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31.03.2026

Die Bildungspolitik der Zuger Parteien

31.03.2026
Im Wahljahr fragt www.schulinfozug.ch bei den Kantonsratsfraktionen nach: Wie habt ihr's mit der Bildungspolitik?
Zuger Wahlen 2026
Bildungspolitik wird im Zuger Kantonsrat gross geschrieben. In allen Fraktionen. Für www.schulinfozug.ch zeigen die Parteien, worauf sie dabei ihren Fokus legen und wofür sie sich einsetzen. Den Auftakt machen Die Mitte, FDP und SP. Anfang Mai folgen SVP, ALG und GLP. Die Beiträge werden miteinander verlinkt, sodass der Überblick über alle Standpunkte gewahrt bleibt. Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Milizpolitikerinnen und -politiker für solche Anliegen immer auch noch Zeit finden. www.schulinfozug.ch bedankt sich bei allen fürs unkomplizierte Mitmachen.

Gemeinsam erfolgreich – mit Der Mitte

AB
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Anna Bieri, Kantonsrätin, Die Mitte

Stellen wir uns vor, die Bildungspolitik würde sich selbst ein Zeugnis ausstellen: Die Noten wären wohl durchwegs solide bis hervorragend – und in der Kompetenz «Selbsteinschätzung»?

Genauso wenig wie gute Bildung in Lehrplänen alleine entsteht, kann Bildungspolitik in Verordnungen von oben herab stattfinden. Sie wächst dort, wo Schulen, Lehrpersonen, Eltern und Politik Hand in Hand mit dem Fokus auf das Kind zusammenarbeiten. Die Mitte im Kanton Zug setzt auf dieses Miteinander. Wir möchten zuhören, Erfahrungen aus dem Schulalltag ernstnehmen und Lösungen gemeinsam mit der Bildungspraxis gestalten.

Unser Ziel ist klar: beste Voraussetzungen für alle Kinder und Jugendlichen – unabhängig von ihrem Hintergrund und ihrem gewählten Bildungsweg. Doch wie setzen wir dies konkret in unserer Politik um?

Ein zentraler Baustein für Chancengerechtigkeit ist die Sprache. Wer mit ausreichend Deutschkenntnissen in den Kindergarten eintritt, hat bessere Chancen – in der Schule, im Beruf und in der Gesellschaft. Deshalb setzt sich die Mitte für gezielte, frühzeitige Förderung ein. Dies entlastet nicht nur die Lehrpersonen und das Klassengefüge, sondern stärkt das einzelne Kind und damit seine Chance von Anfang an. Unsere Motion «mit ausreichend Deutschkenntnissen in den Kindergarten» ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Auch auf der Sekundarstufe I engagieren wir uns für durchlässige und faire Bildungswege. Mit Modellen wie «BM Sek I plus» wollen wir leistungsbereiten Jugendlichen zusätzliche Perspektiven eröffnen und die Anschlussfähigkeit zwischen Schule und Berufsbildung weiter stärken. Unsere Sekundarschule soll als attraktiver Bildungsweg weiter gestärkt werden.

Dabei ist uns wichtig: Es gibt nicht den einen «richtigen» Weg. Gymnasium und Berufsbildung stehen nicht übereinander, sondern nebeneinander. Jeder Bildungsweg hat seinen Wert und seine Berechtigung. Entscheidend ist, dass junge Menschen ihren Weg finden – passend zu ihren Stärken und Zielen.

Ein weiterer Meilenstein für mehr Chancengleichheit war der Beitritt zum Stipendienkonkordat. Bereits 2015 hat die Mitte dieses Anliegen angestossen und konsequent durch alle politischen Instanzen getragen. Heute ist es umgesetzt – und sorgt dafür, dass finanzielle Hürden Bildungschancen nicht länger einschränken.

Gute Bildungspolitik schafft Rahmenbedingungen, aber sie ersetzt nicht die pädagogische Verantwortung vor Ort. In der Diskussion um digitale Geräte im Unterricht setzten wir uns dafür ein, dass ihr sinnvoller schulischer Einsatz in die Hände der Schulen und Lehrpersonen gehört – nicht in starre politische Verbote.

