikaturen brandmarkten zwar den Stil und stellten Prügel, Rutenstreiche und Ohrfeigen an den publizistischen Pranger. Doch kaum jemand reklamierte und verlangte Neues. Inhalte und Lehrbücher veränderten sich wenig. Gehorchen war Gebot. Das Religiöse dominierte, die Strafe disziplinierte, die Gesellschaft sozialisierte. Das war gelebter Alltag.

Autorität in einer homogenen Welt
50 und mehr Kinder pro Klasse waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein üblich. In meiner Klasse Ende der 50er-Jahre waren wir 52 Knaben – alle sprachen Deutsch, alle waren katholisch und Schweizer, alle grau gekleidet und die Haare kurz geschoren. Im Schulzimmer rangierten wir nach Notendurchschnitt. Eins war die beste Note, die Fünf figurierte am Ende der Skala. Der Schüler mit dem tiefsten und besten Schnitt sass ganz hinten, derjenige mit dem höchsten Wert vorn, direkt vor dem Katheder. Zwei Ausnahmen: der Türchef und der Tafelchef. Notenschnitt: Nebensache.

Die Welt war geordnet. Wir wussten, was galt – auch warum wir auf der Welt waren. Der Katechismus deklarierte es, auswendig deklamierten wir es: „Carli, wozu bist du auf der Erde da?", fragte die Lehrerin den Katechismus ab: Die Antwort: „Ich bin auf der Erde, um Gott zu gefallen, ein anständiges Leben zu führen und dereinst in den Himmel zu kommen." Katechismuswahrheit als Leitwert für den Alltag. «Damals zeigten die Türme zum Himmel, die Uhren gingen rund [und] Pfarrhelfer S. konnte weltwütig auf dem Katheder herumtoben.» So erinnert sich der Zuger Schriftsteller und Theaterautor Thomas Hürlimann (geb. 1950) an seine eigene Schulzeit.

Es war eine überaus strenge Schule, disziplinarisch fordernd und um elementares Basiswissen bemüht. Geschult und intensiv geübt wurden primär Lesen, Schreiben und Rechnen. Nicht viel anders ging es im Gymnasium zu und her – als Zeugen nehme ich den Literaten Peter von Matt. Die Skizze aus seinem Unterricht von Anfang der 1950er-Jahre zeigt es:

«Er war ein Raubein, bald gerecht, bald ungerecht, wie es ihm gerade gefiel. Seine Autorität war unangefochten. Aufregend war es, wenn er donnerte, kurzweilig, wenn er guter Laune war, etwas lief immer. [...] In der dritten Klasse des Gymnasiums unterrichtete er Deutsch. Ein ganzes Jahr lang Wilhelm Tell von Friedrich Schiller. Das nimmt sich heute wie schwarze Pädagogik aus, hat mich aber für mein Leben geprägt.»

Der Mentalitätswandel nach 1968
Der Wandel kam spät, und er kam grundsätzlich. Im wirtschaftlichen Boom der Nachkriegszeit und im zivilisatorischen Fortschritt der Moderne verlor die Tradition ihre stabilisierende Kraft. Kontinuitäten in den Lebenswelten und Lebensstilen wurden aufgebrochen, neue Ideen manifest und alternative Entwürfe realisiert. Die katholische Homogenität zerrann. Bildung und Schule veränderten sich ab den 1970er-Jahren in schnellem Tempo. Die Bildungswege wurden vielfältiger und durchlässiger, individueller und länger: Bildung expandierte.

Die späten 1960er- und die 1970er-Jahre führten zu einem Mentalitätswandel und damit zu einem didaktischen und pädagogischen Paradigmenwechsel. Modelle, Themen und Stile veränderten sich – oft nicht ohne Nebengeräusche.

