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Schulpsychologie auf der Sekundarstufe II

01.04.2015
Die Schulpsychologie endet nicht nach der 3. Oberstufe. Sie unterstützt Jugendliche auch auf der Sekundarstufe II während dem hie und da schwierigen Übergang ins Erwachsenenleben. An den fiktiven ...
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Die Schulpsychologie endet nicht nach der 3. Oberstufe. Sie unterstützt Jugendliche auch auf der Sekundarstufe II während dem hie und da schwierigen Übergang ins Erwachsenenleben. An den fiktiven Beispielen von Lea, Melina und Peter wird ein praktischer Einblick in diese Arbeit gezeigt.

Von Annegret Siegenthaler*

Lea hat heute keine gute Laune. Sie ist 17, im 2. Lehrjahr zur Kauffrau. Sie hat verschlafen und kommt zum dritten Mal in zwei Wochen zu spät in die Berufsschule. Es wird wieder ein 'Unentschuldigt' geben und das wegen 5 Minuten... "Da bringt es gar nichts, heute überhaupt noch in die Stunde zu gehen", entscheidet Lea wütend. Genervt zündet sie eine Ziggi an und wird prompt erwischt vom Prorektor. "Rauchen auf dem Schulareal ist verboten....das wissen Sie doch." Der zweite Verweis... So geht das schon seit Wochen. Lea fällt in der Berufsschule negativ auf und hatte bereits zwei Gespräche mit dem Schulleiter und dem Rektor. Im Lehrbetrieb wird ihr freches Verhalten, Unkonzentriertheit und mangelnde Motivation vorgeworfen. Der Lehrbetrieb erkennt seine Lernende nicht wieder. Das erste Lehrjahr verlief problemlos, doch jetzt im 2. Lehrjahr gibt es viele Probleme mit Lea. Trotz mehrerer Gespräche mit Lea und den Eltern hat sich die Situation nicht verbessert. Der Betrieb weiss nicht mehr, was er mit Lea machen soll. Ihre Noten sind zwar gut, aber alles andere stimmt im Moment nicht. Nach einem weiteren Gespräch mit dem Amt für Berufsbildung (AfB) wird entschieden, dass Lea für eine Beratung den Schulpsychologischen Dienst (SPD) aufsuchen soll.


Hilfe beim Übergang ins Erwachsenenleben
Die Schulpsychologie endet nicht nach der 3. Oberstufe, sie unterstützt auch Jugendliche auf der Sekundarstufe II im Übergang ins Erwachsenenleben. Der Einstieg in den Beruf oder eine weiterführende Schule ist nicht immer einfach. Häufig kommen andere Probleme hinzu: familiäre Schwierigkeiten, Liebeskummer, Schwierigkeiten mit dem Schulstoff und persönliche Krisen. Sich dann abgrenzen, sich auf den Beruf, die Schule konzentrieren zu können, ist nicht immer leicht, wenn einen ein anderes Thema stark beschäftigt. Der Lehrbetrieb und die (Berufs-) Schule können nicht immer einschätzen, woran es liegt, dass Noten plötzlich schlechter werden oder sich das Verhalten einer Person plötzlich ändert, wie beispielsweise das von Lea. Jugendliche reden im Lehrbetrieb kaum über persönliche Probleme, sie schämen sich vielfach. Eigentlich bräuchten sie Unterstützung von einem Erwachsenen. Dies zuzugeben oder um Hilfe anzufragen, braucht Mut, ist vielfach peinlich oder "uncool". Schliesslich ist man ja eigentlich fast erwachsen.

Genau für diesen Übergang sind wir da. Wir hören zu. Schwierigkeiten im Lehrbetrieb? Lernblockade? Schlechte Noten? Vergesslich? Nicht motiviert? Umwandlung einer 3-4 jährigen Lehre in eine 2 jährige Attestausbildung? Verlassen des Gymnasiums? Ist die Fachmittelschule die richtige Schule für mich? Wir beraten. Wir involvieren alle Beteiligten. Wir machen uns ein umfassendes Bild. Wir vermitteln. Wir übersetzen von der Sprache der Jugendlichen in die der Eltern und umgekehrt. Wir erarbeiten zusammen mit den Jugendlichen und Beteiligten Lösungen. Wir holen die Jugendliche da ab, wo sie stehen, damit sie einen Schritt weiterkommen.

