Die Bildungspolitik der Zuger Parteien, II/II
| Zuger Wahlen 2026 Bildungspolitik wird im Zuger Kantonsrat grossgeschrieben. In allen Fraktionen. Für www.schulinfozug.ch zeigen die Parteien, worauf sie dabei ihren Fokus legen und wofür sie sich einsetzen. Hier die Beiträge der SVP, ALG und GLP. Den Auftakt machten im April Die Mitte, FDP und SP. Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Milizpolitikerinnen und -politiker für solche Anliegen immer auch noch Zeit finden. www.schulinfozug.ch bedankt sich bei allen fürs unkomplizierte Mitmachen. |
Gerecht ist, was Chancen schafft – dafür setzt sich die SVP ein
Der starke Zuger Sekschüler von früher ist immer öfter ein Kantischüler. Er fehlt heute in der Sek. Das wissen die Seklehrpersonen. Dabei ist die Sek das Rückgrat der Schweizer Bildungslandschaft. Weil an die Sek die meisten Bildungswege anschliessen. Gerade die Wege über die Berufsbildung – heute oft mit einer Berufsmatura verbunden – bieten Aufstiegsmöglichkeiten, die es so in vielen anderen Ländern nicht gibt. Dafür ist dort die Matura nichts mehr wert. Wer wirklich soziale Mobilität will, muss die Aufstiegschancen über die Sek und die Berufsbildung pflegen. Dafür setzt sich die Zuger SVP ein.
Lesen, Rechnen und Schreiben öffnen uns die Tür zur Welt. Nur wer diesen Schlüssel besitzt, kann sich ein eigenes Bild machen – und genau dort beginnt Freiheit. Wenn die Zuger Mädchen im Fach Mathematik den Knaben schon in der Primarschule stärker hinterherhinken als in anderen Kantonen [1], dann braucht es Gegensteuer. Wenn der Lehrplan beim Rechtschreiben zu wenig ambitioniert ist, dann braucht es Gegensteuer. Wo die Breite des Lehrplans Vertiefung und Üben verhindert, braucht es Gegensteuer.
Die Hinweise darauf, dass KI und Roboter Fachwissen und Können bald überflüssig machen werden, lenken davon ab, dass ambitionierte Eltern die Kulturkompetenzen bei ihrem Nachwuchs fördern. Sie wissen genau warum. Darin zeigt sich, dass fachliches Mitleid die Verhältnisse zementiert. Wer für Kinder und Jugendliche aus weniger bildungsbewussten Familien etwas tun will, muss mit ihnen hohe fachliche Ziele erreichen. Gerade in Deutsch und Mathematik. «Du schaffst das!», ist das Motto der chancengerechten Schule.
Als Schulpräsidentin weiss ich, dass wir im Kanton Zug sehr viele sehr gute Lehrerinnen und Lehrer haben. Ich bin sehr dankbar dafür. Gute Rahmenbedingungen bieten den Lehrpersonen Freiräume und Halt, aber auch Schutz. Etwa vor überrissenen Ansprüchen. Die Schule kann zum Beispiel nicht die Reparaturwerkstatt der Gesellschaft sein. Bei der Integration wird aber genau das von ihr erwartet.
Die SVP setzt sich dafür ein, dass die Politik die Grenzen der Integration anerkennt. Bei Verhaltensauffälligkeit wird diese Grenze oft überschritten. Einzelne Schülerinnen und Schüler beanspruchen zu viele Ressourcen, worunter alle anderen leiden.
Mit den Schulinseln oder ähnlichen temporärseparativen Einrichtungen muss künftig jede Zuger Schule über ein niederschwelliges Entlastungsangebot verfügen, damit die Lehrpersonen schnell und unbürokratisch auf Verhaltensauffälligkeit reagieren können. So schaffen wir Raum und Zeit für nachhaltige Lösungen. Die SVP setzt sich dafür ein, dass Integration machbar bleibt. Auch das schafft echte Chancen.
[1] Kantonaler Leistungsbericht: Zuger Mädchen hinken schon in der Primarschule im Fach Mathematik hinterher. Zuger Zeitung vom 16.12.2025.
| Brigitte Wenzin Widmer ist seit 2018 Kantonsrätin für die SVP und Mitglied der kantonalen Bildungskommission. Seit 2023 ist sie Gemeinderätin und Schulpräsidentin von Cham. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. |
Gute Bildung für alle – Bildungspolitik der Alternative - die Grünen
Bildung ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und einer zukunftsfähigen Demokratie. Für die Alternative - die Grünen Zug (ALG) steht eine öffentliche Schule im Zentrum, die alle Kinder und Jugendlichen stärkt – unabhängig von Einkommen oder familiärem Hintergrund.
Kinder und Jugendliche sollen ihr Potential ausschöpfen können. Damit jedes Kind die Unterstützung erhält, die es braucht, setzt sich die ALG ein für gute Betreuungsstrukturen, ausreichende Ressourcen für integrative Förderung wie auch für die Förderung von Stärken. In unserer schnelllebigen Zeit ist es sowohl für die Einzelnen wie auch für die Gesellschaft zentral, dass möglichst alle über einen Berufsabschluss oder einen allgemeinbildenden Abschluss verfügen.
Eine spezielle Herausforderung ist heute die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der wachsende Druck auf viele Kinder und Jugendliche ist ernst zu nehmen. Die Schule soll ein Ort sein, der Leistung ermöglicht und fördert, ohne Menschen zu überfordern. Die ALG setzt sich deshalb ein für genügend Unterstützung und Resilienz fördernde Massnahmen. Dazu gehören genügend Bewegung, gesunde Tagesstrukturen, Erholungsphasen, Prävention und eine starke Schulsozialarbeit. Wer gesund lernen will, braucht ein Umfeld, das Stabilität, Beziehung und Unterstützung bietet.