In der Berufsbildung war der Bund Taktgeber
Am Anfang der öffentlichen Berufsbildung stand die Zeichnungsschule für Handwerker. Gegründet hat sie 1830 die Stadt Zug. Mit dem Schulgesetz von 1898 und dem Lehrlingsgesetz 1904 wurde sie kantonalisiert und 1940 in der kantonalen Gewerbeschule zentralisiert. Das KV blieb weiterhin privat.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war ein grosser Teil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in handwerklich-gewerblichen, in industriellen und landwirtschaftlichen Berufen «ungelernt», d.h. sie verfügten über keinen anerkannten Ausbildungsabschluss.

Noch in den 50er-Jahren (des letzten Jahrhunderts) war bei der Landis & Gyr Zug das gesamte obere Kader mit Protestanten besetzt. Die Arbeiter hingegen waren katholisch. Der damalige Katholizismus – eine Art barocke Religion südlichen Zuschnitts – hatte gegen die protestantische Leistungsethik – etwas salopp formuliert – keine Chance. (Ich erinnere an Max Webers epochemachendes Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" und seine These, wonach im 16. und 17. Jahrhundert in der anglo-amerikanischen Welt streng asketisch lebende Protestanten jenen Lebensstil hervorgebracht haben, ohne den der moderne Kapitalismus nicht hätte entstehen können.)

Wieder war die Schule Treiber gesellschaftlicher Entwicklung: Das Bundesgesetz über die berufliche Ausbildung von 1930 postulierte eine markant verbesserte Lehrlingsausbildung und provozierte so einen Aufbruch in Zug. Der Wirtschaftsboom der Nachkriegsjahre erhöhte die Zahl der handwerklich-gewerblichen Betriebe wie auch der Lehrverträge. Die verschiedenen gewerblichen und noch kommunalen Fortbildungsschulen wurden zur kantonalen Gewerbeschule zusammengeführt. Der berufskundliche Unterricht war nicht mehr in die Freizeit verbannt, sondern Bestandteil der Lehre und damit gleichwertiges Element der Ausbildung. Das ebnete den Weg zum heutigen dualen System mit Lehre im Betrieb und Schule – das Bundesgesetz zur Berufsbildung von 1964 verankerte das Prinzip.

Das eidgenössische Fachhochschulgesetz von 1995 wertete die Berufsmaturität sowie die Höheren Fachschulen auf und ermöglichte 1999 die kaufmännische Berufsmaturität – und stärkte damit die Alternative zum gymnasialen und akademischen Weg. KBZ und GIBZ sind Zeichen der Modernität.
Der moderne Bildungskonzern: KBZ

 

Vom pädagogischen Auf- und Umbruch: Zug als moderner Bildungsraum
Der gesellschaftliche Wandel mit den erhöhten beruflichen Ansprüchen rief nach vertieften Qualifikationen und führte zum Ausbau von Bildung und Schule. Die obligatorische Schulpflicht wurde auf neun Jahre verlängert, teilweise ein freiwilliges zehntes Schuljahr angeboten. Parallel dazu wurde die Sonderpädagogik ausgebaut, der Musikschulunterricht erweitert, der Kindergarten als Angebotsobligatorium auf zwei Jahre ausgedehnt und der Besuch des zweiten Kindergarten-Jahres verpflichtend. Die Reform der Real- und Sekundarschule führte zur kooperativen und integrierten Orientierungsschule. Neue Lehrpläne nahmen die Forderungen der Zeit auf.

Heute ist das Zuger Schul- und Bildungssystem gut ausgebaut und vielfältig vernetzt, mit unterschiedlichen Wegen und Übergängen – zwischen obligatorischer Schulpflicht, Sekundarstufe II und der Berufsbildung, zwischen der Volksschule, verankert in den elf Gemeinden, und den kantonalen Schulen. Die Bildungsdirektion entwickelt, koordiniert und steuert. Das Schulsystem ist durchlässig aufgebaut nach dem chancengerechten Prinzip: Jeder Abschluss führt zu einem Anschluss.

