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Eigene Kinder — neuer Blickwinkel auf die Schule

07.05.2014
Wenn Ihre Kinder noch zur Schule gehen und Sie in einem Teil- oder Vollpensum unterrichten, dann sind Sie eine Fachperson für Elternarbeit. Erfahrungen mit den Lehrpersonen der eigenen Kinder stehen ...
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Wenn Ihre Kinder noch zur Schule gehen und Sie in einem Teil- oder Vollpensum unterrichten, dann sind Sie eine Fachperson für Elternarbeit. Erfahrungen mit den Lehrpersonen der eigenen Kinder stehen im Kontrast zu jenen mit den Eltern Ihrer Schüler. Lesen Sie beruhigt weiter, nichts wird Sie mehr erschüttern können.

Von Martin Senn

Ich würde aber ganz gerne wissen: „Wie schaffen Sie es, diese Erfahrungen und Rollen überzeugend in Einklang zu bringen, ohne dass unterdrückter Ärger, gutgemeinte Heuchelei oder beissende Ironie über den Einbezug von Eltern in der Schule dominieren“? Wäre diese Ausgabe der Zuger Schulinformationen als Online Plattform interaktiv, könnten Sie hier klärende Antworten auf meine Frage posten und die Website würde unter dem Ansturm der Ratsuchenden zusammenbrechen.

Es ist wieder soweit, die jährlichen Schulbesuchstage sind angesagt. Zuerst besuche ich unser älteres Kind in der Mittelstufe. Hier bin ich bereits nach fünf Minuten auf meine schauspielerischen Fähigkeiten angewiesen. Weder will ich nervend den vollständig vertieften Kindern bei ihrer Wochenplanarbeit in Mathematik über die Schultern schauen, noch mich an der unanständig störenden Konversation der anwesenden Eltern beteiligen. So täusche ich professionelles Interesse vor, studiere Schülerarbeiten und schaffe es, mein Gähnen unauffällig zu unterdrücken. Der Unterricht ist nicht einmal auf eine Flüsterkultur angewiesen, da Kommunikation und Austausch schlicht nicht stattfinden. Beeindruckt bin ich von der Disziplin der Kinder, eine gefragte Kompetenz.

Glücklicherweise sucht unser Sohn meinen Blick und es gelingt mir mit Handzeichen zu deuten, dass ich noch unsere Tochter besuchen will. Kopfnicken als Antwort. Auf dem Weg zur Unterstufe speichere ich die gemachten Erfahrungen als Vorsätze für meinen eigenen Unterricht und für die kommenden Elternbesuchstage.

Im Schulzimmer der Unterstufe angekommen, zieht mich bewegter und bewegender Unterricht in seinen Bann. Hier erlebe ich ansteckende Frische und natürliche Ungezwungenheit beim lernenden Tun. Die anwesenden Eltern strahlen und würden wie ich gerne mitmachen. Wohl hat meine Tochter meine Anwesenheit registriert, aber ihre Aufmerksamkeit bleibt beim auf den Lerninhalt ausgerichteten Miteinander des Unterrichtsgeschehens. Ich blicke auf die Uhr und stelle mit schlechtem Gewissen fest, dass ich meine Elternzeit unfair verteile.

Eigene Kinder verändern die Sichtweise zur Schule. Es entstehen Situationen, für die es keine eindeutigen Antworten gibt. Wie bringe ich mich als „Eltern“ in der Schule meiner Kinder ein? Darf ich den Lehrpersonen von meinen Eindrücken am Besuchstag berichten? Soll ich mein Lob zurückmelden oder wären auch kritische Elternbemerkungen möglich? Nun, ich halte es wie mit meinen Schülern; Anteilnahme, sichtbare Anerkennung und echtes Lob können viel bewirken. Mit grosser Zurückhaltung, die eher meiner Natur entspricht, habe ich gute Erfahrungen gemacht. Für Weiterbildung oder Schulentwicklung in der Schule meiner Kinder kann und will ich nicht zuständig sein. Ist das Wohl meiner Kinder ernsthaft in Gefahr, reagiere ich jedoch deutlich.

Zum Schluss noch ein Geständnis, – ehrlich, –  zur Zeit schaffe ich es, beide Rollen ohne Konflikte zu leben. Meine Kinder haben die Volksschule vor mehreren Jahren verlassen.

Martin Senn ist Heilpädagoge an der Oberstufe Walchwil und u. a. Vertreter der Lehrerschaft in der Walchwiler Schulkommission sowie aktiv im Lehrerinnen- und Lehrerverein des Kantons Zug, martin.senn@schule-walchwil.ch.

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