Gute Arbeitsbedingungen für Lehr- und Fachpersonen sind die Grundlage für ein tragfähiges Bildungssystem von hoher Qualität. Zentral dafür sind tragbare Klassengrössen, verlässliche Unterstützungssysteme, genügend Vorbereitungszeit und funktionierende Entlastungsstrukturen. Der Druck auf Schulen, Lehrpersonen und Schulleitungen ist real. Die ALG fordert deshalb, dass die notwendigen Ressourcen gesprochen werden, wenn Aufgaben aufwändiger werden oder die Schule Zusatzaufgaben übernehmen muss.
Die ALG steht für eine Schule, die Kinder und Jugendliche auf die Zukunft vorbereitet. Dazu gehören soziale Kompetenzen, solide Grundlagen in Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften wie auch Medien- und Demokratiebildung. Gerade der Umgang mit Bildschirmzeit, digitalen Medien und Künstlicher Intelligenz muss bewusst gelernt werden. Kinder und Jugendliche sollen digitale Werkzeuge sinnvoll nutzen können, ohne von ihnen abhängig zu werden. KI ist süsses Gift. Das eigenständige Denken muss geübt werden, die Schule Orientierung geben: bei Konzentration und Lernverhalten, bei Datenschutz und Quellenkritik, bei der Frage, was KI leisten kann und wo eigenes Denken und menschliches Urteil unersetzlich bleiben.
Gute Bildungspolitik denkt vom Kind her – und sie denkt langfristig. Gute Bildung darf nicht vom Wohnort oder von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen. Deshalb unterstützt die ALG faire Zugänge zu Tagesstrukturen, ausserschulischen Angeboten und weiterführenden Bildungswegen.
Unser Ziel ist eine Schule im Kanton Zug, die leistungsfähig und menschlich zugleich ist: inklusiv, gerecht, hochwertig und zukunftsorientiert.
| Tabea Zimmermann (verheiratet, zwei erwachsene Söhne) studierte Geschichte und Englisch an der Universität Zürich und ist seit 1998 Lehrerin und Klassenlehrperson an einer Kantonsschule in Luzern. |
Vernetzte, nachhaltige und zukunftsorientierte Bildung mit der GLP
Die Schule von heute entscheidet darüber, wie wir morgen leben, arbeiten und als Gesellschaft zusammenwirken. Die Zuger Volksschule steht vor konkreten Weichenstellungen: Revision des Konzepts Sonderpädagogik (KOSO), Anpassung des Übertrittssystems, wachsende Heterogenität in den Klassenzimmern sowie psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Diese Debatten verdienen Fakten statt Bauchgefühl und funktionierende Strukturen statt guter Absichten.
Ein Beispiel zeigt, wo der Kanton Zug strukturell hinterherhinkt: die Digitalisierung. Der Lehrplan 21 verlangt digitale Kompetenzen nicht nur im Fach Medien und Informatik, sondern fächerübergreifend. Finanzierung, Infrastruktur und Steuerung überlässt der Kanton jedoch weitgehend den elf Gemeinden. St. Gallen investiert 75 Millionen in eine IT-Bildungsoffensive, Luzern koordiniert die Gerätebeschaffung kantonal, Basel-Stadt finanziert die Digitalisierung der Volksschule zentral – Zug als einer der wohlhabendsten Kantone steht auffällig passiv da. Die iPad-Debatte Anfang Jahr hat das Dilemma offengelegt: Kanton und Gemeinden beanspruchen die Qualitätssicherung beide für sich, doch die heutige Aufgabenteilung führt zu Konfrontation statt Kooperation.
Dabei funktioniert kantonale Koordination in Zug durchaus: Bei den Lehrmitteln sichert der Kanton die Qualität und koordiniert die Beschaffung. Mit der Digitalisierung verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Lehrmitteln, Software und KI-Plattformen. Qualitätssicherung beim Inhalt ohne gemeinsame Standards bei Plattformwahl oder Datenschutz genügt nicht mehr. Während andere Kantone KI-Plattformen zentral evaluieren und lizenzieren, entscheidet in Zug jede Gemeinde für sich, mit unterschiedlichen Qualitätsmassstäben und Rechtsauslegungen.
Dieses Beispiel steht stellvertretend für eine grundsätzliche Herausforderung. Es braucht verbindlichere Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinden, damit alle Schülerinnen und Schüler vergleichbare Voraussetzungen haben und Lehrpersonen entlastet werden.
Neben strukturellen Fragen setzt die GLP auch inhaltlich klare Schwerpunkte. Wir stehen für ein Bildungssystem, das individuelle Stärken fördert, Chancen schafft und junge Menschen befähigt, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden. Bildung muss junge Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten. Dazu gehören Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeit ebenso wie ein vertieftes Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wollen wir diese Perspektiven stärker im Schulalltag verankern. Voraussetzung dafür sind gute Rahmenbedingungen für Lehrpersonen, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen statt politischen Bauchentscheiden.
Für die GLP ist Bildungspolitik dann erfolgreich, wenn sie evidenzbasiert, lösungsorientiert und langfristig gedacht ist. Wir setzen uns dafür ein, dass der Kanton Zug auch in Zukunft ein Bildungsstandort bleibt, der Qualität, Innovation und Chancengerechtigkeit verbindet.