Zwei Drittel aller Jugendlichen machen eine berufliche Grundbildung, wie die Lehre heute heisst. Sie steigen nach der Sekundarstufe I (nach dem 9. Schuljahr) in die Berufswelt ein. Der internationale Wirtschaftsraum Zug bietet viele und vielfältige Lehrstellen an. Das Gewerblich-Industrielle Bildungszentrum GIBZ und das Kaufmännische Bildungszentrum KBZ vermitteln das schulische Wissen und Können.

Zahlreiche interkantonale Vereinbarungen ermöglichen Zuger Schülern und jungen Erwachsenen den Zugang zu ausserkantonalen Schulen und tertiären Bildungsinstitutionen. Auch das ist Teil der Aufstiegs- und Weiterbildungschancen.

Zur langen Zuger Bildungstradition trugen auch private Schulen wie das Institut Montana-Zug auf dem Zugerberg oder das ehemalige Institut Dr. Pfister AG in Oberägeri bei. Und dazu gehörten vor allem die drei ehemaligen, nicht staatlichen Lehrerseminare Menzingen, Heiligkreuz Cham und St. Michael Zug. Privat geführt war lange Zeit auch die Protestantische Mädchen-Sekundarschule der Stadt Zug. Oder wer weiss heute noch, dass die Salvatorianer-Patres in den 40er und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts im ehemaligen Hotel Gottschalkenberg ein Untergymnasium führten?

Hochschulkanton Zug
Der Kanton Zug führt heute zwei Gymnasien, die grosse Kantonsschule in der Stadt Zug und die Kantonsschule in Menzingen. Zum Angebot auf der Sekundarstufe II zählen auch die Fachmittelschule Zug und die Wirtschaftsmittelschule an der Kantonsschule.

Zug gehört heute zu den Hochschul-Kantonen, einerseits mit der Pädagogischen Hochschule PH Zug, dann mit einem Fachhochschulinstitut im Bereich der Finanzdienstleistungen. Dazu kommen sechs Höhere Fachschulen (Wirtschaft, Informatik, Technik-Gestaltung, Naturheilverfahren und Homöopathie, Kindererziehung, Rettungswesen).

Internationale Schulen
Das Bildungsangebot gehört in der globalisierten Welt des Wettbewerbs zu den Standortfaktoren, vor allem für ausländische Arbeitnehmer, die sogenannten „Ex-pats". Die internationale Zuwanderung führte zu einem neuen Aufschwung der Privatschulen. Entsprechend ausgebaut sind die die vier Internationalen Schulen. Sie verzeichnen einen hohen Zulauf. 750 Kinder aus mehr als 50 Ländern besuchen allein die International School of Zug mit den beiden Standorten Campus Baar und Campus Hünenberg (Zahlen von 2012).

Wandel und Konstanz
Eine Gesellschaft im Wandel findet ihren Ausdruck immer auch in einem Umbruch von Schule und Pädagogik. So sieht sich die heutige Schule einer Welt gegenüber, die sich innerhalb weniger Jahre fast radikal verändert hat – und sich im Zug der Zivilisationsdynamik weiter verändert.

Stabilität war selten, der Wandel ist konstant. Doch die Zivilisationsdynamik verlief kaum je so exponentiell wie heute. In diesem Wirbelwind gibt es eine schulische Konstante. Diese Weisheit ist klassisch, d.h. sie veraltet nicht – sie galt früher, sie gilt heute, sie gilt wohl immer: Entscheidend bleibt nach wie vor die Lehrerpersönlichkeit. Auf sie und ihren Unterricht kommt es an. Und wo eine gute Lehrerin, wo ein guter Lehrer am Werk ist, da ist die Welt ein bisschen besser.

— ENDE Teil II —

Link zum Teil I

*Carl Bossard, Dr. phil., dipl. Sekundar- und Gymnasiallehrer, Studium der Geschichte und Erzie-hungswissenschaften an den Universitäten Freiburg i.Üe., Montpellier und Bern. Rektor Kantonale Mittelschule Nidwalden, Direktor Kantonsschule Luzern und Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule PH Zug. Wissenschaftliche Interessensgebiete: Bildungs- und Schulgeschichte der Neuzeit und der Moderne.

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