Update Bildungspolitik – Dezember 2025 bis Mitte Januar 2026
Sicherheit
Die Tragödie in Crans-Montana ruft in Erinnerung, dass Alarmierung, Evakuierung und das Verhalten am Sammelplatz durch die Schulen regelmässig geübt werden müssen. Das Schema ist immer dasselbe: Durchsprechen, durchgehen, durchrennen. Verantwortlich für die Sicherheit und Übungen sind die Schulträger: Der Kanton bei den kantonalen Schulen und die Gemeinden bei den gemeindlichen Schulen.
Kantonsrat
Sitzung vom 18.12.25, Geschäfte mit Bezug Bildung
Trakt. 6.5, Interpellation Haslimann/Schumpf betr. zukunftsfähige Nutzung der geplanten Vierfachhalle an der KSR: Kenntnisnahme; Verweis der Interpellanten auf die Motion #3864 der FDP betr. Ausbau der Sportförderung im Kanton Zug (zuständig: Gesundheitsdirektion).
Trakt. 6.3, Postulat Zimmermann Gibson/Mösch betr. Bildungsgutscheine für Erwachsene: als erledigt abgeschrieben.
Trakt. 6.9, Motion Grond et al. betr. finanzielle Unterstützung des Kantons Infrastrukturkosten der Gemeinden im Zsh. mit SEB: (im Sinne des Regierungsrats) für nicht-erheblich erklärt.
Standardisierte Leistungstests statt eine Übertrittsprüfung
Am 9.12.25 ist die Referendumsfrist zum Gegenvorschlag zur Gesetzesinitiative für die Beibehaltung des prüfungsfreien Übertritts an die Zuger Gymnasien unbenutzt verstrichen. Damit wird der Gegenvorschlag zur Übertrittsprüfung (Erhöhung der Vergleichbarkeit der Leistungsbeurteilung durch stufeneinheitliche Semesterprüfungen in Deutsch und Mathe von der 4. Klasse bis zum 2. Semester der 9. Klasse) umgesetzt. Zur Medienmitteilung geht es mit diesem Link. Siehe auch nachfolgendes Telegramm Bildungsrat.
Bildungsrat
Sitzung vom 7.1.26
- Der BIRA hat die Schwerpunkte für die externe Schulevaluation in den Jahren 2027 -2032 beschlossen. Es ist dies seit 2008 der vierte Durchgang. Die zwei Evaluationsschwerpunkte lauten:
1) Die Schule gestaltet ein positives Schulklima. Eine hohe Zufriedenheit der Schulbeteiligten zeichnet die Zuger Schulen aus. Dieser Schwerpunkt wird wiederholt erhoben, womit Längsschnittaussagen möglich werden. Die Unterpunkte dazu lauten:
▪ Förderung eines fairen und respektvollen Umgangs miteinander
▪ vielfältiges, anregendes Schulleben und angemessene Mitwirkungsmöglichkeiten
▪ hohes Wohlbefinden und Zufriedenheit der Schulbeteiligten
2) Unterricht und Handeln der Lehrperson. Professionelles pädagogisches Handeln der Lehrpersonen ermöglicht eine effektive Nutzung der Lernzeit. Die Unterpunkte dazu lauten:
▪ Lehrpersonen sind präsent und haben den Überblick über die Klasse
▪ passende Strukturierung und Rhythmisierung des Unterrichts
▪ transparente, angemessene Erwartungshaltungen der Lehrpersonen
▪ Lehrperson kommuniziert klar und verständlich
▪ gezielter Einsatz verlässlicher und strukturgebender Rituale
▪ Regeln des Zusammenlebens und -arbeitens sind formuliert und bekannt
▪ Passung von Lehr- und Lernformen auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler - Der BIRA hat die Evaluation von Sek I plus beraten. Die Zielerreichung von Sek I plus im Regelbetrieb soll mittels Fokusevaluation überprüft werden. Sek I plus hat vier Hauptziele, die es im 9. Schuljahr zu erreichen gilt. Zusätzlich wurden 24 Standards formuliert, deren Erfüllung und Ausgestaltung nun überprüft wird. Der Evaluationsbericht soll im Herbst 2026 vorliegen.
