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Brigit Eriksson-Hotz: Bildung in Diskussion

Im Zug der Sparmassnahmen gerät auch die Bildung unter Druck. Die Voten der Expertinnen und Experten von Lehrerschaft und Lehrerverbänden müssen ernst genommen werden. Von Brigit Eriksson-Hotz* ...
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Im Zug der Sparmassnahmen gerät auch die Bildung unter Druck. Die Voten der Expertinnen und Experten von Lehrerschaft und Lehrerverbänden müssen ernst genommen werden.

Von Brigit Eriksson-Hotz*

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung", sagte John F. Kennedy. Von „keiner Bildung" kann in der Schweiz keine Rede sein. So gehört die Schweiz gemäss OECD Bildungsbericht 2014 Bildung auf einen Blick bezüglich Bildungsinvestitionen zu den Spitzenländern. Wie wichtig Investitionen in die Kompetenzen der Bevölkerung sind, hat der Bildungsökonom Ludger Wössmann in der NZZ vom 21. Oktober 15 dargelegt: Er erläutert, dass sich Investitionen wirtschaftlich dann besonders auszahlen, wenn möglichst hohe Bildungsleistungen in der Breite und an der Spitze erreicht werden.

Dass die Schweiz bezüglich Bildungsleistungen gut unterwegs ist, zeigen nicht nur die grundsätzlich guten Resultate der Volksschule, wie sie beispielsweise von PISA immer wieder attestiert werden. Auch mit der Berufsbildung, deren Erfolgsgeschichte international ausstrahlt, mit den Mittelschulen, die einen prüfungsfreien Hochschulzugang eröffnen oder mit den Leistungen der Hochschulen, die in Bezug auf Forschung und Innovation zu den führenden gehören, steht die Schweiz gut da.


Obwohl die Bedeutung von Bildung in der Schweiz breit anerkannt und das Verständnis um die Bedeutung des „Rohstoffs Bildung" hoch sind, gerät auch der Bildungssektor im Zug der Sparmassnahmen unter Druck. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH rechnet im Schweizer Bildungswesen mit geplanten resp. bereits realisierten Einsparungen von 180 Millionen Franken zwischen 2013 bis 2018. Er warnt vor einem Bildungsabbau (NZZ am Sonntag, 27.9.15). Auf www.schulinfozug.ch berichtet Martin Senn am 4.11.2015 mit Verweis auf das Nachrichtenmagazin 10 vor 10 gar von 500 Millionen Franken Bildungseinsparungen und führt dazu aus: „Die gravierenden Folgen werden erst in einigen Jahren zu spüren sein, wenn deren schnelle Behebung kaum mehr möglich ist. Wie bei vielen Krankheiten ist es dann zu spät, wenn es richtig weh tut."

Die Voten der Expertinnen und Experten von Lehrerschaft und Lehrerverbänden müssen ernst genommen werden. Sie zeugen nicht von Eigennutz oder gar Unflexibilität, sondern von Engagement und einer Sorge um die Schule und die Bewältigung der ihr gestellten Aufgaben. Diese Aufgaben sind anforderungsreich - sie waren wohl noch nie so herausfordernd wie heute.

Mit der zunehmenden Heterogenität der Gesellschaft, der globalisierten wirtschaftlichen Entwicklung und der internationalen politischen Instabilität nimmt der Druck auch auf die Schulen zu. Erwartet werden noch bessere Leistungen. Gemäss dem Anspruch „no child left behind" soll allen Schülerinnen und Schülern die Erreichung der Grundkompetenzen garantiert werden (HarmoS-Konkordat, Artikel 10 Absatz 2, Erreichen der nationalen Bildungsziele). Darüber hinaus soll für alle jungen Menschen ein erfolgreicher Start in die Arbeitswelt möglich sein. Wir können es uns nicht leisten, junge Leute durchs Netz fallen oder Potentiale brach liegen zu lassen. Wollen wir die Innovationskraft, die Wettbewerbsfähigkeit, die Gesundheit und das Wohlergehen in der Schweiz erhalten, brauchen wir für unsere Wissensgesellschaft ein nachhaltig hohes, den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechendes Bildungsniveau.

Die Debatte um die Kosten und damit um den Wert der Bildung ist im Gang. Sie ist wünschenswert, muss aber differenziert geführt werden. Die Politik steht vor der schwierigen Aufgabe, im Spannungsfeld zwischen verfügbaren Mitteln und gerechtfertigten Ansprüchen den richtigen Weg zu finden. Die Mitarbeitenden von Bildungsinstitutionen ihrerseits haben dafür zu sorgen, dass die Bildungspolitik auf ihr engagiertes und kompetentes Mitdenken bei der Suche nach notwendigen und an der Bildungsqualität orientierten Lösungen zählen kann.


Eingeschlagene Wege werden nicht immer von allen als richtig eingeschätzt werden. Statt die Fronten zu verhärten, ist ein verstärktes Miteinander gefragt. Gefragt ist das Vertrauen aller, dass die verschiedenen Seiten sich sehr wohl für hervorragende Bildungsangebote in den Kantonen einsetzen. Gemeinsam im Dialog ist nach tragfähigen Lösungen zu suchen, damit eine qualitativ hochstehende Bildung aufrechterhalten werden kann.

Bei allem gilt zu bedenken, dass auch die nicht monetäre Seite der Bildung genügend Beachtung findet: Bildung heisst nicht nur verwertbares Wissen und Können, Bildung heisst auch Persönlichkeitsbildung und Potentialentfaltung, heisst Selbstbestimmung, Mündigkeit und Verantwortungsbewusstsein sich und den anderen gegenüber. Eine so verstandene Bildung trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz bei – ein Zusammenhalt, der angesichts der globalen Herausforderungen ein Gebot der Stunde ist. Unsere öffentliche Schule leistet hier Unschätzbares.

Die öffentliche Schule ist ein hohes Gut, dem Sorge zu tragen ist. Deswegen braucht Schule für ihre wichtigen Aufgaben genügend Ressourcen. „Gute Bildungspolitik", so sagt es Wössmann in der NZZ, ist „langfristig wohl die beste Wirtschaftspolitik". Gute Bildungspolitik lässt die Schweiz weiterhin an der Spitze mithalten.

* Prof. Dr. Brigit Eriksson-Hotz ist Rektorin der Pädagogischen Hochschule Zug und Co-Leiterin Zentrum Mündlichkeit an der PH Zug (seit 2009), .

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