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Aus der Schule – für die Schule: Magenbrot und gute Schule

09.10.2014
Der Kolumnist knüpft einen Faden zwischen Magenbrot, Erdnüssli, Weihnachtsguetzli, Osterhasen und der "Guten Schule". Zwischen Verzicht und Überdruss plädiert er für einen Weg des Masshaltens. ...
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Der Kolumnist knüpft einen Faden zwischen Magenbrot, Erdnüssli, Weihnachtsguetzli, Osterhasen und der "Guten Schule". Zwischen Verzicht und Überdruss plädiert er für einen Weg des Masshaltens.

Von Martin Senn

Im Herbst ist Stierenmarkt. Dort kaufe ich mir Magenbrot. Da lange nicht mehr gegessen, lasse ich mich vom Gluscht leiten und nehme ein Pfund. Ich öffne den wohlbekannten Papiersack und viele tolle Chilbi Erinnerungen begleiten den Genuss. Nachher habe ich dann zuviel gegessen. Mir ist unwohl vom vielen Süss, ich mag es kaum mehr anrühren, bringe den dürftigen Rest heim.

So ähnlich ergeht es mir mit der „Guten Schule". Die damit verbunden Wörter liegen mir auf, als hätte ich mich überessen. "Qualitätsmanagement, eigenverantwortliches Lernen, Mindeststandards, Leistungsvereinbarungen, Controlling, Schulentwicklung, Q-Steuerung, Kooperatives Lernen, Evaluation und geleitete Schulen sind Begriffe die Süsses versprechen. In ihrer Fülle und Häufigkeit werden sie aber übersättigend und schwer verdaubar.

Durch ihren häufigen Gebrauch in eher belastenden Bereichen meiner Arbeit in der Schule mutieren die Worthüllen schleichend zu etwas anderem. Sie versinnbildlichen mehr und mehr jenen Teil des Lehrer-Seins und der Schule, den ich nicht zu meinen Ressourcen zähle. Sie entfremden von lebendigen Kindern, von strahlenden Gesichtern und auch von Pausenlärm.

Ich wünschte mir eine „Gute Schule", die sich viel stärker am Wesen der Kinder und Jugendlichen orientiert. Es muss ein Ort sein, an dem sie sich gerne aufhalten, auch über mehrere Jahre hinweg. Eine Schule ist für mich kindergerecht und gut, wenn sie zu Lebensfreude, Lebenssinn, Wissensdurst, Lernerfolge, Leistungsbereitschaft und zu sozialer Verantwortung führt. Die Lernenden finden dort Kameraden, Freunde, Begleiter, Unterstützer, Vorbilder, Fachleute und Gemeinschaft.

Es muss ein überschaubarer Ort sein, an dem vielerlei Tiere, unterschiedliche Pflanzen, moderne Technik und ansprechendes Material zum Sammeln von Erfahrungen einladen. Gelernt wird oft draussen, am Bach, im Wald, am Weiher, auf dem Sportplatz, mitten im Dorf oder in der Stadt. Bewegung, Spiel, Musik, Tanz und Gesang sind Alltag. Die Lernenden lesen, sprechen, erzählen, zeichnen, malen und schreiben viel. Es gibt genügend Zeit zum Hören, Spüren, Fühlen und zum Vertiefen sowie Raum für tolle und weniger gute Erfahrungen. Diese Schule bietet vielfältige Herausforderung, damit die Kinder angewandt rechnen, basteln, werken und bauen. Im Fordergrund steht das Wohlbefinden der Lernenden.

Die Lehrenden unterrichten mit Begeisterung. Sie sind interessiert an Kindern und Jugendlichen und ihren Fortschritten. Ein Lehrplan dient als roter Faden und ist so auf die Schulzeit ausgerichtet, dass die Lernenden weder belehrt und noch dauernd gegängelt werden müssen. Fähigkeiten, Einsicht oder Erkenntnis sind keine Konkurrenzprodukte und anders Sein wird als Bereicherung gelebt. Um Demokratie, Respekt von Minderheiten und Partizipation wird täglich gerungen und sparsamer Umgang mit den Ressourcen bleiben keine Lippenbekenntnisse.

Bald schon nach dem Stierenmarkt kommen andere Highlights im Jahreskreis. Das Magenbrot steht dann nicht mehr im Vordergrund. Seien es Erdnüsse, Weihnachtsguetzli oder Osterhasen, die Gefahren des Überessens lauern in vielfältigen Formen. Mass halten ist anstrengend und nicht nur für mich ein Dauerthema. Es gelingt leider nicht immer. Für eine kindsgerechte und gute Schule dürfen wir die anstrengenden Bemühungen nicht aufgeben, auch wenn sie uns manchmal den Magen verstimmen.

Martin Senn ist Heilpädagoge an der Oberstufe Walchwil und u. a. Vertreter der Lehrerschaft in der Walchwiler Schulkommission sowie aktiv im Lehrerinnen- und Lehrerverein des Kantons Zug, martin.senn@schule-walchwil.ch.

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