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Hans Hess: Kompetenzen für Jugend und Wirtschaft

Erstellungsdatum 22.09.2015 19:04

Was hält der Präsident von Swissmem vom Lehrplan 21? Und wie kann die Schule in seinen Augen von der Berufsbildung profitieren? Der erprobte Unternehmer scheut sich nicht vor klaren Antworten.

Von Martina Krieg

Hans Hess*, wo sehen Sie die Stärken der dualen Berufsbildung?
Beides ist wichtig, die duale Berufsbildung und der Weg über die Maturität. Die Wege sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Schweizer Wirtschaft benötigt rund 70% der Schulabgänger, die eine Berufsbildung antreten. Die höhere Berufsbildung und die permanente Weiterbildung muss gestärkt werden. Die Selektion für Studierfähigkeit dürfte nicht erst an der Uni passieren, sondern müsste schon vor oder im Gymnasium erfolgen. Die Berufsbildung wie wir sie in der Schweiz kennen, ist einer der Gründe für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft. Unsere Effizienz, Innovation, die Qualität und die Kundenzufriedenheit wird durch unsere qualifizierten Fachleute sichergestellt. Ausserdem ist die Berufsbildung ein ausgezeichnetes Sprungbrett für die Weiterbildung. Für Lernende ist es interessant, weil die Ausbildung einen so hohen Praxisbezug hat.

Welche Fähigkeiten sucht die Wirtschaft bei jungen Lernenden?
Die Wirtschaft benötigt Arbeitnehmende, die ihre eigenen Kreativität einsetzen, Ideen entwickeln und dabei kritikfähig bleiben. Natürlich sollen sie interessiert und neugierig sein für ihr Handwerk und gewillt, sich das nötige Wissen und vor allem die Kompetenz anzueignen. In ihrer Arbeit müssen sie methodisch und überlegt vorgehen. Teamfähig zu sein ist heute absolut erforderlich, da Arbeitsfelder sehr viel komplexer sind als früher und man mit anderen Fachleuten zusammenarbeiten muss. Hier muss man oft sein Fachgebiet in einfachen Worten einer Person erklären können, damit gemeinsam eine Lösung für ein Problem gefunden werden kann.

Hans Hess Bildungskongress 2015
Prof. Volker Heyse (links), Hans Hess (rechts), getroffen am Bildungskongress 2015 in Zürich.

Welchen Herausforderungen muss sich die Berufsausbildung stellen?
Der demografische Wandel bewirkt, dass weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt gelangen. Problematisch ist auch der Wertewandel, denn viele Eltern und Jugendliche denken, eine Matura wäre eine bessere Ausgangslage für das Berufsleben. Dadurch spitzt sich der Mangel an den für die Firmen so wichtigen qualifizierten Fachkräften weiter zu. Die Berufsbildung muss also attraktiv bleiben und ihr Image wieder verbessern. Es ist interessant, dass heute grosse Länder wie USA die enorme Bedeutung einer guten Berufsbildung erkannt haben, und Experten und Bildungspolitiker in die Schweiz senden, um von unserem System zu lernen. Das sollte uns doch motivieren, unseren erfolgreichen Weg in der Berufsbildung weiterzugehen und noch besser zu werden.

Von welcher Praxis könnte die Schule von der Berufsausbildung profitieren?
In der Berufsbildung ist ein kompetenzbasiertes Lernen statt reiner Wissensvermittlung schon weit verbreitet. Jugendliche werden in der Berufsausbildung mit berufsnahen Problemen konfrontiert. Sie müssen dann ihr Wissen einsetzen, Strategien erarbeiten, Lösungen suchen, Wissen beiziehen. Sie beweisen also ihre Kompetenz, indem sie ein Problem lösen und nicht einfach gelerntes Wissen wiedergeben. Sie erwerben ihre Kompetenz durch eigene Erfahrung. Lernende sollten etwas tun dürfen statt belehrt zu werden. So bleiben sie neugieriger und motivierter.

"Veränderung ist nicht immer einfach. Ich bin jetzt seit über 35 Jahren in der Industrie. Und das Einzige, das in dieser Zeit konstant geblieben ist, ist dass ich mich ständig verändern und an neue Gegebenheiten anpassen musste" — Hans Hess.

Was halten Sie vom Lehrplan 21?
Der Lehrplan 21 wird von der Wirtschaft sehr gestützt. Kompetenzbasierte Bildung hat sich in der Berufsbildung schon längst bewährt und die Stärkung der MINT-Fächer ist schon lange ein Wunsch der Wirtschaft. Eine Harmonisierung der Bildung ist ebenfalls im Interesse der Wirtschaft, die Berufsbildung muss schweizweit darauf aufbauen können. Wer Widerstand leistet gegen den Lehrplan 21, handelt gegenüber den Jungen und der Wirtschaft verantwortungslos.

Was würden sie bevorstehenden Schulabgängern sagen?
Schülerinnen und Schülern rate ich, unbedingt in Firmen „schnuppern" zu gehen und sich ein oder mehrere Berufsbilder genauer anzusehen. Eine Lehre ist eine fundierte und grossartige Ausgangslage für eine aussichtsreiche Berufskarriere.

*Hans Hess ist Präsident von Sissmem. Der Verband vereint die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte technologieorientierte Branchen.
 
Kategorien: Gastkolumne

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