Melina muss gefordert werden
Melina, 16, wird angemeldet, weil die Motivation für das Arbeiten fehlt. Woran liegt es? Als Mitarbeiterin des SPD kann ich in die früheren Beratungen von Melina am SPD Einblick nehmen. Wir kennen Melina seit dem Kindergarten. Melina fiel erstmals im Kindergarten durch ihre schnelle Auffassungsgabe und gesteigerte Aktivität auf. Die damalige schulpsychologische Beratung zeigte auf, dass bei ihr von einer überdurchschnittlichen intellektuellen Begabung auszugehen ist und sie im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern deutlich weiter in der Entwicklung war. Gemeinsam mit den Eltern, der Kindergärtnerin sowie der schulischen Heilpädagogin wurde damals entschieden, dass das Mädchen die 1. Klasse überspringt und direkt in die 2. Klasse eingeschult wird, um Unterforderung zu vermeiden. Durch diese Fördermassnahme nahm die gesteigerte Aktivität wieder ab und Melina zeigte angepasstes Verhalten. Diese Vorinformationen sind entscheidend, um die heutige Situation richtig beurteilen zu können.
Melina kommt alleine zum Erstgespräch. Zwar ist sie noch nicht volljährig, doch sie hat keinen Bock, ihre Mutter dabeizuhaben. An drei bis vier Sitzungen bespreche ich mit Melina ihre Situation und mache verschiedene Tests und Abklärungen mit ihr. Mit Melinas Einverständnis hole ich auch die Sicht des Lehrbetriebes ein und lade die Eltern zusammen mit Melina zu einem weiteren Gespräch ein. Eine umfassende Sicht aller Beteiligten ist ganz wichtig zur Beurteilung der Situation. Wichtig ist auch, dass sich alle Betroffenen äussern können, schliesslich ist Melina noch nicht 18 Jahre alt, wohnt noch daheim und möchte im Lehrbetrieb bleiben. Aus den Abklärungen resultieren viele Themen: Melinas Eltern haben sich vor einem Jahr scheiden lassen. Melina lebt seither einen Teil der Woche beim Vater, den anderen Teil bei der Mutter. Sie vergisst häufig ihre Schulunterlagen beim Vater, die sie dann bei der Mutter bräuchte. Melina ist das erste Mal verliebt, ihr Freund ist einige Jahre älter als sie und überfordert Melina teilweise mit seiner Lebenserfahrung. Im Lehrbetrieb hat Melina in einer neuen Abteilung begonnen. Frau Z., ihre Berufsbildende, ist sehr autoritär. Sie lässt Melina kaum Freiheiten und kontrolliert alle ihre Aufgaben. Sie findet, Melina sei während der Arbeitszeit zu viel im Internet. Die Abklärungen ergeben, dass Melina in der Abteilung kaum Arbeit hat, es ihr langweilig ist und sie nicht weiss, was sie den ganzen Tag machen soll. In den Abteilungen, in welchen Melina vorher gearbeitet hat, wurde sie mit anspruchsvollen Aufgaben betraut und dort hat es ihr sehr gut gefallen. Seit dem Abteilungswechsel ist Melinas Motivation gesunken. Es bereitet ihr jeden Morgen Mühe, zur Arbeit zu gehen.... Wichtig bei Melina scheint es also, sie aktiv zu fordern.

Durchhalten mit Peter
Bei Peter, fand bereits früher eine SPD-Beratung statt. Er zeigte so grosse Verhaltensauffälligkeiten in der Realschule, dass es nicht mehr möglich war, ihn in der Regeklasse zu schulen, woraufhin es zu einem Wechsel in eine Timeout-Klasse kam. Heute ist Peter 21 Jahre alt und im letzten Lehrjahr als Zimmermann. Nach wie vor fällt die Selbststeuerung Peter schwer. Nach dem Auswertungsgespräch auf dem SPD wirkt Peter sehr nachdenklich. Er hat zwar nicht, wie befürchtet, seine Lehrstelle verloren, aber es wurde in einer grossen Runde mit dem Lehrbetrieb, dem Amt für Berufsbildung, den Eltern und dem SPD Klartext mit ihm gesprochen. Peter hat Mühe im Umgang mit Autoritäten, sich anzupassen und Anordnungen auszuführen. Er ist aber auch hochsensibel. Wenn ihm wieder einmal alles zu nah geht, ist er krank und bleibt zu Hause. Kurzfristig ruft er am Morgen im Lehrbetrieb an, dass er nicht zur Arbeit kommt. Die Teamkollegen leiden unter dieser Situation und müssen wegen ihm Überstunden machen. Peter ist für sie unberechenbar. Er leistet tolle Arbeit, wenn er da ist, doch es ist kein Verlass auf ihn. Er müsste nur noch ein Jahr durchhalten. Er hat eine delinquente Vergangenheit, über die nie gesprochen wurde. Die ihn aber immer wieder einholt. Wenn er das letzte Lehrjahr nicht durchzieht, droht ihm eine Massnahme des Justizvollzugs. Es ist eine Gratwanderung. Doch Peter's Entscheidung ist klar: Er will die Lehre abschliessen. Untermalt durch diverse Abklärungsergebnisse des SPD's glaubt ihm das der Lehrbetrieb letztendlich. Peter kommt nun regelmässig zur Beratung auf den SPD. Es gibt klare Auflagen, die er erfüllen muss, sonst wird das Lehrverhältnis aufgelöst. In Rollenspielen lernt Peter neue Strategien für Situationen, mit denen er bisher nicht umgehen konnte.

Der SPD unterstützt
Der Fachbereich 'Schulpsychologie Sekundarstufe II' setzt die schulpsychologische Beratung auf der Primar- und Sekundarstufe I fort. Durch die Kontinuität in der Beratung können Situationen schneller eingeschätzt werden und die notwendige Beratung rascher erfolgen. Wann und wie Sie uns beiziehen, sehen Sie auf unserer Webseite.

*Annegret Siegenthaler, ist seit Sommer 2014 Verantwortliche für den Fachbereich 'Schulpsychologie auf der Sekundarstufe II'. Als ursprüngliche Betriebswirtschafterin bringt die Psychologin Erfahrungen aus der Privatwirtschaft, u.a. als Ausbildungsverantwortliche in einer Bank, mit. Sie war während 4,5 Jahren im BIZ Zug als Berufs- und Laufbahnberaterin tätig, .

 

 

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