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Aus der Schule – für die Schule: Sich erholen

06.09.2018
Ferien ist, wenn wir alles vergessen dürfen... Ein Beitrag von Martin Senn* Haben Sie nach den Ferien Ihr Passwort fürs Einloggen in den Schulserver noch gewusst oder ist es beim Eingeben wie von ...
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Ferien ist, wenn wir alles vergessen dürfen... Ein Beitrag von Martin Senn*

Haben Sie nach den Ferien Ihr Passwort fürs Einloggen in den Schulserver noch gewusst oder ist es beim Eingeben wie von Zauberhand in die Tastatur geflossen, motorisch automatisiert? Oder sind Sie erschrocken, weil Sie Ihr Erinnerungsvermögen für die korrekte Reihenfolge der Tasten echt anstrengen mussten? Könnte es sein, dass Sie gar gezwungen waren das clever gewählte Passwort irgendwo nachzuschlagen, wo Sie es wohlwissend vor den länger dauernden Ferien neben allen anderen Passwörtern notiert haben? Nun wage ich zu behaupten, dass Sie, je später Ihr Ja eine der vorangegangenen Fragen beantwortet, besser erholt wieder beginnen konnten.

Mit den Gedanken und dem Tun ganz weit weg sein von den alltäglichen Aufgaben, der beruflichen Verantwortung und der Routine, fällt vielen von uns schwer. Ich brauche räumliche oder zeitliche Distanz zu den unzähligen Listen, Mails und Informationen, zu vorbereiteten Plänen, Terminen und Daten für mein inneres Loslassen. Verweilen meine Gedanken am Abend nicht beim nächsten Arbeitstag, beginnt meine Erholung. Die zu erledigenden Dinge rücken weiter weg, verlieren an Dringlichkeit und lassen sich ohne Schuldgefühle aufschieben.

Je länger die Dauer der unterrichtsfreien Zeit, desto unstrukturierter ist mein Tag. Entscheidungen zum eigenen Tun werden spontan und kurzfristig gefällt, können jederzeit umgestossen oder rückgängig gemacht werden. Die wenigen zeitlichen Fixpunkte schränken kaum ein, da ich vorher und nachher viel Spielraum habe. Ich bin überzeugt, dass genau diese Freiräume die Qualität der Erholung ausmachen. Dem momentanen Bedürfnis nachgehen, viel weniger auf die Uhr schauen und sich Zeit lassen können, ermöglichen ein Verweilen im Hier und Jetzt, so dass sich meine Sinne für Neues öffnen können.

Speziell trifft dies für unsere Kinder, unsere Schüler zu. Ferienpass, Trainingswoche oder Sprachaufenthalte ermöglichen wohl neue und bereichernde Erlebnisse, aber die Katharsis von selbst ausgestalteten Freiräumen nach vorausgegangener Langeweile bleibt aus. Die geliebten und oft unvergesslichen Ferienlager mit Pfadi oder JuBla unterscheiden sich in dieser Hinsicht, da sie viel spontane Eigeninitiative fordern und im Gegenzug ausgiebige Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Dass in den Ferien auch viel Schulstoff vergessen geht, ist wissenschaftlich zur genüge belegt (Harris Coopers Metastudie zur Wirkung von Sommerferien 1996). Ich möchte dem aber entgegen halten, dass jeder Ballonfahrer zum Aufsteigen – statt tüchtig einzuheizen – einfach Ballast abwerfen kann.

Noch eine Bitte an jene im Schuldienst. Wenn Sie beim Neustart in der Klasse Rückschau auf die Ferien halten wollen, fragen Sie nicht nach den Ferienorten, den gemachten Erlebnissen oder den individuellen Höhepunkten der Schülerinnen und Schüler. Erkundigen Sie sich nach jenem Tag der Ferien, welchen sie nochmals vor sich haben, nochmals erleben möchten. So motivieren Sie alle, relevante und persönliche Dinge zu erzählen, ohne damit das Angeben zu fördern.

Übrigens: Welchen Ferientag möchten Sie nochmals vor sich haben, nochmals erleben? Welche Bilder erscheinen dabei vor Ihrem inneren Auge? Mich würde Ihre Erzählung interessieren, besonders wenn Ihre Augen dabei leuchten.

*Martin Senn ist Heilpädagoge an der Oberstufe Walchwil und u. a. Vertreter der Lehrerschaft in der Walchwiler Schulkommission sowie aktiv im Lehrerinnen- und Lehrerverein des Kantons Zug, martin.senn@schule-walchwil.ch.

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