- Vorstellung Arbeitsstand standardisierte Leistungstests anstelle einer Übertrittsprüfung: Der Kantonsrat will mit den standardisierten Leistungstests – er hat diese als Gegenvorschlag zur Gesetzesinitiative für die Beibehaltung des prüfungsfreien Übertritts angenommen – die Vergleichbarkeit der Leistungsbeurteilung über Schulklassen und Gemeinden hinweg fördern und eichen, das Lehrpersonenurteil und die Lehrperson damit stärken sowie eine bessere Förderung der Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre hinweg ermöglichen. Die Abteilung Schulentwicklung im Amt für gemeindliche Schulen hat zur Umsetzung verschiedene Arbeitspakete festgelegt und die Arbeit am Projekt gestartet. In einem ersten Schritt soll die begleitende Fachgruppe aus der Zuger Schulpraxis gegründet werden. Der Zeitplan beinhaltet noch Unwägbarkeiten. Das Ziel besteht in einer Pilotdurchführung im Schuljahr 2027/28 und der ersten Durchführung im Schuljahr 2028/29.
- Pascal Niederberger, Rektor der Schulen Neuheim, wird als Vertreter der Mitte-Partei zu seiner ersten BIRA-Sitzung begrüsst. Das Kurzinterview mit ihm gibt's unter diesem Link. René Dubacher wird als neu amtsältester BIRA zum Vizepräsidenten BIRA gewählt.
Sitzung vom 3.12.25
- Der BIRA diskutiert die beiden hängigen politischen Vorstösse zum Frühfranzösisch (Postulat Hausheer et al. «Abschaffung des obligatorischen Schulfachs Frühfranzösisch zum dynamischen Sprachmodel 3/5» sowie Postulat Letter et al. «Auslegeordnung und Massnahmen zur Qualitätsverbesserung im Fremdsprachenunterricht der Volksschule»). Das Thema ist politisch umstritten. Der BIRA will sich in Kenntnis der Auslegeordnung i. Zsh. mit dem Postulat Letter nochmals vertieft mit der Zukunft des Frühfranzösisch befassen. Wie könnte bspw. ein Minimalansatz ausschauen, der rein aufs Spielerische fokussiert? Wie ein Maximalansatz mit höherem Ambitionslevel und bspw. einem Sprachdiplom am Ende der Primarschule? Wie steht es um die jüngsten Anstrengungen bei den Austauschprogrammen (siehe auch ganz unten im Medienspiegel)? Der BIRA beauftragt das Amt für gemeindliche Schulen mit weiteren Abklärungen. Beide Vorstösse müssen dem Kantonsrat vor den Sommerferien unterbreitet werden.
- Der BIRA will sich vertieft mit der Situation der Niveaufächer befassen. Dies vor dem Hintergrund, dass Niveaufächer einerseits Fördergefässe sind, aber auch selektionierend wirken. In einem ersten Schritt hat er im Rahmen des totalrevidierten Promotionsreglements die neue Vorgabe erlassen, dass eine Abstufung in das tiefere Niveau nur noch bei Noten unter 3,5 vorgenommen werden darf. Nach Einführung dieser Massnahme ab SJ 2026/27 wird der BIRA das Thema Niveaufächer im Herbst 2027 wieder aufnehmen.
- Der BIRA nimmt Kenntnis davon, dass die Umsetzung des Lehrplans für den Geschichtsunterricht evaluiert wird. Das entsprechende Postulat der SVP-Fraktion wurde im Kantonsrat erheblich erklärt.
- Vorstellung des Projekts «Unterschiede nutzen – Chancen erkennen»: Es gibt einen Impulskatalog PH Zug, aus dem ab SJ 2026/27 Projekte gebucht werden können. Die Bedürfnisse der Schulen im Umgang mit Heterogenität sind sehr unterschiedlich. Der Kanton spricht je Gemeinde max. 10 000 Franken für Pilotprojekte und Massnahmen.
- Vorstellung Bildungsmonitoring gemeindliche Schulen: Die Auswertung von Bildungsdaten wird geschickterweise aufbauend konzipiert. 1) Auswertung und Darstellung der bestehenden Daten, dann 2) die Verknüpfung bestehender Daten und zuletzt 3) die Erhebung neuer Daten. Im Fokus steht die Ausschöpfung der Möglichkeiten jeder Stufe, bevor die nächste Stufe angegangen wird. Die Überlegungen werden in den Aufbau eines Bildungsmonitorings einfliessen.