Für uns ist klar: Erfolgreiche Bildungspolitik entsteht im Dialog. Darum setzen wir uns auch in Zukunft dafür ein, dass Politik und Bildung im Kanton Zug gemeinsam Lösungen entwickeln. Und vielleicht zeigt sich der wahre Erfolg guter Bildungspolitik am Ende nicht in einem Zeugnis – sondern in den Chancen unserer Kinder.

Anna Bieri ist Mathematiklehrerin an der Kantonsschule Zug. Seit 2011ist sie im Zuger Kantonsrat, aktuell deren Vizepräsidentin und in den Kommissionen für Bildung bzw. Gesundheit und Soziales. Sie lebt mit ihrem Mann und den drei schulpflichtigen Kindern in Hünenberg.

Bildungspolitik der Zuger FDP im Konkreten: Qualität, Durchlässigkeit und starke Perspektiven

PL
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Peter Letter, Kantonsrat, FDP

Für die FDP ist Bildung ein zentraler Erfolgsfaktor für den Kanton Zug. Wir setzen uns für ein leistungsfähiges, durchlässiges und lebensnahes Bildungssystem ein. Gute Bildungspolitik bedeutet für uns: hohe Qualität auf allen Stufen, starke Lehrpersonen, faire Chancen für unterschiedliche Begabungen und Bildungswege sowie Investitionen dort, wo sie Wirkung entfalten. Entscheidend ist, dass Schulentwicklung auf klaren Daten, Lernerfolgen und praxistauglichen Lösungen beruht.

Konkret engagiert sich die FDP-Fraktion insbesondere dort, wo die Grundlagen gelegt werden: in der Volksschule und in der Berufsbildung. In der Volksschule wollen wir die Lehrpersonen stärken und die Unterrichtsqualität verbessern. Ein FDP-Postulat verlangt eine kritische Auslegeordnung zum Fremdsprachenunterricht auf Primarstufe und Sekundarstufe I, verbunden mit Massnahmen für bessere Lernerfolge. Gleichzeitig setzt sich die FDP für Bürokratieabbau, starke Grundkompetenzen und gute Rahmenbedingungen ein, damit sich Lehrpersonen auf ihren Kernauftrag konzentrieren können.

Ebenso wichtig ist für uns die Stärkung des dualen Bildungswegs. Die Berufsbildung ist für den Werk-, Dienstleistungs- und Wirtschaftsstandort Zug zentral. Mit Vorstössen zur Förderung attraktiver Lehrstellen in gewerblichen Berufen hat die FDP angestossen, wie Lehrbetriebe besser unterstützt und Verbundlösungen ausgebaut werden können. Ziel ist, die Attraktivität der Berufslehre zu erhöhen, KMUs zu entlasten und Jugendlichen vielfältige Karrierewege zu eröffnen.

Im Bereich Sekundarschule und Gymnasium setzt die FDP auf faire Übergänge und transparente Qualität. Wir wehrten uns gegen starre Gymi-Quoten mit Übertrittsprüfung. Stattdessen wollen wir förderorientierte Lösungen. Die Bildungskommission des Kantonsrates hat deshalb einen Gegenvorschlag zum Übertrittsverfahren erarbeitet: prüfungsfreier Übertritt, ergänzt durch kantonale Leistungstests in Deutsch und Mathematik. Das stärkt die Vergleichbarkeit und stützt das Lehrpersonenurteil.

Parallel dazu hat die FDP die Qualitätssicherung an den Zuger Gymnasien vorangetrieben. Mit einer Interpellation zum Studienerfolg von Zuger Maturandinnen und Maturanden sowie einem Postulat zur Qualitätssicherung verlangten wir mehr Transparenz, bessere Datennutzung und aussagekräftigere Vergleiche. Ebenso haben wir uns früh für zusätzliche Kurzzeitgymnasiums-Standorte eingesetzt. Das trägt dazu bei, die Sekundarstufe zu stärken und den Zugang zu Mittelschulen geografisch ausgewogener zu gestalten.

Schliesslich gehört für die FDP auch Forschung und Innovation zur Bildungspolitik. Mit einer Motion zur Förderung von Forschung und Entwicklung an der Fachhochschule Zentralschweiz will die FDP die Innovationskraft des Kantons gezielt stärken. Denn ein starker Bildungsstandort Zug braucht nicht nur gute Schulen, sondern auch leistungsfähige Hochschulen und praxisnahe Forschung.