- Überfachliche Kompetenzen: Der Vertrag mit Menon wird gekündigt. Die Nutzungszahlen zeigen, dass die optionalen Funktionen des Instruments für die Arbeit an den überfachlichen Kompetenzen nur von sehr wenigen Lehrpersonen regelmässig genutzt werden. Das Menon zugrundeliegende und von den Zuger Lehrpersonen gemeinsam erarbeitete Kompetenzmodell (Übersetzung der personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen in die Altersstufen) soll auch in Zukunft genutzt werden können. Ein Evaluationsbericht folgt im Frühling 2026.
- Letzte Sitzung von Urban Bossard nach 25 Jahren im Bildungsrat. In seinem Beitrag in der Schulinfo lädt er zum Abschied zu einem Streifzug durch die Zuger Volksschulen ein.
Schulkommission der Mittelschulen
Sitzung vom 10.12.25
- Die standardisierte Abschlussklassenbefragung (SAB) wurde vorgestellt. Sie findet alle drei Jahre statt und zeigt Rückblicke der Schülerinnen und Schüler auf ihre gesamte Schulzeit. Die Rücklaufquote lag bei 71 %. Auffallend ist der hohe Anteil derjenigen, die bereits wissen, welches Studium sie aufnehmen möchten. Neben der SAB wird im gleichen Rhythmus die standardisierte Ehemaligenbefragung (SEB) durchgeführt. Diskutiert wurden Rücklaufquote, Unterrichtsstörungen, IT-Themen, Berufs- und Studienberatung, Begabungsförderung und Schulklima. Die Rücklaufquote soll künftig 90 % erreichen; aus den Ergebnissen sollen ein bis drei Verbesserungsschwerpunkte abgeleitet werden.
- Das Rahmenkonzept QSE wurde erneut erläutert. Ziel ist eine wirkungsvolle, alltagsintegrierte Qualitätsentwicklung mit Fokus auf Unterricht, systematische Reflexion und ein verbindliches Modell zur Qualitätskontrolle. Individualfeedback der Schülerinnen und Schüler ist ein Kernelement. Diskussionsthemen waren bestehende Instrumente, der Wandel von Pflicht zur Reflexion, die Verbindung von Qualitäts- und Schulentwicklung und die praktische Umsetzung.
- Zur Strategie der Schulkommission (SK) 2027–2030 wurde eine Überarbeitung beschlossen. Im Zentrum stehen Kernaufgaben, Zusammenarbeit der Akteure, Rechtsgrundlagen und eine praxisnahe Ausrichtung der neuen Strategie.
- Die gesetzlichen Grundlagen der kantonalen Mittelschulen sollen überarbeitet werden. Das geltende Gesetz ist veraltet und soll umfassend revidiert werden. Eine Projektgruppe und ein Projektplan werden vorbereitet.
- Aus den Mittelschulen wurde über externe Evaluationen, Leitbild- und Visionprozesse, Vorbereitungen auf neue Lehrpläne und die Umsetzung des neuen MAR (Maturitätsanerkennungsreglement) berichtet. Erste Rückmeldungen zum Phasenunterricht (Reduktion der in der gleichen Woche unterrichteten Fächer durch Gliederung in mehrwöchige Lernphasen statt in den klassischen Wochenunterricht) an der Kantonsschule Rotkreuz zeigen überwiegend positive Tendenzen.
- Beim Schulbesuch der Fachmittelschule erhielt die Schulkommission Einblick in den neuen Anbau (mit u. a. Kraftraum und Garderoben) sowie in Workshops zum Fach „Musisch-szenische Auftrittskompetenz“.
Medien (Auswahl)
- ZZ, 16.12.25: Zuger Mädchen hinken schon in der Primarschule im Fach Mathematik hinterher.
- ZZ, 10.12.25: Referendum bleibt aus – der Übertritt ans Gymnasium bleibt im Kanton Zug prüfungsfrei.
- Zuger Woche, 3.12.25: Zuger Erfolgsmodell Sprachaustausch.