Unser Anspruch ist klar: Zug soll auf allen Bildungsstufen stark bleiben – von der Volksschule über die Berufsbildung und Gymnasien bis zur Hochschule.

Peter Letter ist seit 2015 für die FDP im Kantonsrat und befasst sich insbesondere mit Fragestellungen zu Bildung, Innovation, Wirtschaftsstandort, Raumplanung und Mobilität. Er ist Präsident der Bildungskommission des Kantonsrates und Mitglied der Kommission für Raum, Umwelt und Verkehr. Beruflich führt er sein eigenes Beratungsunternehmen für Unternehmensnachfolgen und ist Mitglied in mehreren Verwaltungsräten. Peter Letter ist verheiratet und Vater von zwei Kindern im Teenage-Alter.

Vielfalt im Klassenzimmer – für die SP eine Chance mit Bedingungen

MSS
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Michèle Schmid, Kantonsrätin, SP

Wer heute ein Klassenzimmer betritt, sieht vor allem eines: Vielfalt. Kinder mit unterschiedlichen Sprachen, Lernständen, Temperamenten und Voraussetzungen lernen gemeinsam. Diese Heterogenität gehört längst zum Alltag der Schule und sie wird in Zukunft eher noch zunehmen.

Gleichzeitig werden heute mehr Kinder durch eine Fachstelle abgeklärt als früher. In der Entwicklungspädiatrie des Kinderspitals Zürich warten laut dem Kinderarzt Oskar Jenni derzeit über 2000 Kinder auf eine Abklärung, mit Wartezeiten von 12 bis 18 Monaten. Gründe dafür sind unter anderem, dass Fachpersonen heute besser ausgebildet sind und Entwicklungsauffälligkeiten früher erkennen. Auch werden Verhaltensprobleme weniger tabuisiert als früher. Dass Kinder schneller Unterstützung erhalten können, ist grundsätzlich positiv – früher litten viele von ihnen still, ohne gezielte Hilfe zu bekommen (vgl. Jenni, 2024).

Doch die Situation im Klassenzimmer zeigt auch strukturelle Grenzen. Lehrpersonen unterrichten häufig grosse und sehr heterogene Klassen. Einige Kinder brauchen intensive Unterstützung, andere zusätzliche Förderung. Häufig erhalten Kinder erst dann zusätzliche Unterstützung, wenn eine Diagnose vorliegt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Schule und Leistung.

Dass dieses Thema dringend ist, zeigt auch ein Austausch am „Forum Gute Schulen“ vom 14. März 2026: Zuger Rektorinnen und Rektoren, Schulpräsidentinnen und Präsidenten sowie Mitglieder von Schul- und Bildungskommissionen haben sich damit auseinandergesetzt, wie Schulen mit wachsender Heterogenität umgehen können. Viele waren sich einig, dass Lösungen nicht allein im Klassenzimmer gefunden werden können.

Wenn Vielfalt im Klassenzimmer gelingen soll, braucht es deshalb nicht nur mehr Abklärungen, sondern auch politische Antworten.

Erstens braucht es mehr personelle Ressourcen im Unterricht. Teamteaching, heilpädagogische Unterstützung und kleinere Klassen würden es Lehrpersonen ermöglichen, besser auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen.

Zweitens stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt der schulischen Selektion. Jenni weist darauf hin, dass im Schweizer Schulsystem sehr früh über Bildungswege entschieden wird, was bei Kindern grossen Druck auslösen kann. Eine Schule, die Entwicklung stärker berücksichtigt, müsste Kindern mehr Zeit geben.

Drittens braucht es mehr Unterstützung für Lehrpersonen. Sie sind oft diejenigen, die im Alltag entscheiden, ob ein Kind gesehen und gefördert wird. Damit sie diese Aufgabe erfüllen können, brauchen sie Zeit, Ressourcen und gesellschaftliche Anerkennung.

Die Schule spiegelt den gesellschaftlichen Wandel. Vielfalt ist keine Ausnahme mehr, sondern Normalität. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Heterogenität existiert – sondern ob wir den Schulen die Bedingungen geben, mit ihr gut umgehen zu können.

Quelle (Link:) Interview mit Oskar Jenni, Universität Zürich (UZH News), 2024.

Michèle Schmid ist SP-Kantonsrätin, Mutter von einem Sohn und Primarlehrerin.

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